Sonntag, 17. Juni 2018

Mut, Hilfe & Dankbarkeit

Vor ziemlich genau 2 Jahren war ich Teil einen heftigen Diskussion über sexuelle Orientierungen mit Verwandten und Bekannten. Ich hatte das Gefühl, die einzige Beteiligte an dieser Diskussion zu sein, die offen war, was die Akzeptanz von all den (besprochenen) Orientierungen anging.
Einige waren "okay" mit Schwulen und Lesben, fanden aber alles was darüber hinaus ging (Bi/Pan/...) nicht glaubwürdig und "zu viel".

Ich bin am nächsten Tag mit dem Flixbus nach Hause gefahren und habe viel über diese Diskussion nachgedacht. Und auch darüber, dass ich mich nicht 100% mit all den Heterosexuellen um mich herum identifizieren kann. Mich plagte wieder einmal der Gedanke "irgendwas stimmt einfach nicht mit mir!"

Ich habe daraufhin all meinen Mut zusammengenommen und angefangen zu googeln. Zuerst auf Deutsch:
Die ersten 5 Beiträge, die auf meine Schlagworte zutrafen handelten alle von schwachem Sex-Drive und was man dagegen tun kann, psychischen Störungen, die zu "Lustlosigkeit im Bett" führen können und sowas wie "Mehr Frust als Lust?! Wie sie mit ihrem Partner wieder zurück zu einem gesunden Sex-Leben finden!"

Ich glaub ich muss euch nicht sagen, dass ich mich dadurch noch mehr kritisiert und unter Druck gefühlt habe.
Zum Glück hat mich mein Mut trotz der ersten Ergebnisse nicht verlassen und ich hab beschlossen, auf Englisch zu googeln.
Der erste Vorschlag, den ich fand war AVEN. Das "Asexual Visibility and Education Network". Das ist ein Netzwerk, das über Asexualität aufklären und darauf aufmerksam machen will. AVEN gibt's auch auf Deutsch, war aber offensichtlich nicht in meinen ersten paar Google-Ergebnissen dabei.
Ich sah das Wort "Asexual" und war sehr geschockt. 'Asexuell? Das kann ich doch nicht sein!' - damals war mein Wissen darüber sehr, sehr klein (und falsch!), denn in meinem Kopf war asexuell das selbe wie aromantisch - ich dachte, das wären Menschen, die keine romantische Beziehungen eingehen wollen. Und das klang so überhaupt nicht nach mir!!

Ich habe die restliche Busfahrt damit verbracht, AVEN zu durchforsten und mich auch durch andere Quellen über Asexualität zu informieren. Und je mehr ich zum Thema gelesen habe, desto klarer wurde:
Das bin ich!

Zwar wurden meine unglaubliche Erleichterung und Freude begleitet von der Angst, was es bedeuten kann "anders zu sein".
Aber vor allem war ich sehr erleichtert, endlich ein Wort für meine Empfindungen gefunden zu haben.

Nach meinem 1.Outing bei meiner besten Freundin, über das ich schon in früheren Blogeinträgen geschrieben hab fühlte sich alles sogar noch ein bisschen besser an. Denn sie wusste zu dem Zeitpunkt auch nichts von dieser Orientierung und war offen dafür, mehr zu erfahren.

Wie ebenfalls in früheren Einträgen berichtet, werden meine Outings zwangsläufig immer von einer (relativ) ausführlichen Erklärung meiner Orientierung begleitet. Ich kann aber niemandem vorwerfen, nicht von der Orientierung zu wissen - mir ging es vor 2 Jahren ja nicht anders!

Das alles war die Motivation, die zu diesem Blog geführt hat. Ich wollte eine weitere Quelle für deutschsprachige Asexuelle sein. Meiner Erfahrung nach sind persönliche Berichte einfacher zu "verdauen" als wissenschaftlich formulierte Erklärungen.

