Freitag, 22. Dezember 2017

Un-geoutet - alles nochmal von vorne.

Ich habe vor ein paar Monaten mit einem neuen Job angefangen. Da hab ich viel zu tun und ich komm deshalb wirklich kaum dazu, neue Blogeinträge zu schreiben.
Ich entschuldige mich also hiermit für meine lange Abwesenheit!

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Ich bin eigentlich überall geoutet:
In der Familie, in den verschiedenen Freundeskreisen,.... Dank diesem Blog und meiner guten Beziehung zu ihnen sogar bei meinen ehemaligen Arbeitskollegen!

Aber vor 3 Monaten habe ich bei einer neuen Firma angefangen und habe beschlossen, mich zwar nicht als Sexuelle auszugeben, aber mich auch nicht gleich zu outen.

Ich wollte nicht, dass ich als "die Prüde" oder so etwas gelte, nur weil sich manche Arbeitskollegen nicht die Mühe geben es zu verstehen.

Und wie eigentlich immer, wenn man ungeoutet ist, gehen die Mitmenschen davon aus, dass man heterosexuell ist.
Mich als hetero zu sehen ist nicht schlimm. Es ist ja auch sehr nah an der Wahrheit dran! Und meistens bespricht man (zum Glück) sowieso nicht sein Sexleben mit (neuen) Arbeitskollegen.

Allerdings sind bestimmte Gespräche schon vorgekommen und die haben dazu gesorgt, dass ich mich nicht ganz wohl gefühlt habe in meiner Haut.

Zum Beispiel hat eine Arbeitskollegin zu mir und einer weiteren Kollegin gesagt "...naja, nach ein paar Jahren Beziehung wird der Sex meistens langweilig. Da muss man schauen, wie man sonst mit dem Partner klar kommt!"
Und da bin ich nur kommentarlos daneben gesessen und wusste nicht wirklich, was ich denken oder sagen soll.

Ein anderes Mal wurde die Tinder-Aktivität eines Kollegen relativ ausführlich besprochen. Das wurde mir auch irgendwann unangenehm, weil er Sex wie eine Art "Sportart für jeden" behandelt hat. Und für mich ist das eben ziemlich unvorstellbar.

Der neue Job ist toll und meine Arbeitskollegen sehr lieb. Also wäre die Grundlage für ein Outing schon vorhanden. Aber ich habe eben noch Angst davor, dass es einige nicht verstehen könnten und ich dann mit anderen Augen gesehen werde.
Und das kann man als "die Neue" nicht unbedingt brauchen.

Deshalb verstecke ich momentan noch einen Teil meiner Persönlichkeit. Aber ich hasse das immer wieder! Ich bin einfach gerne 100% ich selbst. Und ungeoutet bin ich das einfach nicht.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es ungeouteten Menschen geht, die in einer Beziehung mit einem gleichgeschlechtlichen Partner sind und nicht offen über ihre Beziehung reden können. Das muss noch einige Stufen schlimmer sein.

Noch ein Grund mehr also, für mehr Aufmerksamkeit zu sorgen, damit meine queeren Mitmenschen in Zukunft noch offener sie selbst sein können - in allen Lebenslagen!

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Wann?

Nachdem ich vor kurzem einen Artikel darüber gelesen habe, dass wir (dringend) bessere asexuelle Charaktere in Serien und Filmen brauchen (Artikel-Link). Habe ich die darin empfohlene Serie Riverdale angefangen.
Laut dem Artikel gibt es in der Comic-Vorlage zur Serie einen offen asexuellen und a- bzw. Demiromantischen Charakter.

Zu Beginn der Serie wirkt der Charakter auch sehr aroace (=Kurzform von aromantisch + asexuell), doch leider  ändert sich das gegen Ende der 1.Staffel.
Dass er demiromantisch (und auch demisexuell) ist, kann man zwar noch nicht ausschließen - zum Glück!! - aber asexuell ist für mich leider keine Möglichkeit mehr.

Ich habe daraufhin einer Freundin geschrieben, die auch Riverdale schaut und ihr meine Enttäuschung geschildert. Außerdem wurde dieses Thema auch gestern auf einer aroace-Facebookseite diskutiert.. Sowohl meine Freundin, als auch Leute auf der Facebookseite haben versucht mich mit dem Argument "Demisexuell ist noch nicht ausgeschlossen" aufzuheitern, aber leider hilft mir das nur wenig.
Nach einem Alien, einem Vampir, zwei Soziopathen und einem Zeichentrickcharakter (Doctor Who, Shadowhunters, Sherlock & Big Bang Theory, Bojack Horseman) wäre Jughead aus "Riverdale" die erste Chance gewesen, einen menschlichen (zwar auch psychisch nicht komplett gesunden, aber nah genug dran) offen asexuellen & aromantischen Charakter zu haben mit dem ich mich (zumindest was den sexuellen Teil angeht) identifizieren kann.
Cole Sprouse, der Jughead in der Serie verkörpert, war von Anfang an dafür, den Charakter so wie in den Comics darzustellen. Anscheinend hatte er deswegen sogar Gespräche mit den Produzenten. Aber leider hat man nicht auf ihn gehört. Bisher - wie er sagt - aber später ist es für mich nur noch eine Art Schadensbegrenzung.

Diese Woche ist "Asexual Awareness Week" - also eine Woche die dazu da ist, mehr Aufmerksamkeit für meine sexuelle Orientierung zu schaffen.
Und ich fand das ist genau der richtige Zeitpunkt für diesen Eintrag.

Als jemand, der in der Medienbranche arbeitet, bin ich ziemlich enttäuscht davon, wie meine Sexualität einfach  übersehen oder ignoriert wird. Im besten Fall werden wir von "Freaks" repräsentiert, unsere Sexualität ist Folge einer Krankheit und kann ZUM GLÜCK geheilt werden (danke, Dr. House) oder enden als dummer Witz einer Comedyserie.
Ich freue mich wirklich auf den Tag, an dem ein menschlicher Charakter, der Freunde und sein Leben mehr oder weniger im Griff hat, das Wort "asexuell" verwendet, um sich bei jemandem zu outen. Damit das passiert müssen wir allerdings noch viel mehr Aufmerksamkeit bekommen!

Aber ich bin hoffnungsvoll dass wir das schaffen!
...nur wann?

Edit: nachdem ich heut noch mehr darüber nachgedacht habe und auf Charaktere hingewiesen wurde, die als asexuell gesehen werden können, möchte ich folgendes noch hinzufügen:
Ich denke, es gibt bereits (menschliche) asexuelle Charaktere in Filmen und Serien. Nur, solange die Menschen nicht offen darüber reden, dass sie keine sexuelle Anziehung spüren, kann man sich dessen nicht sicher sein.
Und am allerbesten wäre es natürlich, wenn endlich mal Charaktere damit anfangen würden das Wort "ASEXUELL" zu verwenden. Ansonsten können sie nämlich immer noch missverstanden werden.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Coming Out Tipps

