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Mir ist es wichtig vielen Menschen von Asexualität zu erzählen und mögliche Vorurteile und Unklarheiten zu beseitigen.
Für Fragen und (konstruktive) Kritik bin ich jederzeit offen!
Danke fürs Lesen :)
Klara

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Wann?

Nachdem ich vor kurzem einen Artikel darüber gelesen habe, dass wir (dringend) bessere asexuelle Charaktere in Serien und Filmen brauchen (Artikel-Link). Habe ich die darin empfohlene Serie Riverdale angefangen.
Laut dem Artikel gibt es in der Comic-Vorlage zur Serie einen offen asexuellen und a- bzw. Demiromantischen Charakter.

Zu Beginn der Serie wirkt der Charakter auch sehr aroace (=Kurzform von aromantisch + asexuell), doch leider  ändert sich das gegen Ende der 1.Staffel.
Dass er demiromantisch (und auch demisexuell) ist, kann man zwar noch nicht ausschließen - zum Glück!! - aber asexuell ist für mich leider keine Möglichkeit mehr.

Ich habe daraufhin einer Freundin geschrieben, die auch Riverdale schaut und ihr meine Enttäuschung geschildert. Außerdem wurde dieses Thema auch gestern auf einer aroace-Facebookseite diskutiert.. Sowohl meine Freundin, als auch Leute auf der Facebookseite haben versucht mich mit dem Argument "Demisexuell ist noch nicht ausgeschlossen" aufzuheitern, aber leider hilft mir das nur wenig.
Nach einem Alien, einem Vampir, zwei Soziopathen und einem Zeichentrickcharakter (Doctor Who, Shadowhunters, Sherlock & Big Bang Theory, Bojack Horseman) wäre Jughead aus "Riverdale" die erste Chance gewesen, einen menschlichen (zwar auch psychisch nicht komplett gesunden, aber nah genug dran) offen asexuellen & aromantischen Charakter zu haben mit dem ich mich (zumindest was den sexuellen Teil angeht) identifizieren kann.
Cole Sprouse, der Jughead in der Serie verkörpert, war von Anfang an dafür, den Charakter so wie in den Comics darzustellen. Anscheinend hatte er deswegen sogar Gespräche mit den Produzenten. Aber leider hat man nicht auf ihn gehört. Bisher - wie er sagt - aber später ist es für mich nur noch eine Art Schadensbegrenzung.

Diese Woche ist "Asexual Awareness Week" - also eine Woche die dazu da ist, mehr Aufmerksamkeit für meine sexuelle Orientierung zu schaffen.
Und ich fand das ist genau der richtige Zeitpunkt für diesen Eintrag.

Als jemand, der in der Medienbranche arbeitet, bin ich ziemlich enttäuscht davon, wie meine Sexualität einfach  übersehen oder ignoriert wird. Im besten Fall werden wir von "Freaks" repräsentiert, unsere Sexualität ist Folge einer Krankheit und kann ZUM GLÜCK geheilt werden (danke, Dr. House) oder enden als dummer Witz einer Comedyserie.
Ich freue mich wirklich auf den Tag, an dem ein menschlicher Charakter, der Freunde und sein Leben mehr oder weniger im Griff hat, das Wort "asexuell" verwendet, um sich bei jemandem zu outen. Damit das passiert müssen wir allerdings noch viel mehr Aufmerksamkeit bekommen!

Aber ich bin hoffnungsvoll dass wir das schaffen!
...nur wann?

Edit: nachdem ich heut noch mehr darüber nachgedacht habe und auf Charaktere hingewiesen wurde, die als asexuell gesehen werden können, möchte ich folgendes noch hinzufügen:
Ich denke, es gibt bereits (menschliche) asexuelle Charaktere in Filmen und Serien. Nur, solange die Menschen nicht offen darüber reden, dass sie keine sexuelle Anziehung spüren, kann man sich dessen nicht sicher sein.
Und am allerbesten wäre es natürlich, wenn endlich mal Charaktere damit anfangen würden das Wort "ASEXUELL" zu verwenden. Ansonsten können sie nämlich immer noch missverstanden werden.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Coming Out Tipps