Und ihr glaubt nicht wie toll mein Feedback bisher war!
Ich habe immer wieder das Erlebnis, dass ich einen Satz sage wie "über das hab ich mal einen Blogeintrag geschrieben!" und positiv überrascht wurde, wenn mein Gesprächspartner mit "ja, stimmt. Den hab ich gelesen!" antwortet.
Mir ist wirklich micht bewusst, wie viele meiner Freunde (und hoffentlich auch Familienmitglieder) meinen Blog verfolgen! Und ich möchte euch aufrichtig für eure Unterstützung danken! :)
Das allerbeste an diesem Blog und meiner offenen Art was meine eigene sexuelle Orientierung betrifft, waren aber die Outings von Menschen in meinem unmittelbaren Umfeld, die sich ohne den Blog nie an mich gewandt hätten!

Ich habe erkannt, dass es in meinem Leben schon seit Jahren asexuelle Personen gab! Und jüngere "Queers" sind mit ihren Fragen zu mir gekommen und wollten von mir unter anderem Tipps zu Outings der Familie gegenüber hören.
Ich bin froh, dass ich gut genug Englisch verstanden habe, um damals diese Google Ergebnisse finden zu können. Aber, weil ich all den deutschsprachigen Aces helfen und die Suche erleichtern will, versuche ich so viele Ace-Themen wie möglich abzudecken und aufzuklären. (Nur momentan fehlt mir leider oft die Zeit..)


Happy Pride Month! :)

Montag, 26. Februar 2018

Empfinden und Handlung

Ab und zu, wenn ich mich bei Freunden oute, passiert es, dass ich folgende Aussage höre:
"Vielleicht bin ich das auch!"
Mit Begründungen wie beispielsweise:
"Ich brauch nicht unbedingt Sex"
Oder
"Ich bin ja auch so schüchtern und wählerisch bei der Männer-/Frauenwahl!"

Mit den Menschen rede ich dann meistens genauer darüber, ob das Asexualität sein könnte. Und dabei ist vor allem eines wichtig: was man fühlt und was man tut sind unterschiedliche Dinge.

Kurz: es gibt Sexuelle, die keinen Sex haben und es gibt Asexuelle, die Sex haben.

Asexuell zu sein bedeutet, keine sexuelle Anziehung zu spüren. Also, dass man keiner Person gegenüber das Verlangen nach sexueller Handlung hat. Oder (um auch die Grauzonen der Asexualität miteinzubeziehen) nur ganz selten oder unter besonderen Umständen.

Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass der so genannte "Sex Drive" (=Sexualtrieb/Geschlechtstrieb/Libido) im Grunde nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun hat. Der Sex Drive ist etwas, das mit dem eigenen Körper zu tun hat. Man spürt das Verlangen nach sexueller Handlung (wichtig: nicht unbedingt mit einer anderen Person!), Stimulation der Geniatalien etc.
Der Sex Drive ist wichtig für die Erhaltung der Menschheit - ohne ihn würden wir vermutlich aussterben.

Nun ist es eben so, dass es viele Menschen gibt, die eine sexuelle Orientierung UND einen "normalen" Sex Drive haben. Und dann gibt es:
- Sexuelle mit schwachem Sex Drive
- Asexuelle mit "normalem" Sex Drive
- Asexuelle mit schwachem Sex Drive

Sexuelle Menschen mit schwachem Sex Drive sind zum Beispiel Personen, die Sex nicht unbedingt vermissen, wenn sie eine Weile keinen haben. Und auch Leute, die eher faul sind was Sex angeht - sie müssen sich in einer Beziehung zum Beispiel eher dazu "aufraffen" Sex zu haben, finden ihren Partner (und andere) aber durchaus sexuell anziehend.

Bei Asexuellen ist es weniger ein "Problem", wenn sie einen schwachen Sex Drive haben. Sie empfinden dadurch einfach weder anderen gegenüber sexuelle Anziehung, noch das Bedürfnis nach sexueller Stimulation.
(Allerdings können auch diese Menschen Sex haben!)