Morgen ist der Internationale Coming Out Tag :) 
Das heißt es jährt sich zum ersten mal mein öffentliches Coming Out auf Facebook und der Beginn dieses Blogs.
Ich dachte mir zur Feier dieses tollen Tages könnte ich Coming Out Tipps geben. Für ein Outing gibt es leider keine klaren Richtlinien, an die man sich halten kann, und die einem versprechen, dass alles gut wird. Aber ich habe jetzt fast 1,5 Jahre Outing-Erfahrung und habe dadurch gelernt, was dabei helfen kann und worauf man vorbereitet sein sollte.
1.) Sei dir bewusst, als was du dich selbst siehst bzw. Wie du von anderen bezeichnet/gesehen werden möchtest. Also, bei mir wäre das "asexuell, also spüre ich keine sexuelle Anziehung; heteroromantisch, also fühle ich mich (manchen) Männern gegenüber trotzdem romantisch angezogen"
Wenn du noch nicht genau weißt welches "Label" zutrifft, (ob du beispielsweise demi- oder auch asexuell.. Vielleicht auch "nur" schüchterne/r Homosexuelle/r oder irgendwas anderes sein willst) oder du von den ganzen Orientierungen die es mitlerweile gibt  überfordert und verwirrt bist, dann kannst du dich natürlich auch schon outen. Nur stelle ich es mir dann etwas schwieriger vor und ich rate dir, dann nicht bei den konservativen Großeltern, sondern eher bei einem guten Freund anzufangen.
2.) Überlege dir (besonders für das erste Outing), was du sagen möchtest und am besten auch wie.
Du musst kein "Drehbuch" im Kopf haben an das du dich hälst, aber ich fand es hilfreich - vor allem beim Outing meiner Familie gegenüber - eine Checkliste im Kopf zu haben, die ich durchgegangen bin.
3.) Sei vorbereitet auf viele (unangenehme) Fragen.. Ich wurde zum Beispiel mehr als einmal gefragt, ob das jetzt bedeutet dass ich Jungfrau bin. :S und auch wie genau ich dann eigentlich meine zukünftigen Kinder bekomme, von denen ich öfter mal rede...
Viele Fragen waren auch einfach wichtig, damit mein Gegenüber das alles verstanden hat, aber nicht alle waren leicht zu beantworten! Sei also vorbereitet auf alles, aber antworte nur darauf wenn es dir nicht zu unangenehm ist! Keiner hat das "Recht" alles zu wissen, nur weil du deine romantische/sexuelle Orientierung geteilt hast.
4.) Sei vorbereitet darauf, dass dein Gegenüber deine Orientierung nicht nachvollziehen/verstehen kann. Ich hatte Menschen, die mir nahe stehen, die eine Weile gebraucht haben um zu akzeptieren, dass ich asexuell bin. Auch welche, die ihre Zweifel daran hatten, dass es sowas gibt.
5.) dies gilt besonders für Asexuelle, aber kommt sicher auch bei anderen Orientierungen vor: sei bereit für dumme "beim richtigen Mann/bei der richtigen Frau wirst du dann sicher anders denken!"-Kommentare.
Egal ob du 12 bist, 25 oder 60 - wenn du findest, eine Orientierung beschreibt dich, dann nimm sie an! Und wenn dann doch einmal eine Person kommt, für die du plötzlich Dinge empfindest, die du nicht für möglich gefunden hast, dann ist das eben so! Aber dann heißt das nicht, dass deine Orientierung (bis zu dem Zeitpunkt) nicht trotzdem wichtig und wahr war!
6.) Pass auf dich auf! Sei beispielsweise vorsichtig, falls dein Gegenüber homophob oder ähnliches ist.
Es gibt leider viel zu viele Geschichten von Asexuellen, die nach ihrem Outing in einer Beziehung von einem Partner zu Sex gezwungen wurden - nach dem Motto "was sagst du da - du findest mich sexuell nicht anziehend?!"
Und eben wenn man sich bei extrem homophoben Eltern als homo-irgendwas outet, kann das auch sehr böse enden.
Also wenn du begründete Ängste hast, dass dein Outing zu psychischer oder physischer Gewalt führen könnte, pass lieber auf dich auf!
Und noch ein Bonus-Tipp für Asexuelle: auf der AVEN-Seite gibt's tolle Beiträge, die beim Outing helfen. Ich habe damals meiner Familie folgende Seiten ausgedruckt, damit sie sich nach meinem Outing genauer informieren können und ich fand das sehr hilfreich:
Ich wünsche euch einen wunderschönen Internationalen Coming Out Tag!! :)
Und ganz viel Liebe und Verständnis von euren Mitmenschen für all eure Outings! 

Montag, 18. September 2017

DEMI-sexuell/-romantisch/...

Heute gibt's wieder mal einen (hoffentlich) sehr informativen Blogeintrag von mir :)

Ich denke in letzter Zeit viel über Demisexualität nach und bevor ich diese Orientierung in meinem Blog anspreche, ohne euch zuerst eine gute Erklärung dazu zu liefern, mach ich das lieber jetzt ausführlich.
Vorschlag für eine Pride-Flagge für Demisexuelle
Die Flagge der Demisexuellen - sie enthält die selben Farben wie die Asexuellenflagge, die Farben sind allerdings hier anders angeordnet

Zuerst muss ich euch allerdings mitteilen, dass ich keine eigene Erfahrung mit Demisexualität habe (ich sehe mich selbst weiterhin als durch und durch asexuell) und ich deshalb nur weitergeben kann, was ich gelesen oder auf YouTube gesehen habe.

Asexualität ist wie gesagt ein Spektrum und Demisexualität ist ein Teil davon. Manche Demisexuelle nennen sich manchmal auch "Grey-Ace" (=Grau/Grauzonen-asexuell), das heißt allerdings nicht, dass alle Grey-Aces demisexuell sind. Das ganze ist wirklich schwierig zu verstehen und noch schwieriger zu erklären.
Das Wort "Demi" kann man aus dem Lateinischen ableiten, oder auch aus dem alten Französisch oder Englisch - es wird entweder als "halbiert" oder "halb" übersetzt, in manchen Quellen auch als "mittig".

Als Demisexuell bezeichnen sich Menschen, die erst sexuelle Anziehung spüren, wenn sie eine starke emotionale Bindung zu einer Person haben. Dies kann eine romantische Bindung/Beziehung, aber auch eine Freundschaft sein.
Ich habe schon von Demisexuellen gelesen, die zwar in manchen romantischen Beziehungen plötzlich sexuelle Anziehung gespürt haben, in anderen aber wieder nicht. Also sollte man als Sexueller in einer Beziehung mit einer demisexuellen Person nicht unbedingt darauf hoffen, dass sein Partner noch "sexuell wird". Denn dies ist nicht immer der Fall und Demisexuelle haben es nicht in der Hand, ob sie ihrem Partner gegenüber sexuelle Anziehung empfinden oder nicht.

Ich selbst habe über Demisexualität schon einige Jahre früher Artikel gelesen als über Asexualität und habe eine Zeit lang auch gedacht, ich könnte diese Orientierung als meine eigene sehen. Nur war ich dann wieder unsicher, als ich mich Männern emotional sehr nahe gefühlt habe und trotzdem keine sexuelle Anziehung gespürt habe. Deshalb habe ich beschlossen mich nicht als demi- und stattdessen als asexuell zu sehen. Falls ich doch einmal eine emotionale Bindung mit jemandem habe und daraus sexuelle Anziehung entsteht, kann ich mein "Label" ja immer noch ändern.

Viele Sexuelle sagen, wenn man mit ihnen über Demisexualität redet, Dinge wie:
"Ist nicht fast Jeder (bzw. jede Frau) demisexuell?" (bzw. "Ist das nicht die Norm?")
oder
"Ich schlafe ja auch nicht mit jeder Person, die mir gefällt, vielleicht bin ich dann auch demisexuell."

Diese Personen haben meiner Meinung nach nicht verstanden, was sexuelle Anziehung ist. Mir und auch den meisten Leuten auf dem Asexuellenspektrum ist sehr wohl bewusst, dass sexuelle Menschen nicht mit jeder Person schlafen die ihnen gefällt. Aber der Unterschied zwischen "euch" und "uns" ist, dass wir nie eine X-beliebige Person anschauen können und das Bedürfnis empfinden mit dieser Person Sex zu haben.