Morgen ist der Internationale Coming Out Tag :) 
Das heißt es jährt sich zum ersten mal mein öffentliches Coming Out auf Facebook und der Beginn dieses Blogs.
Ich dachte mir zur Feier dieses tollen Tages könnte ich Coming Out Tipps geben. Für ein Outing gibt es leider keine klaren Richtlinien, an die man sich halten kann, und die einem versprechen, dass alles gut wird. Aber ich habe jetzt fast 1,5 Jahre Outing-Erfahrung und habe dadurch gelernt, was dabei helfen kann und worauf man vorbereitet sein sollte.
1.) Sei dir bewusst, als was du dich selbst siehst bzw. Wie du von anderen bezeichnet/gesehen werden möchtest. Also, bei mir wäre das "asexuell, also spüre ich keine sexuelle Anziehung; heteroromantisch, also fühle ich mich (manchen) Männern gegenüber trotzdem romantisch angezogen"
Wenn du noch nicht genau weißt welches "Label" zutrifft, (ob du beispielsweise demi- oder auch asexuell.. Vielleicht auch "nur" schüchterne/r Homosexuelle/r oder irgendwas anderes sein willst) oder du von den ganzen Orientierungen die es mitlerweile gibt  überfordert und verwirrt bist, dann kannst du dich natürlich auch schon outen. Nur stelle ich es mir dann etwas schwieriger vor und ich rate dir, dann nicht bei den konservativen Großeltern, sondern eher bei einem guten Freund anzufangen.
2.) Überlege dir (besonders für das erste Outing), was du sagen möchtest und am besten auch wie.
Du musst kein "Drehbuch" im Kopf haben an das du dich hälst, aber ich fand es hilfreich - vor allem beim Outing meiner Familie gegenüber - eine Checkliste im Kopf zu haben, die ich durchgegangen bin.
3.) Sei vorbereitet auf viele (unangenehme) Fragen.. Ich wurde zum Beispiel mehr als einmal gefragt, ob das jetzt bedeutet dass ich Jungfrau bin. :S und auch wie genau ich dann eigentlich meine zukünftigen Kinder bekomme, von denen ich öfter mal rede...
Viele Fragen waren auch einfach wichtig, damit mein Gegenüber das alles verstanden hat, aber nicht alle waren leicht zu beantworten! Sei also vorbereitet auf alles, aber antworte nur darauf wenn es dir nicht zu unangenehm ist! Keiner hat das "Recht" alles zu wissen, nur weil du deine romantische/sexuelle Orientierung geteilt hast.
4.) Sei vorbereitet darauf, dass dein Gegenüber deine Orientierung nicht nachvollziehen/verstehen kann. Ich hatte Menschen, die mir nahe stehen, die eine Weile gebraucht haben um zu akzeptieren, dass ich asexuell bin. Auch welche, die ihre Zweifel daran hatten, dass es sowas gibt.
5.) dies gilt besonders für Asexuelle, aber kommt sicher auch bei anderen Orientierungen vor: sei bereit für dumme "beim richtigen Mann/bei der richtigen Frau wirst du dann sicher anders denken!"-Kommentare.
Egal ob du 12 bist, 25 oder 60 - wenn du findest, eine Orientierung beschreibt dich, dann nimm sie an! Und wenn dann doch einmal eine Person kommt, für die du plötzlich Dinge empfindest, die du nicht für möglich gefunden hast, dann ist das eben so! Aber dann heißt das nicht, dass deine Orientierung (bis zu dem Zeitpunkt) nicht trotzdem wichtig und wahr war!
6.) Pass auf dich auf! Sei beispielsweise vorsichtig, falls dein Gegenüber homophob oder ähnliches ist.
Es gibt leider viel zu viele Geschichten von Asexuellen, die nach ihrem Outing in einer Beziehung von einem Partner zu Sex gezwungen wurden - nach dem Motto "was sagst du da - du findest mich sexuell nicht anziehend?!"
Und eben wenn man sich bei extrem homophoben Eltern als homo-irgendwas outet, kann das auch sehr böse enden.
Also wenn du begründete Ängste hast, dass dein Outing zu psychischer oder physischer Gewalt führen könnte, pass lieber auf dich auf!
Und noch ein Bonus-Tipp für Asexuelle: auf der AVEN-Seite gibt's tolle Beiträge, die beim Outing helfen. Ich habe damals meiner Familie folgende Seiten ausgedruckt, damit sie sich nach meinem Outing genauer informieren können und ich fand das sehr hilfreich:
Ich wünsche euch einen wunderschönen Internationalen Coming Out Tag!! :)
Und ganz viel Liebe und Verständnis von euren Mitmenschen für all eure Outings! 