Bei Asexuellen mit Sex Drive kann es manchmal zu Verwirrung kommen. Man will zwar, dass z.B. die Genitalien stimuliert werden, aber nicht wirklich von anderen Personen. Das sind dann z.B. die Asexuellen, die masturbieren.

Manche Asexuelle in Beziehungen mit sexuellen Personen nutzen ihren Sex Drive dazu, mit ihrem Partner Sex zu haben, weil sie trotz fehlender sexueller (!) Anziehung den Sex Drive als "Motivator" haben.

Ich als Asexuelle kann nur von außen darüber reden, wie sich sexuelle Anziehung wohl anfühlt. Ich habe schon Erzählungen/Erklärungen gehört und gelesen, aber ich kann mir echt nicht vorstellen wie es ist diese Art der Anziehung wirklich zu fühlen!

Viele Asexuelle - auch ich - wurde bei Outings gefragt, ob wir sicher sind, dass mit unseren Hormonen und Körpern alles in Ordnung ist; ob wir deswegen schonmal bei einem Arzt waren. Aber diese Leute verstehen meistens nicht, was sexuelle Anziehung ist.

Natürlich gibt es auch Menschen, die "nur" einen sehr schwachen, kaum vorhandenen Sex Drive haben und sich asexuell nennen, weil sie den Unterschied nicht kennen. Von mir aus kann sich jede/r als das bezeichnen was sie/er will. Dafür muss man keine Liste an Kriterien erfüllen.
Die Asexuellen-Community nimmt auch gerne die Menschen auf, die einen sehr niedrigen Sex Drive haben. Wir sind da nicht so ;-)

Disclaimer: dieser Blogeintrag basiert auf meiner Online-Recherche, meiner eigenen Erfahrung und der Erzählung anderer Asexueller - falls irgendwas davon falsch ist tut es mir leid und ich bin froh um jedes Input, von dem ich mehr lernen kann!

Samstag, 3. Februar 2018

Asexualität ist nicht leicht.

Mein heutiger Blogeintrag ist eine Übersetzung eines Tumblr-Beitrages, den ich mir immer und immer wieder durchlese. Der Text wurde nicht von mir verfasst, spiegelt aber meine eigenen Gedanken und Gefühle sehr gut wieder. Ich habe den Beitrag sinngemäß übersetzt. Dabei habe ich meine eigenen Worte verwendet und Aussagen minimal angepasst.



Asexualität ist nicht leicht.

Es ist nicht leicht, zu denken, dass etwas mit dir nicht stimmt,

nur, weil du das Wort noch nie gehört hast.

Es ist nicht leicht von etwas umgeben zu sein, an dem man nicht interessiert ist.

Es ist nicht leicht, zu akzeptieren, dass man nicht kaputt ist.

Asexualität ist nicht leicht.

Es bedeutet, keine Repräsentation zu haben.

Es bedeutet, sich erklären zu müssen, jedes mal wenn man sich outet,

nur, weil Menschen das Wort noch nie gehört haben.

Es bedeutet, gefragt zu werden, wie man ohne Sex leben kann,

Es bedeutet, sehr persönliche Fragen gestellt zu bekommen,

aber sie trotzdem zu beantworten, weil Repräsentation wichtig ist.

Es bedeutet, gesagt zu bekommen, dass 1% keine bedeutende Zahl ist.

Es bedeutet, Menschen glauben dir nicht.

Asexualität ist nicht leicht.

Es ist nicht leicht, gesagt zu bekommen, dass man nicht lieben kann,

oder gesagt zu bekommen, dass das A (in LGBTQIA+) für "Ally" [=Verbündeter] steht.

Asexualität bedeutet, nicht vollkommen als "queer" anerkannt zu werden,

oder als "straight" [=hetero]

Es bedeutet, gesagt zu bekommen, dass man noch nicht die richtige Person gefunden hat,

und gefragt zu werden, wie man sich sicher sein kann, wenn man es nie probiert hat.

Es ist nicht leicht, von etwas umgeben zu sein, das einem unangenehm ist.