Wie ihr dem Titel dieses Beitrags entnehmen könnt, gibt es auch die Orientierung "Demiromantisch". Hier gilt das selbe, allerdings mit Liebe statt Sex - Demiromantische Menschen entwickeln erst romantische Gefühle einer Person gegenüber, wenn sie eine starke emotionale Bindung geformt haben. Einfach erklärt bedeutet das, dass sie nur eine Beziehung mit jemandem eingehen werden, wenn diese Person davor schon in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielt - beispielsweise ein guter Freund/eine gute Freundin.

Auch hier gilt: demiromantische Menschen gehören zum Spektrum der Aromantik.

Ich hoffe meine Erklärungen und Beispiele helfen euch, diese Orientierungen zu verstehen. Sollten noch offene Fragen existieren, bitte ich euch wie immer mich zu kontaktieren! :) Ich würde sehr gerne dabei helfen, mehr Verständnis für diese Orientierungen zu schaffen.

Für alle, die mehr wissen wollen und Englisch verstehen, habe ich hier noch einen Link zu einem sehr informativen Video:
Demisexuality 101


Und jetzt macht euch bitte bereit für eine Theorie, die ich vor kurzem aufgestellt habe:

In der Serie Orphan Black gibt es Charaktere mit verschiedenen sexuellen Orientierungen. Das wird zwar thematisiert, aber zum Glück nicht zu sehr in den Mittelpunkt gerückt.

Achtung:
Ich werde im folgenden Absatz leichte Spoiler verraten, aber ich finde, dass sie nicht zu schlimm sind und die Serie auch mit den Spoilern spannend bleibt. Falls du allerdings total dagegen bist, irgendwas zu wissen bevor du die Serie siehst, empfehle ich dir die 1.Staffel zu sehen und dann kannst du beruhigt wieder zu diesem Blogeintrag zurückkommen :)


Ein Hauptcharakter der Serie ist Cosima, eine homosexuelle Frau. Sie verliebt sich in der 1.Staffel in eine Frau namens Delphine. Cosima küsst Delphine, weil sie deren Verhalten als flirten interpretiert hat. Jedoch hat sich Delphine bis dahin als Heterosexuell gesehen und war auf den Kuss nicht vorbereitet. Aus verschiedenen Gründen kommt sie jedoch nach dem Kuss wieder zu Cosima und es entsteht ein Gespräch in dem Delphine folgendes sagt:
"Bisexualität war nie ein Thema. Ich meine, was mich angeht. Mir als Wissenschaftlerin ist klar, dass Sexualität ein Spektrum ist. Aber Vorbehalte der Gesellschaft, die prägen eine Ausrichtung. Ganz unabhängig von biologischen Fakten."
Anschließen haben die beiden Sex und starten eine romantische Beziehung.

Als ich die ersten beiden Staffeln zuerst gesehen habe, wusste ich noch nicht viel von den verschiedenen sexuellen (und romantischen) Orientierungen. Deshalb habe ich über Delphines "Wandel" nicht besonders viel nachgedacht. Ich habe vor kurzem die Serie noch einmal von vorne gesehen und jetzt - nach allem was ich in den letzten 1,5 Jahren gelernt habe - gibt es für mich 2 mögliche Erklärungen, wieso diese Beziehung entstanden ist:
1. Sexualität ist fließend & wandelbar. Menschen können ihre sexuelle Orientierung zwar nicht selber beeinflussen oder ändern, aber manchmal passiert es einfach. Vielleicht war Delphine ihre ganze Jugend heterosexuell und plötzlich (ungefähr in der Zeit als sie Cosima kennengelernt hat) war sie dann doch eher bisexuell.
oder
2. (meine Theorie) es gibt auch noch "Demi-Stufen" von anderen Orientierungen.
ALSO wenn jemand z.B. sein ganzes Leben heteroromantische und -sexuelle Gefühle hatte und dann (wie bei Delphine) eine starke emotionale Bindung mit einer Person des gleichen Geschlechts empfindet, aus der plötzlich sexuelle und romantische Anziehung entsteht.
Wie genial wäre es, wenn wir wirklich auch noch Demi-irgendwas ZUSÄTZLICH zu unseren anderen Orientierungen sein könnten???
Also, wenn ich asexuell, heteroromantisch UND "demi-bi-romantisch" sein könnte!
Ich finde diese Theorie jedenfalls ziemlich spannend!

Ich hoffe das macht alles irgendwie Sinn und ich habe euch nicht komplett überfordert.

Achja: und wer jetzt mit Argumenten kommen will, dass die Liebe zwischen den Charakteren nicht echt bzw. realistisch war, dem lege ich es nahe eine liebe Freundin von mir zu kontaktieren, die sich in ihrer Bachelorarbeit sehr intensiv damit befasst hat. Sie oder ihre Arbeit sind sehr überzeugend! :)

Und ja, uns ist bewusst, dass es sich um fiktionale Charaktere handelt! Aber die sexuellen Orientierungen in der Serie sind sehr wohl auch in der realen Welt vorhanden.

Dienstag, 22. August 2017

"Sex macht uns zum Menschen"

"Sex macht uns zum Menschen."
Diese Aussage hören bzw. lesen Asexuelle immer wieder von Menschen, die sich einfach nicht damit zufrieden geben können, dass manche von uns kein Bedürfnis danach haben, mit anderen Menschen Sex zu haben.
Aber uns Menschen macht doch viel mehr aus, als nur die Art wie wir uns fortpflanzen bzw. diese EINE Art Spaß zu haben, oder?!

Ich habe dazu einen tollen Text gefunden, den ich gerne mit euch teilen und für euch übersetzen möchte:

"Sex macht uns zu Menschen". Wirklich? Denn: Affen haben Sex. Schildkröten haben Sex. RANKENFUßKREBSE haben Sex.

Menschen lernen Fremdsprachen, nur weil sie es können. Menschen backen Kekse. Menschen stricken Pullover. Menschen fragen nach Erlaubnis um die Hunde anderer Menschen zu streicheln. Menschen diskutieren darüber, ob Geister echt sind. Menschen schreiben Geschichten, für die sie sich zu sehr schämen, um sie anderen zu zeigen. Menschen essen Speisen, die so scharf sind, dass sie unsere Nasen zum laufen bringen. Menschen suchen auf Google danach, welche Art von Vogel dieses Geräusch macht. Menschen bauen Pyramiden oder reisen tausende Meilen um die Pyramiden anderer Menschen anzuschauen.

"Sex macht uns zu Menschen".
Wirklich?



Montag, 7. August 2017

Die Dating-Welt stresst mich.

Viele Gedanken, viel Stress und die Motivation mal wieder einen Eintrag zu verfassen führen mich heute auf meinen Blog :)
Ich schreib einfach mal los und hoffe, dass was gutes dabei rauskommt:

Die Dating-Welt stresst mich.

Ich habe hier vor ein paar Monaten schon  über eine negative Erfahrung geschrieben. Ich hätte mir den Eintrag vielleicht noch einmal durchlesen sollen, weil es sein kann, dass sich hier jetzt einiges wiederholt. Aber egal!

Ich bin Männern gegenüber viel schüchterner geworden seit ich weiß, dass ich asexuell bin. Das ist zwar nicht schlimm und ein bisschen schüchterner zu werden ist vielleicht auch gut. ABER ich war vorher schon wählerisch und jetzt habe ich das Gefühl ich "sortiere nur noch aus".
Wenn mir ein Mann zu nahe kommt bekomm ich sofort Panik und flüchte aus der Situation. Am liebsten würde ich wohl sofort in der Mitte einer Beziehung starten - das Kennenlernen und die ersten Schwierigkeiten überspringen und mich gleich wohlfühlen.
Nur leider funktioniert das so nicht...
Und deshalb lerne ich neue Männer kennen, lasse sie etwas an mich heran und entweder verlieren dann sie die Geduld bzw. das Interesse ODER ich blocke sie plötzlich wieder ab.

Die letzten beiden Male, als ich kurz davor war mich bei jemandem zu outen und mich vielleicht auf eine Beziehung einzulassen, wurde ich plötzlich zurückgewiesen/ignoriert. Das hilft meinem Selbstbewusstsein und Mut natürlich überhaupt nicht.

Da habe ich immer das Gefühl, ich finde nie mehr jemanden der es mit mir aushält.

Und trotzdem lerne ich wieder jemanden kennen und alles fängt von vorne an: die Gedanken, wann man sich outen sollte; das ganze Gerede, dass man als Asexuelle ja keinen Sexuellen "verführen" sollte, wenn man nicht dazu bereit ist seine Bedürfnisse zu erfüllen; die Zweifel ob das trotzdem gut gehen kann;...

Viele meiner sexuellen Freunde sagen mir "wenn dich jemand wirklich liebt, ist ihm egal ob ihr Sex habt oder nicht. Es gibt so viel wichtigeres in einer Beziehung." aber  über 90% dieser Freunde sagen etwas später "also ich könnte mir ja nie eine Beziehung ohne Sex vorstellen."
Und das ist einfach Bullshit.
Ich fühle mich bei sowas oft belogen.

Und die logische Lösung dafür ist - ich weiß - einen Asexuellen zu daten.
Aber wisst ihr wie schwierig das ist?! Es sind ca. 1% der Menschen asexuell. Ein Teil davon ist aromantisch/homoromantisch, also keine Option für mich. Dann bleiben nicht mehr besonders viele übrig und dann gibt's noch dieses Problem, dass asexuelle Männer es viel schwerer haben sich zu outen, weil auf Männern ein noch größerer Druck lastet, sexuell aktiv zu sein.

Und all diese Gedanken, die in dieser "Schwafelei" hier von mir aufgeschrieben wurden, führen dazu, dass mich die Dating-Welt stresst.

Ich wünsche mir so sehr nicht mehr romantisch zu sein. Ich verfluche mein Bedürfnis nach einer Beziehung so sehr.

Ich habe heute leider keinen fröhlichen Schlusssatz für euch. Aber ich geb mir Mühe, dass ich bald wieder andere Einträge schreiben kann, die optimistischer und ausklärender sind!

In der Zwischenzeit bin ich froh um jede ehrlich gemeinte Nachricht und vl. "Erfahrungsberichten" von anderen Asexuellen.
Danke! <3

Dienstag, 4. Juli 2017

Sind wir LGBTQIA+ und/oder "queer"?

Wer mich kennt weiß, dass ich auf Facebook ziemlich aktiv bin.
Ich poste zwar nicht so oft selber, folge aber einigen Seiten und lese & like vieles.

Mir ist es wichtig, dass ich bei guten Aussagen oder Artikeln mit meinem "Gefällt mir" zeige, dass ich die Botschaft gut finde.
Eine sehr gute Freundin von mir macht mich des öfteren auf Postings aufmerksam, die meinen Interessen entsprechen. In diesen Postings geht es oft um LGBTQ+ Themen und Asexualität.

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Zuerst einmal zu den Begriffen im Titel dieses Blogeintrags:
L esbian (lesbisch)
G ay (schwul)
B i (-sexuell)
T ransgender
Q ueer
I ntersex (=Menschen die nicht klar in die Kategorien männlich/weiblich "eingeteilt" werden können)
A sexual ODER Ally (=Verbündeter)
+ (steht quasi für alle Orientierungen/Geschlechtsidentitaten die nicht mit einem der Buchstaben bereits einbezogen wurden)

Das ganze Kürzel steht für die Community, die aus Menschen besteht, die nicht hetero oder cisgendered (=das Geschlecht als das man geboren wurde und das Geschlecht mit welchem man sich identifiziert stimmen überein) sind.

Das *A* stand zuerst für "Ally", also die Verbündeten aus der 'Heterowelt' die sich für die Rechte der Community einsetzen oder auch Menschen die sich lieber als Ally bezeichnen um ihr Interesse an der Community zu erklären bevor sie sich outen wollen.

"Queer" kann z.B. mit seltsam oder sonderbar  übersetzt werden und steht im Bezug auf die LGBTQIA+ Community für das "von der Norm abweichen".
Zuerst wurde das Wort gegen Lesben und Schwule verwendet, aber irgendwann hat diese community es angenommen und zu einem positiveren Wort gemacht.

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Wer diesen Blog schon länger verfolgt oder sich mit mir offen über das Thema (A)Sexualität unterhält, weiß, dass ich diesen Begriff auch für mich selber verwende.

Umso betroffener war ich, als ich vor kurzem auf Facebook auf einer LGBTQ+ Seite einen Artikel zum Thema Asexualität gelesen hab. Der Artikel war super und hat Asexuelle dazu aufgefordert von ihren Erfahrungen zu berichten. Allerdings waren die Kommentare unter dem Artikel sehr verletztend.
"Homo-/biromantische Asexuelle sind bei uns natürlich willkommen, aber Heteros die keinen Sex wollen sind nicht queer!" war die Kernaussage vieler.

Na toll! Die Heterosexuellen wollen uns nicht ("Nein, Beziehung ohne Sex geht auf keinen Fall!"/"Das ist nicht normal!")und die Community in der wir uns wohlfühlen würden erkennt uns anscheinend auch nicht an.
Und wieder einmal ist Asexualität eine unsichtbare Orientierung und wir machen nochmal Rückschritte was die Offenheit dafür betrifft..

Vor allem: wie diskriminierend von einer Community die eigentlich dafür steht Diskriminierung von 'Randgruppen' zu beseitigen!

Ich wurde leider nicht das 1. Mal von der LGBTQ Community vor den Kopf gestoßen.
Aber es denken natürlich nicht alle so!

Ich habe auch sehr tolle Menschen aus der LGBT Community in meinem Leben oder online getroffen, die verstehen wie es ist, sich in der "Heterowelt" nicht wohlzufühlen und wissen wie wichtig es ist, eine Gruppe zu haben, in der man Bestätigung bekommt, dass die Dinge die man fühlt (oder auch nicht fühlt) nicht falsch oder schlecht sind.

Ob wir (heteroromantische) Asexuelle je ganz von der LGBTQIA+ Community als Mitglieder akzeptiert werden ist unklar. Aber ich werde sicher nicht aufhören mich als Teil davon zu sehen nur weil ein paar Menschen finden ich habe kein Recht darauf. Und die Freiheit mich selbst "queer" zu nennen werde ich mir auch nicht nehmen lassen!

Auch wenn das vielleicht bedeutet, dass ich mich in der Community noch vielen Diskussionen stellen muss.