Es ist nicht leicht, sich schuldig zu fühlen, weil man sich nicht gleich am Anfang einer Beziehung geoutet hat.

Es bedeutet, nach Repräsentation zu fragen und alles über LGBT zu erfahren.

Asexualität ist nicht leicht.

Es bedeutet, Menschen verstehen dich nicht,

oder Menschen versuchen nicht einmal, dich zu verstehen.

Es bedeutet, Menschen dringen in deine Privatsphäre ein,

und missachten deine persönlichen Grenzen.

Es bedeutet, schmutzige Witze nicht zu verstehen,

und es bedeutet, peinlich berührt zu sein, wenn jemand dir einen Witz erklärt, den du verstanden hast,

oder jemand, der dir sagt, dass du es nicht verstehen kannst, weil du asexuell bist.

Asexualität ist nicht leicht.

Es bedeutet, sich schuldig zu fühlen, weil man ist, wie man ist,

und Angst zu haben, dass ein Outing Beziehungen zerstören wird.

Es bedeutet, anders behandelt zu werden, nachdem man sich geoutet hat,

weil du es bist.

Es bedeutet, Menschen erzählen es anderen, bei denen du dich nicht geoutet hast,

weil es keine große Sache ist.

Aber es ist eine große Sache für mich.

Asexualität bedeutet, das Wort zu finden,

es bedeutet, seine Identität zu finden und sich sofort kaputt zu fühlen.

Aber zu wissen, dass man damit klar kommen muss.

Es bedeutet, Freunde werden sich unwohl fühlen, weil du dich damit identifizierst.

Es bedeutet, gesagt zu bekommen, dass man sich selbst belügt.

Asexualität ist nicht leicht.

Aber das bin ich.

Ich bin es.

Und ich bin stolz darauf, asexuell zu sein.




Hier findet ihr den originalen Text:
http://thehumorousace.tumblr.com/post/167925580211/asexuality-is-not-easy

Dienstag, 23. Januar 2018

Outing-Blockade

Wenn men bedenkt, dass ich erst seit knapp 2 Jahren selber Bescheid weiß, habe ich mich schon richtig oft geoutet.
Treibende Motivationen dahinter waren, dass ich gerne ich selbst bin und mich nicht verstecken will und, dass ich meinen Freunden und Familienmitgliedern gegenüber fast nichts verheimlichen kann.

Ich persönlich finde, Asexualität ist genau so "viel wert" wie jede andere sexuelle Orientierung und jedes Outing kann seine Probleme mit sich bringen. Zum Beispiel:

- wenn eine lesbische Frau sich bei ihren Freundinnen outet, gibt es Reaktionen wie "aber nicht, dass du dich jetzt zu mir hingezogen fühlst.."
(Das ist eine völlig unnötige Angst, weil man nicht automatisch allen Menschen des "passendes Geschlechts" gegenüber Anziehung empfindet.)

- Pansexuelle (=sexuelle Anziehung basiert nicht auf der Geschlechtsidentität ihres Gegenübers) werden manchmal gefragt, wo ihre Anziehung denn endet - ob sie auch Tiere anziehend finden.
(Das ist natürlich eine richtig, richtig verletzende und dumme Aussage)

In den letzten Jahren sind die Menschen in unserer "westlichen Welt" zum Glück immer offener geworden, was sexuelle Orientierungen betrifft. Homosexualität wir meistens akzeptiert oder zumindest toleriert. An der Akzeptanz von Bi- und Pansexualität und auch verschiedenen Genderidentitäten wird noch gearbeitet, aber ich denke wir sind auf einem guten Weg.

Aber mir ist in meinem eigenen Leben und beim Lesen vieler Blogeinträge und Artikel über Asexualität wieder einmal aufgefallen, dass asexuelle (und aromantische) Menschen bei ihrem Outing eine zusätzliche Schwierigkeit haben:
Wir müssen erklären was das bedeutet.