Dienstag, 27. Juni 2017

Sexuelle Orientierung ≠ romantische Orientierung

Juni ist Pride Monat, also der Monat in dem viele LGBTQ+ Veranstaltungen stattfinden, z.B. Paraden, und allgemein wird die Individualität und der Stolz auf alle sexuellen, romantischen und Gender-Orientierungen (die von der "Norm" abweichen) jeder Person in diesem Monat mehr gefeiert als sonst.
Ich habe mir für diesen Monat viele Blogeinträge vorgenommen, aber dann kam irgendwie das Leben dazwischen.
Den wichtigsten und für mich einfachsten meiner geplanten Einträge muss ich jetzt aber loswerden bevor der Juli anfängt.
Ich möchte nämlich noch einmal betonen, dass die sexuelle und romantische Orientierung jeder Person nicht zwingend zusammenhängen!
Mir ist bewusst, dass ich das bereits in einem meiner ersten Blogeinträge klargestellt habe, aber mir ist es wichtig das nochmal genauer aufzugreifen, denn:
Vor ein paar Wochen hat sich jemand bei mir geoutet. Diese Person hatte leichte Schwierigkeiten ihre Orientierung in Worte zu fassen, weil sie irgendwie "Bi" ist und irgendwie auch nicht.
Dann habe ich erklärt, dass - im Gegensatz zum Glauben vieler - sexuelle & romantische Orientierung nicht zusammenhängen. Natürlich denkt man darüber nicht viel nach wenn man beispielsweise homosexuell und homoromantisch ist, aber für alle bei denen diese beiden Arten der Anziehung sich auf unterschiedliche Geschlechter beziehen ist das ganze anfangs oft verwirrend.
Ich dachte zuerst auch, dass ich nicht asexuell sein kann, denn immerhin bin ich in der Lage mich in Männer zu verlieben!
Ich war sehr froh als ich Blogeinträge, Artikel und Youtubevideos gefunden habe, die mir das alles erklärt haben.
Im Falle der Person mir der ich zuletzt darüber geredet habe, war es der Fall dass sie sich sowohl in Männer als auch in Frauen verlieben kann, aber nur bei einem Geschlecht sexuelle Anziehung spürt.
Was das andere Geschlecht angeht ist diese Person - einfach ausgedrückt - asexuell.
Aber zu sagen "ich bin biromantisch, homo-/heterosexuell und asexuell wenns um [Geschlecht] geht" ist eben kompliziert und bringt vermutlich sehr viel Erklärungsbedarf mit sich.
Ich wünsche mir für alle, deren romantische und sexuelle Orientierung nicht übereinstimmen, dass die Gesellschaft offener wird, was das Verständnis für solche Dinge angeht.
Für alle von euch, deren Orientierungen sich nicht von einander unterschieden, habe ich ein Beispiel wie ihr euch das vorstellen könnt:
(Wie gut das Beispiel ist kann ich nichr beurteilen, ich finde es macht Sinn :P)
Wenn du z.B. eine Mann bist und schwul, dann gibt es vielleicht trotzdem Frauen, die du attraktiv findest. Du willst mit diesen Frauen weder eine romantische Beziehung, noch Sex, aber du kannst sie anschauen und sagen "Ja, die sieht gut aus."
Du findest sie ästhetisch anziehend/attraktiv, aber nicht romantisch oder sexuell.
Dein Empfinden welche/s Geschlecht/er du gutaussehend finden kannst unterscheidet sich also von deiner sexuellen Orientierung.
Ich persönlich denke, dass viel mehr Menschen unterschiedliche Orientierungen haben würden, wenn sie wüssten dass das möglich ist. Also hoffentlich wird die Welt immer offener dafür!
Und jetzt wünsch ich allen 'Queers' noch einen schönen restlichen Pride Monat! <3

Donnerstag, 25. Mai 2017

Ein Aufruf

Heute vor genau einem Jahr habe ich mich das erste Mal mit Asexualität auseinandergesetzt. Ich hab mich 'damals' gefühlt wie neu geboren!
Morgen jährt sich dann mein 1.Outing und ich möchte an dieser Stelle meiner besten Freundin dafür danken dass sie diesen Meilenstein so unfassbar leicht gemacht hat. <3

Ich habe in diesem Jahr einige Gespräche über meine sexuelle Orientierung geführt und zahlreiche Fragen beantwortet.. Aber trotzdem merke ich, dass viele immer noch nicht ganz verstehen was das alles bedeutet und wie man damit umgehen soll.
Deshalb, mein Aufruf an alle von euch denen ich wichtig bin:
REDET MIT MIR!! Stellt Fragen, setzt euch mit mir auseinander und hört auf voreilige Schlüsse zu ziehen.

Ich bin froh wenn ich offen reden darf und finds toll wenn ich meinen Mitmenschen das ganze näher bringen kann..
Und wenn es wirklich stimmt dass 1% der Weltbevölkerung sich mit einer der Orientierungen des Asexuellenspektrums identifizieren kann, dann ist es sehr wahrscheinlich dass ihr noch öfter aus "Menschen wie mich" stoßen werdet!

Also informiert euch bei mir um es dem nächsten Asexuellen in eurem Leben leichter zu machen!

Freitag, 14. April 2017

(online) dating

Im Gegensatz zu vielen meiner Mitmenschen war ich weder jemals in einer jahrelangen Beziehung noch hatte ich zahlreiche kurze Beziehungen.. Ich schieb's meistens darauf, dass ich ziemlich genau weiß, was ich will und mich nur ungern mit weniger zufrieden gebe. Ich bin wenn's um Beziehungen geht ziemlich wählerisch und bin nicht ungern Single - der Freiheit wegen.

Doch ich bin nun mal eine romantische Asexuelle und hätte gerne einen Freund.

Aber ich finde es ziemlich schwierig jemanden kennenzulernen. Da arrangierte Ehen in der westlichen Welt ein Ding der Vergangenheit sind (sorry, Mama), meine Freunde es noch nicht geschafft haben mir jemanden vorzustellen der mir gefallen hat (tzz..) und ich beim Judo alle männlichen Mitsportler mit denen ich mich bisher unterhalten habe als platonische Freunde sehe (sie mich übrigens auch!) sind meine Optionen wohl "beim Ausgehen jemanden kennenlernen" oder ONLINE DATING.

Wie's beim Ausgehen bei mir so läuft könnt ihr gerne nochmal im Blogeintrag "Dates" nachlesen... Bis auf diesen Abend habe ich nämlich schon lange keinen "potentiellen Freund" mehr beim Ausgehen getroffen.

Also: online dating.

Das klingt leichter bzw. unkomplizierter als es ist. Denn die gewöhnlichen Onlineplattformen auf denen meine Freunde sich bewegen *hust* Tinder *hust-hust* oder die Seiten die im Fernsehen beworben werden (Parship, Elitepartner,...) sind eher für die sexuelle Bevölkerung gedacht.
Ich habe mir zwar überlegt, ob ich mich bei einer davon anmelden und mich "einfach" in der Personenbeschreibung outen soll, aber ich habe dann doch zu viel Angst davor zu viele negative Reaktionen zu bekommen.
Tja. Nachdem ich das alles also abgeschrieben hatte habe ich mich auf die Suche nach solchen Plattformen für Asexuelle gemacht. Und siehe da! Es gibt ZWEI!

Eine davon stammt vom AVEN-Forum (Forum zu Asexualität).
Auf dieser habe ich mich angemeldet, die wichtigsten Dinge ausgefüllt - und weil ich gerne zu viel von mir erzähle habe ich auch noch einige ergänzende Fragen beantwortet - und dann habe ich auf "Suchen" geklickt. Die Seite sucht dann mithilfe meiner bevorzugten Eigenschaften (Nichtraucher, Körperkontakt erwünscht, gewünschte Altersspanne,...) nach einem geeigneten Partner.
Und dann?
Im Umkreis von 50km (!) gabs EIN aktives Mitglied, das meinen gesuchten Angaben entsprach.
Nachdem ich die Einstellungen zu "auch nicht perfekte Treffer anzeigen" geändert habe, waren 5 Männer innerhalb eines 60km (!) Radius gefunden. Allerdings waren 3 davon aus verschiedenen Gründen (zu alt, inaktiv,...) ZU unpassend. Unter den verbleibenden 2 ist natürlich wieder das selbe Mitglied wie bei der ersten Suche.
Na toll. Also ist meine Auswahl bei dieser Seite - wenn ich keine Fernbeziehung starten will - ziiiiemlich begrenzt.

Dann habe ich eine andere, internationale Datingseite für Asexuelle gefunden: Asexualitic
Diese Plattform finde ich optisch und praktisch sehr toll. Man kann sein eigenes Profil anlegen, sich selbst beschreiben, erklären wonach man sucht, Gruppen beitreten und Freundschaftsanfragen verschicken. Nur leider benötigt man für eine volle Mitgliedschaft ein Pay Pal Konto und meins funktioniert blöderweise nicht mehr.
Tja.
Mit der begrenzten Mitgliedschaft kann ich leider keine Mitglieder direkt anschreiben und auch keinen Gruppen beitreten.

Aber ich habe einen Weg gefunden trotzdem Menschen mit dieser Plattform kennenzulernen. Ich habe auf meinem Profil ein paar Wege aufgelistet wie man mich kontaktieren kann und bin in der Lage Freundschaftsanfragen zu verschicken. Manche Männer haben ebenfalls Konktaktmöglichkeiten aufgelistet.

Das klingt soweit alles nicht schlecht. Nur leider ist diese Plattform wie gesagt international. Und 99,5% der Männer darauf wohnen nicht in Deutschland. Und die wenigen Deutschen die diese Seite nutzen leben hunderte Kilometer entfernt oder haben so gut wie keine Gemeinsamkeiten mit mir. :(
Also auch echt uncool.

Naja. Ich habe trotzdem mit 5 Männern Kontakt aufgebaut und versucht sie besser kennenzulernen. Aber wie es scheint bin ich nicht die einzige, die keine Lust darauf hat eine Fernbeziehung aufzubauen.

Mir bleibt also momentan zu hoffen, dass ich doch noch Glück habe und jemanden online kennenlerne, der nicht zu weit weg wohnt und außerdem noch Interessen mit mir teilt oder ich ziehe nach Großbritannien oder Irland - da gibts nämlich richtig attraktive Asexuelle ;-)

Es bleibt natürlich immer noch die Möglichkeit, dass mir mein nächster Freund im echten Leben begegnet. Aber leider hat mich meine Asexualität sehr schüchtern gemacht seit ich bewusst von ihr weiß.

Fakt ist wenn sich auf dem Gebiet was entwickelt werdet ihr es hier sehr wahrscheinlich erfahren!

Montag, 27. März 2017

Auswirkungen meiner Offenheit

Als ich mit diesem Blog angefangen habe war mein Ziel die sexuelle Orientierung "Asexuell" bekannter zu machen, Verschiedenes zu erklären und Erlebnisse zu teilen.
Ich bin auch im alltäglichen Leben ziemlich offen was meine Asexualität angeht, in der Hoffnung, das Thema wird dadurch immer normaler für meine sexuellen Mitmenschen.

Ich finde es deshalb immer sehr schön zu hören oder sogar zu erleben, dass meine Offenheit mit euch und anderen Menschen in meinem Leben Auswirkungen hat.

Ein sehr schönes Beispiel möchte ich mit euch teilen.
Meine Mama war bei meinem Familienouting am meisten "geschockt". Das ist völlig okay, denn sie hatte einfach noch nie von der Existenz von Asexualität gehört und ich denke jedes Elternteil wünscht sich für sein Kind ein "normales" Leben mit so wenig Komplikationen wie möglich. Nach ein paar aufklärenden Gesprächen und meiner Art locker immer wieder was über meine Orientierung und wie's mir dabei geht zu erzählen, war sie aber wie der Rest der Familie sehr unterstützend.

Trotzdem war das Thema bisher nicht das normalste der Welt für sie und ich war ihr gegenüber (teilweise auch unbewusst) vorsichtiger als bei anderen.

Umso mehr war ich positiv überrascht als ich vor kurzem ein Wochenende bei meinen Eltern verbracht habe. Wir haben uns nämlich zusammen die ersten 3 Folgen der Serie "Sense 8" angesehen. Für alle die diese Serie noch nicht kennen ist es wichtig zu erwähnen, dass 2 der Hauptcharaktere in Beziehungen mit gleichgeschlechtlichen Partnern sind. Laut den Autoren der Serie sind aber alle 8 Hauptcharaktere pansexuell, (= sie fühlen sich romantisch und sexuell zu Menschen aller Geschlechtsidentitäten hingezogen)

Einer dieser Charaktere lehnt in der ersten Folge das Angebot zu Sex, das er von einer Frau bekommt, ab. Der Grund dafür ist, wie man später herausfindet (ACHTUNG! SPOILER!), dass er eben mit einem Mann liiert ist.
Als wir die Szene gesehen haben, in der er das Angebot zurückweist, hat meine Mama gefragt "Oh, ist er etwa asexuell?" und ich kann euch gar nicht sagen wie verdutzt ich war, dass sie an so eine Möglichkeit denkt! Natürlich kann man sie jetzt immer noch für ihr "heteronormatives Denken" verurteilen, aber alles in der Queer-Welt muss sie auch nicht gleich wissen und beachten.. ;-)

Ich war auf jeden Fall sehr gerührt, dass sie offen wäre, für so einen Charakter in einer Serie und dass sie offenbar genug über Asexualität nachgedacht hat, um so eine Vermutung zu äußern.
Danke, Mama!

Ich hoffe, dass noch mehr Menschen durch mich, Gespräche mit mir und meinen Blog offener gegenüber Asexualität und asexuellen Menschen (fiktional und real) geworden sind. Denn dann hab ich das erreicht was ich erreichen wollte. Was nicht heißt dass ich aufhören werde darüber zu reden und zu bloggen!

Mittwoch, 8. März 2017

Wünsche und Gedanken zum Weltfrauentag


Heute ist Weltfrauentag. Den gibt es um darauf aufmerksam zu machen, dass Frauen immer noch nicht gleichberechtigt sind und um dafür zu kämpfen dass sich dies schnell ändert.

Wichtig sind unter anderem Themen wie gleicher Lohn für gleiche Arbeit, mehr Frauen in Führungspositionen und dass Frauen nicht mehr als das "schwache Geschlecht" gesehen werden - wir sind nämlich genauso badass wie Männer! ;-)

Mit einem Wort: Gleichberechtigung.

Was mir und vielen anderen (Feministen) ebenfalls wichtig ist, ist das Bild der Frau wenn's um Sexualität geht. Männer die viel Sex haben werden oft gefeiert, während Frauen für die selben Aktivitäten verurteilt werden. Das ist nicht fair!
Ebenso ist es nicht fair, dass Männer die mit Sex warten wollen oder nicht so "wild auf Sex" sind wie andere ihres Geschlechts, als seltsam oder weniger "männlich" gesehen werden. Was soll das eigentlich?!

Frauen sollten offen darüber reden dürfen, dass sie Sex super finden und Männer sollten die Chance haben sich als asexuell outen zu können ohne verhöhnt zu werden.
Und ja, das ist wirklich ein großes Anliegen von mir.
Viele Männer die herausfinden, dass sie asexuell sind, haben sehr große Probleme damit mit diesem Wissen zu leben. Und das sollte nicht sein!

Ebenfalls sollte man aufhören bei der Definition von Demisexualität (= man entwickelt sexuelle Anziehung erst nachdem man eine emotionale Bindung/Beziehung zu einer Person hat) die Frage zu stellen "Ist nicht jede Frau demisexuell?" Denn das ist schlicht und ergreifend nicht wahr. Ich kenne einige Frauen, die sich beim Anblick einer attraktiven Person Sex wünschen. Aber im Gegensatz zu Männern werden sie oft schräg angeschaut wenn sie diesen Wunsch äußern.