Wenn jemand sagt er sei schwul, weiß jeder, er findet Männer anziehend.
Wenn jemand sagt er sei bisexuell, verwirrt das zwar immer noch einige homo-, hetero- und asexuelle, aber im Grunde verstehen alle, dass diese Person sowohl Männer als auch Frauen anziehend findet.

Aber "ASEXUELL" haben die meisten noch nicht einmal gehört! (mit Außnahme von der asexuellen/ungeschlechtlichen Fortpflanzung mancher Lebewesen, die man im Biologieunterricht gelernt hat, aber das ist was anderes..)

Sogar bei den LGBT-offensten Menschen musste ich noch genauer erklären, was "Asexualität" überhaupt ist.

Meistens ist das zwar etwas nervig, aber alles nicht wirklich ein Problem. Die Leute bei denen ich mich bisher persönlich geoutet habe, waren alles Freunde und Familienmitglieder. Die haben geduldig zugehört und versucht meine Erklärung zu verstehen und nachgefragt, wenn etwas unklar war. Manche Fragen kommen erst nach einiger Zeit - dafür habe ich natürlich auch Verständnis und bin immer bereit Dinge zu erklären.

ABER schwierig wird das ganze, wenn ich bei jemandem geoutet werde/bin, der nicht versteht, was das alles bedeutet, mir keine Chance gibt es zu erklären und womöglich falsche Annahmen verbreitet.

Genau das ist beispielsweise der Hauptgrund dafür, dass ich in der neuen Firma bis auf weiteres ungeoutet bleiben will. Wenn es ein paar Menschen erfahren, spricht es sich bestimmt rumm und ich habe keine Möglichkeit alle Kollegen hinzusetzen und ihnen meine Orientierung zu erklären. Und ich bezweifle, dass sich mehr als 3-4 Personen die Mühe machen meinen Blog zu lesen.

Vielleicht trau ich meinen Kollegen zu wenig zu, aber ich bin da lieber etwas vorsichtig, bevor sich seltsame, unwahre Gerüchte verbreiten. Und vor allem will ich nicht, dass Menschen von der Existenz von Asexualität wissen, aber etwas falsches darunter verstehen.

Um nochmal kurz zum Hauptthema zurückzukommen:
Asexuelle haben es relativ schwer wenn sie sich outen. Um das zu ändern müssen wir alle gemeinsam "anpacken" und für mehr Aufmerksamkeit sorgen.

Also bitte redet darüber (wenn es ins Gespräch passt) & teilt den Blog! :)

Donnerstag, 11. Januar 2018

Akzeptanz

Wer mich kennt weiß, dass man mich ca. 1x die Woche im Kino findet.
Diese und letzte Woche war ich sogar je 2x. Der Grund dafür: der geniale Film namens "The Greatest Showman".
Ich habe ihn letzten Sonntag und letzten Dienstag gesehen und werde ihn morgen (Sonntag) noch einmal sehen. Wieso ich den Film (der übrigens ein Musical ist) so oft in kurzer Zeit sehe, will ich euch hier erklären:

Der Film handelt von P.T. Barnum, dem Erfinder des Zirkus und erfolgreichen Showman. Sein Zirkus beginnt als Wachsfiguren-Kabinett und führt ihn dann zu außergewöhnlichen Menschen, mit denen er Shows aufführt.

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Die Story des Films basiert nur ein wenig auf den wahren Begebenheiten, deshalb lassen wir Gedanken daran jetzt einmal weg.
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Die "außergewöhnlichen Menschen" im Film sind tolle, liebe Menschen, die einfach nur aus der Norm ausbrechen, was ihr  Äußeres betrifft. Darunter befinden sich u.a. stark behaarte Menschen, ein Kleinwüchsiger, ein besonders großer Mann, jemand mit Albinismus und auch zwei schwarze Turner. (Der Film spielt im 19.Jahrhundert, deshalb hat die Hautfarbe eines Menschen in dem Film noch eine größere Bedeutung als heute)

Hugh Jackman, der P.T. Barnum im Film verkörpert, beantwortet die Frage, worum es im Film geht, unter anderem mit "Toleranz" und "Inklusion".
Für mich geht es vor allem um Akzeptanz.
Und genau das ist auch was mich an dem Film so packt. Natürlich, die genialen Lieder und atemberaubenden Performances sind toll und beeindruckend. Aber der Grund für meine Gänsehaut während dem Film war vor allem der Zusammenhalt und der Stolz der außergewöhnlichen Menschen im Zirkus.