Außerdem ist es dringend Zeit, dass Menschen aufhören andere als Sexobjekt zu sehen. Egal ob das Models in Werbekampagnen sind oder Menschen die man in Clubs oder auf der Straße sieht. Jeder hat es verdient als MENSCH gesehen zu werden und nicht als Objekt der sexuellen Begierde.
Und ich sage das nicht nur weil mir - einer asexuellen Frau - sowas besonders unangenehm ist, sondern weil niemand (!) es verdient halt aufgrund seines/ihres Aussehens oder seiner/ihrer Ausstrahlung anders behandelt zu werden.

Also, lasst uns den Weltfrauentag feiern und gemeinsam für eine bessere Welt kämpfen.

Zum Abschluss möchte ich noch einen tollen Link zum Weltfrauentag teilen:
https://pinkstinks.de/weltfrauentag-ein-tag-besonders-fuer-maenner/

Donnerstag, 2. März 2017

Bist du dir sicher, dass du asexuell bist...?

Ich hab mich vor kurzem wieder bei jemandem geoutet.
Während diesem Gespräch habe ich Dinge gesagt wie: "ich war schon immer asexuell. Aber ich wusste nicht, dass es diese Orientierung gibt, deshalb bin ich mir dessen erst seit einem knappen Jahr bewusst." Wie viele andere Menschen hat auch diese Person gefragt, ob ich mir wirklich sicher bin, dass ich asexuell bin oder ob ich diese Orientierung aus anderen Gründen gewählt habe (z.B. Angst vor Sex)

Und genau das ist eins der Probleme, die wir Asexuellen haben.. In dieser Welt gibt es schon so viele sexuelle Dinge/Darstellungen von sexuellen Handlungen, die es Asexuellen schwer machen sich "normal" zu fühlen und selbst wenn wir uns damit wohlfühlen gibt es immer Menschen, die wollen, dass wir nochmal genau darüber nachdenken und nicht glauben können, dass man mit dieser Orientierung glücklich sein kann.

Ich habe auf Tumblr vor ein paar Wochen ein sehr passendes Comic gefunden das erklärt hat wie es sein kann in dieser Welt (in der Sex sowas normales und sexuelle Anziehung für die meisten selbstverständlich ist) herauszufinden, dass man asexuell ist.
Weil ich das Comic so gut fand teile ich es heute mit euch (wieder original, übersetzt von mir)

Der Versuch herauszufinden, ob man asexuell oder aromantisch ist, kann schwierig sein, weil man die Abwesenheit von etwas finden will.
Stell dir vor, du stehst an einem Teich und du möchtest herausfinden, ob Schildkröten an diesem Teich leben.

Falls du eine Schildkröte findest - toll! Jetzt weißt du, dass da Schildkröten sind.

Aber falls du keine Schildkröten findest, kann es sein dass es an deinem Teich keine Schildkröten gibt.
Vielleicht bist du auch nur schlecht darin nach Schildkröten zu suchen.
Und vielleicht dachtest du, du hättest eine Schildkröte gesehen, aber es war doch nur ein Stock.

Vielleicht sind da nur ein paar wenige Schildkröten.
Vielleicht musst du etwas besonderes tun, um die Schildkröten zu finden.
Vielleicht sind ein paar der Steine eigentlich Schildkröten, aber du kannst sie nicht unterscheiden.
Und vielleicht sind da wirklich keine Schildkröten.
Du weißt es einfach nicht.

Und die anderen Menschen sagen:
"Da sind sicher Schildkröten, du wirst sie schon noch finden!"
"Wie viele Schildkröten hast du in deinem Teich?"
"Versuch mal Gemüse am Ufer zu pflanzen um sie anzuziehen!"
"Oh nein! Was für eine Katastrophe ist denn passiert, dass in deinem Teich keine Schildkröten leben?"

Und du stehst da nur, nass, mit einem leeren Netz und einem müden Gesichtsausdruck.

Aber egal.
Denn ob an deinem Teich Schildkröten sind oder nicht, die Ökologie deines Teichs funktioniert auch ohne sie. Denn das ist genau das, was ein Ökosystem macht - es formt ein System mit dem was vorhanden ist.

Dir fehlt überhaupt nichts, wenn du keine Schildkröten hast.
Wenn jemand versuchen würde, Schildkröten in deinen Teich zu geben, würde das vermutlich etwas vermasseln/kaputt machen.

Also: du musst nicht ganz sicher sein. Du musst nicht jeden Centimeter von deinem Teich absuchen, bevor du beschließt, dass darin keine Schildkröten zu finden sind.
Wenn du die Bezeichnung "aromantisch" oder "asexuell" verwenden möchtest, weil du denkst, dass sie zu dir passt, dann tu' das einfach.

Und wenn du doch irgendwann Schildkröten findest, kannst du deinen Teich immer umbenennen.



Also, was lernen wir aus dieser Geschichte? Wenn Menschen sich als asexuell oder sonst etwas bezeichnen wollen und sich damit wohlfühlen, dann sollen sie das tun! Kein anderer Mensch sollte versuchen Gründe zu finden, wieso diese Bezeichnung/Orientierung nicht die richtige ist.

Denn auch ich - glaubt mir - habe versucht "Schildkröten" zu finden. Aber ich habe nur Stöcke gefunden. Und viele andere tolle Tiere ;-) Und deshalb hab ich beschlossen damit glücklich zu sein.

Mittwoch, 22. Februar 2017

Negativität, Hass, Ignoranz,... Wie wär's mit Offenheit?

Ich kann euch gar nicht sagen wie oft (!) Menschen schon gedacht haben, ich wäre lesbisch.
 
Viele sprechen solche Vermutungen nicht aus. Aber ich weiß, dass mehrere Leute schon sowas gedacht haben. Teilweise wegen meinen kurzen Haaren (ja, manche Menschen sind wirklich so voreingenommen!) und teilweise, weil ich mich schon länger für die Rechte der LGBTQ+ Community einsetze und öfter über solche Themen spreche als viele anscheinend von Heteros erwarten.
 
Versteht mich nicht falsch! Es gibt schlimmere Dinge als für homosexuell gehalten zu werden. Aber das ist nicht der Punkt, auf den ich hinaus will. Sondern:
Man muss nicht schwul, lesbisch, bisexuell, transsexuell oder sonst irgendwie 'queer' sein, um für die Rechte und Anerkennung/Akzeptanz dieser Menschen zu kämpfen.
 
Offenheit.
Das ist alles was man braucht um ohne Sexismus, Homophobie und Rassismus durch die Welt zu gehen. Wenn jeder einzelne Mensch offen wäre für die Vielfalt die unsere Welt zu bieten hat wäre das Leben von allen viel schöner.
 
Wir Asexuellen bekommen nicht so viel Hass ab, wie homosexuelle und transsexuelle Menschen. Aber wie beispielsweise Bisexualität wird unsere Orientierung von vielen noch nicht wirklich als solche anerkannt. Einige denken, dass Menschen die keine sexuelle Anziehung spüren krank oder unreif sind; dass irgendwelche traumatischen Erlebnisse schuld dafür sind oder das alles "nur eine Phase" ist. Aber wie ich schon von Anfang an in diesem Blog deutlich gemacht habe bin ich gesund und trauma-frei.
 
Ich kann die Gedanken von sexuellen Menschen irgendwie nachvollziehen... Für sie ist meine Erklärung 'ich verspüre kein Bedürfnis nach Sex' vermutlich so wie wenn mir (einem totalen Batman-Fan) jemand erklärt er/sie mag Batman überhaupt nicht.
Aber auch wenn ich nicht verstehe wie man meinen Lieblingshelden nicht mögen kann, akzeptiere ich die Gefühle und Meinungen dieser Personen.
 