Besonders emotional ist für mich "This is Me" - DAS Lied der bärtigen Dame (Lettie).
In dem Lied geht es um die Schwierigkeiten von Personen, die aus der Norm ausbrechen. Es ist der Moment in dem diese Frau endgültig beschließt sich nicht mehr fertig machen zu lassen, sondern zu ihr selbst zu stehen. Und sie versucht den anderen Zirkus-Leuten Mut zu machen, damit auch sie so denken.

Ich finde, man kann diese ganzen Emotionen, Ängste, Gedanken,... sehr gut auf Menschen mit unterschiedlichen sexuellen/romantischen Orientierungen und auch gender-Identitäten anwenden.
Deshalb spreche ich meinen Freunden gegenüber bei dem Lied immer von einer Queer-Hymne.
Ich habe verschiedene LGBTQ-Freunde (da gibt es genderqueers, homo-, bi-, a- und pansexuelle) und ich höre oft, wie schwierig es ist, anderen Menschen gegenüber und in der "Öffentlichkeit" zum eigenen "anders-sein" zu stehen. Ich weiß das ja auch selbst (siehe: meinen letzten Blogeintrag zum un-geoutet sein).

"This is Me" kann uns alle lehren, stolz auf unsere Identitäten und Orientierungen zu sein, weil diese einfach zu uns gehören. Denn: "I know that there's a place for us, for we are glorious!" (DE: Ich weiß, dass es Platz für uns gibt, weil wir glorreich/herrlich sind!)

Früher oder später müssen die cisgender, heterosexuellen Menschen uns diesen Platz einräumen! Und wenn man sich umschaut und offen ist, findet sicher JEDER einen queeren Menschen in seiner direkten Umgebung! Ich zum Beispiel habe jeweils mindestens eine/n in jedem meiner Freundeskreise.

Deshalb, mein Aufruf an alle asexuellen, bisexuellen, homosexuellen, pansexuellen, gender-nonbinary, transsexuellen und aromatischen Menschen da draußen (und alle Orientierungen und Identitäten, die ich gerade ausgelassen habe):
Steht zu euch! Niemand hat das Recht euch das zu verbieten und wenn jemand versucht euch deswegen fertig zu machen, sollte euch diese Person nicht wichtiger sein als euer Stolz. Außerdem habt ihr eine tolle, starke Community, die hinter euch steht!

Und zur Community intern: alle LGBTQ+ Leute müssen dringend aufhören, einander auszuschließen. Wenn wir einander keine Akzeptanz zeigen, wie sollen es dann die unerfahrenen cisgendered Heterosexuellen lernen?

Nicht-asexuelle denken jetzt vielleicht ich mach mich zu wichtig und  übertreibe, weil ich ja eigentlich auch ein cisgendered Hetero bin, der 'nur' keine sexuelle Anziehung spürt. Aber ihr wisst nicht, wie die Blicke sich anfühlen. Die Blicke von Menschen, die Bescheid wissen und einfach nicht fassen können, dass jemand KEINEN Sex haben will. Diese Blicke sind verletzend.
Bestimmte Fragen, die ich bekomme, sind verletzend.
Menschen, die denken es stimmt was nicht mit mir, sind verletzend.
Und all diese verletzenden Dinge machen es mir schwer, zu mir selbst zu stehen.

Aber, wie die bärtige Dame in ihrem Lied singt:
"I am brave, I am bruised, I am who I'm meant to be. This is me!"

(DE: ich bin mutig, ich bin verletzt, ich bin wer ich sein sollte. Das bin ich!)

Link zum Song: This is Me