Wieso kann sich nicht jeder so verhalten? Solange jemand mit seinen Eigenschaften/Verhalten (seien es Vorlieben, sexuelle Orientierungen oder sonst etwas) keinem anderen Menschen schadet, kann man dieser Person doch einfach ihr Leben lassen. Oder??
 
Offenheit.
Dieses Wort verfolgt mich nun schon seit Wochen... Und weil es mich nicht loslässt werde ich es verbreiten und versuchen, es in die Köpfe vieler meiner Mitmenschen zu pflanzen.
Vielleicht schaffe ich es ja damit zumindest ein paar wenigen die Augen zu öffnen. :)
 

Bildquelle:
http://www.ncourtenaychurchofchrist.com/wp-content/uploads/2015/01/open-minded-2.jpg

Freitag, 20. Januar 2017

Dates

Vor ein paar Tagen hatte ich mein erstes 1.Date seit ich weiß dass ich asexuell bin.

- Ich nenne den Typen im Folgenden Alex, obwohl das nicht sein richtiger Name ist -

Alex war beim kennenlernen sehr sympathisch und ich habe mich sehr darauf gefreut mehr über ihn zu erfahren. Wir trafen und zum Frühstück und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Auch mit der körperlichen Nähe zu ihm hatte ich keine Probleme und fand sie sehr schön.
Nach einer Weile machte er aber ein paar Kommentare und Annäherungsversuche, die mir schnell zu viel wurden. Ich bin kurze Zeit später nach Hause gefahren.

Auf dem Heimweg hatte ich gemischte Gefühle. Ich fand Alex sehr sympathisch und interessant, aber war mir nach den Annäherungen nicht sicher was genau seine Absichten waren. Ich habe daraufhin beschlossen mich beim 2.Date zu outen, damit er sofort weiß womit er bei mir rechnen kann und was nicht möglich ist.

Aber so wie ich nunmal bin habe ich noch am selben Tag nach Geschichten anderer Asexueller gesucht, die sich in der selben Situation befanden um zu sehen ob das 2. Date nicht doch zu früh ist für ein Outing. Was ich fand waren vor allem Geschichten Sexueller, welche ihre Erfahrungen mit Asexuellen beschrieben haben. Daraus ging hervor, dass sich viele gewünscht hätten und auch in Zukunft wünschen würden so früh wie möglich die Wahrheit zu erfahren. Viele davon haben kurz darauf allerdings den Kontakt zu den asexuellen potentiellen Partnern abgebrochen, weil für sie ein Leben ohne (regelmäßigen) Sex nicht vorstellbar war.

Ich hatte nach dieser "Recherche" Angst Alex abzuschrecken und durch ein Outing zu verlieren, aber meine Abneigung gegen sexuelle Anspielungen war zu groß um länger zu warten.
Also habe ich nervös das nächste Treffen abgewartet. Jedoch kam sowieso alle nicht so wie ich es geplant hatte..

Alex arbeitet nämlich 5x die Woche Nachtschicht.. Tagsüber schläft er meistens und hat nicht besonders viel Zeit für... nennen wir es mal 'soziale Kontakte' ;)
Ich war offen dafür ihn auch nur für 1 Stunde oder so zu treffen, Hauptsache wir sehen uns und ich kann mit ihm über alles reden.
Mein Vorschlag für ein Treffen war "Kaffee trinken gehen". Seine Vorschläge gingen alle in Richtung "Ich komm nach meiner Schicht zu dir!" Da ich aber in einer 1-Zimmer Wohnung lebe bedeutet "bei mir" immer Bettnähe. Und das war mir dann doch zu riskant.

Ich habe also weiterhin versucht ihn auf "neutralem Boden" zu treffen. Plötzlich wollte er das Treffen absagen, weil ich mich nicht auf seine Vorschläge eingelassen habe. Um ihm zu erklären wieso ich mich nicht bei mir oder bei ihm treffen wollte, habe ich ihm gesagt, dass ich mir nicht mehr sicher bin was seine Absichten mir gegenüber sind und mich das nervös macht.
Seine folgende Reaktion hat mich sehr, sehr geschockt und abgeschreckt: Er nannte mich "voreingenommen" und meinte er hätte es nicht nötig mich unter Vorwand zu ihm zu locken um mich - wortwörtlich - "zu ficken".

Ja, genau.
So schnell kann man sich bei mir unbeliebt machen.

Für mich war damit eigentlich alles vorbei. Wer solche Wörter so einfach in den Mund nimmt und sie mir an den Kopf wirft ist sowieso kein Mensch mit dem ich mir eine Zukunft vorstellen kann.

Das ganze war dann 2 Tage später tatsächlich vorbei, da er mir auch keine Chance mehr gegeben hat meine Unsicherheit zu erklären und er durchgehend schlecht gelaunt war.

Keine Sorge, Menschen die jetzt vielleicht denken ich bin todtraurig, jemand wie Alex ist es eindeutig nicht wert mich als Menschen besser kennen lernen und ich bin froh dass ich eine meiner intimsten Eigenschaften nicht mit ihm geteilt habe.

Ich werde weiterhin suchen/warten bis ich jemanden vor mir habe, der mich und meine Persönlichkeit liebt und mit meiner sexuellen Orientierung klar kommt.

Und wann ich mich dann oute kommt auf den Moment an und wie ich die Person einschätze.
Ihr könnt euch jedenfalls sicher sein dass ich darüber schreiben werde, wenn ich mich einem Mann gegenüber oute ;)

Wenn ihr wollt würde ich mich über Kommentare freuen in denen ihr mir erzählt welchen Zeitpunkt ihr für ein solches Outing wählen würdet!
Danke :)

Donnerstag, 12. Januar 2017

Selbstverständlich

Sorry für meine Abwesenheit in den letzten Wochen, ich hab meine Bachelorarbeit geschrieben und bin umgezogen. Aber jetzt da das alles geschafft und ich habe wieder Zeit für mich und für euch.

Vor ein paar Tagen war ich bei Freunden eingeladen. Wir haben gegessen, getrunken, ein Spiel gespielt und geredet. Ein richtig gemütlicher Abend mit ein paar tollen Menschen.
Im Laufe des Abends habe ich mit einer Freundin aus dieser Gruppe über Facebook, Tumblr und meinen Blog geredet. Sie fand es gut dass ich einen Weg gefunden habe mich auszudrücken und war sehr verständnisvoll. Nicht viele heterosexuelle die ich kenne sind bereit (längere) Gespräche über andere Sexualitäten zu führen. Also habe ich angenommen das Thema würde sich bald ändern.
Allerdings haben sich dann die anderen beiden in der Runde in unser Gespräch eingeklinkt und es wurde noch viel detaillierter und persönlicher über sexuelle Orientierungen, die Sicht der Gesellschaft und von jedem Einzelnen aus der Runde geredet.
Es war als wäre dieses Thema eins wie jedes andere. Als würden wir z.B. über unsere Familien reden und wie viele Geschwister jeder von uns hat.

Irgendwann war natürlich auch dieses Gespräch vorbei, aber es dauerte ungewöhnlich lange.

Als ich auf dem Heimweg war, habe ich der Freundin mit der die Unterhaltung begonnen hatte eine Nachricht geschickt und mich dafür bedankt, dass wir so ein gutes Gespräch geführt haben.
In ihrer Antwort schrieb sie "Das ist doch selbstverständlich."
Aber nein, das ist es leider nicht. Für viele Menschen ist es nicht selbstverständlich über mehrere Minuten ein Gespräch über Asexualität zu führen. Sie finden es seltsam oder unangenehm. Manche verstehen überhaupt nicht wieso ich das Bedürfnis habe über meine Sexualität zu sprechen.

Aber genau so sollte es sein.
Wieso sollte ich nicht mit Freunden über so etwas persönliches reden können?

Es sollte selbstverständlich sein.