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Mir ist es wichtig vielen Menschen von Asexualität zu erzählen und mögliche Vorurteile und Unklarheiten zu beseitigen.
Für Fragen und (konstruktive) Kritik bin ich jederzeit offen!
Danke fürs Lesen :)
Klara

Dienstag, 14. Januar 2020

Sex: Explained - Folge 2

Ja, ich wollte wieder regelmäßiger Blogeinträge schreiben. Aber es fehlt mir oft an Zeit und außerdem an Themen, die mich genug motivieren.

Aber Letzteres hat sich diese Woche geändert.

Nachdem ich letztes Jahr die Doku-Serie "Explained" auf Netflix für mich entdeckt habe, war ich begeistert, als Anfang 2020 die Sonderstaffel "Sex: Explained" veröffentlicht wurde.
Die 5 Folgen waren betitelt mit:
1.Sexuelle Fantasien
2.Anziehung
3.Verhütung
4.Fruchtbarkeit
5.Geburt

Ich habe vor kurzem erst mit einer guten Freundin darüber geredet, dass ich hoffe, dass die Serie nicht (zu) heteronormativ aufgebaut ist und, dass ich hoffe, dass sie in Folge 2 über alle sexuellen Orientierung reden. Auch Asexualität.

Aber leider wurde ich da enttäuscht.
Eine komplette Folge über Anziehung und sexuelle Orientierung, 16 Minuten Inhalt und KEIN EINZIGES MAL wurde auch nur angedeutet, dass nicht jeder Mensch sexuelle Anziehung empfindet.
Kein. Einziges. Mal.

Ich sage ja nicht, dass man aus Asexualität einen großen, genauer erklärten Teil einer Serie machen muss, die "Sex: Explained" heißt...

Aber:
Wenn ich zurückdenke an mich selbst vor ca. 4 Jahren.. auf der Suche nach Antworten, verunsichert wieso ich diese (sexuelle) "Anziehung" von der alle sprechen und schwärmen noch nie empfunden habe, eingeschüchtert von einer Welt, in der *SEX SELLS* das Gesetz zu sein scheint und in der Sex anscheinend alles ist, was Menschen schon beim ersten Kennenlernen als eine Art "Ziel" im Auge haben.

Diese Gedanken von "kaputt" und "nicht liebenswert" sein, die ich jahrelang in mir hatte, weil ich nicht wusste, dass ich damit nicht alleine bin. Dass ich damit sogar "OKAY" bin.

Wenn ich mich an diese Zeit zurückerinnere, dann wäre ich unfassbar froh über 2 Sätze in einer Serie über Sex und sexuelle Anziehung, die erklären, dass nicht jeder Mensch sexuelle Anziehung empfindet. Und dass das okay ist.

Mehr erwarte ich gar nicht.

Vor allem würde das nicht nur Asexuellen helfen - zum einen um sich selber zu finden und zum anderen um sich verstanden/akzeptiert zu fühlen - sondern auch sexuellen Menschen.
Und vor allem den zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Asexuellen und Sexuellen.

Aber die kompletten 16 Minuten waren darauf ausgelegt, wie individuell sexuelle Anziehung ist (aber mit der Andeutung, dass jeder Mensch diese empfindet), was welche Bevölkerungsgruppen eher als anziehend empfinden und was dabei hilft, auf andere Menschen anziehend zu wirken.

Als jemand, der immer und immer wieder erklären muss, dass man als normaler, gesunder Mensch ohne (sexuellem) Trauma nicht unbedingt sexuell angezogen ist von anderen und damit jedes mal auf Unverständnis und Verwirrung trifft (wenn's gut läuft!) Wär's wirklich schön aus der Medienwelt, die ich so sehr liebe und zu unterstützen versuche, etwas Hilfe zu bekommen.

Repräsentation ist so wichtig.
Aufmerksamkeit zu schaffen für queere Themen und Menschen ist so wichtig.

Denn wenn fast niemand weiß, dass asexuelle Menschen existieren, bleiben wir weiterhin diese unsichtbaren Außenseiter, die für jede kleine Portion Verständnis kämpfen müssen.

Donnerstag, 8. August 2019

Pride 2019

Ich bin zurück!!
In den letzten Tagen/Wochen habe ich meinen Blog mit neuen Menschen geteilt und wieder gemerkt, wie groß das Interesse daran ist.
Das hat mich wieder motiviert weiterzumachen und ich nehme mir vor, mindestens 1x im Monat nen Post zu schreiben.
Und hiermit fang ich an:
PRIDE 2019
Ich war dieses Wochenende 3./4.August 2019 auf meinem ersten CSD (= Christopher Street Day) bzw. Meiner ersten "Pride".
Für alle, die mit den Begriffen überhaupt nichts anfangen können:
das sind Veranstaltungen, die weltweit stattfinden, auf denen die Vielfalt von sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten offen gefeiert wird. Also alle "nicht-heteros" und "nicht-cis**"-Menschen zeigen da mit Stolz (=Pride), dass sie eben so sind wie sie sind.
Oft gibt's eine Parade, in der auch mit Regenbogen geschmückte Wagen durch die Stadt fahren und anschließend eine große Party.
Den Ursprung des CSD würde ich gerne mal in einem separaten Blogeintrag behandeln.
[**cis-gendered = man fühlt sich als das Geschlecht, das dem biologischen Geschlecht entspricht, welches einem bei der Geburt zugewiesen wurde]
Angefangen hat der Plan zum CSD zu gehen mit Erzählungen einer Freundin, die letzten Sommer beim CSD in Nürnberg und in Manchester zwischen all den Regenbögen auch Asexuellen-Flagge gesehen hat. Bis dahin war ich irgendwie skeptisch, ob ich auf nen CSD gehen soll um meine sexuelle Orientierung zu (re-)präsentieren und auch zu feiern, dass ich bin wie ich bin.
Dieses Jahr, als ich die selbe Freundin Anfang Juni besucht habe, hatten wir sehr viele Gespräche über die LGBTQ+ (bzw. die LGBTQIA+) Community und, dass wir's doof finden, dass viele LGBTQ+ Menschen (heteroromantische) Asexuhelle ausschließen wollen, weil die keine Diskriminierung aufgrund ihrer Orientierung erfahren.
Aber das stimmt ja überhaupt nicht!
Es ist zwar wahr, dass viel mehr Hetze, Hass und Unverständnis in Richtung von Trans*menschen, Homo-/Bi- & Pansexuellen gerichtet wird. Aber Asexuelle werden z.B. von ihren Partnern vergewaltigt, weil diese sich persönlich von der fehlenden sexuellen Anziehung beleidigt fühlen. Und sie zwingen sich selber oft dazu Sex zu haben, in der Hoffnung, dass sie dann vielleicht auch endlich "normal" sind und Sex irgendwann wollen, so wie "alle anderen" in der Gesellschaft.
Die fehlende Repräsentation ist Schuld daran, dass viele mit sich selber unglücklich sind und sich als "kaputt" sehen.
Und weil mich diese fehlende Repräsentation in der Community so unfassbar aufregt und ich nicht will, dass so wenige Menschen von der Existenz von Asexuellen wissen, war ich dieses Jahr - auf Einladung eben dieser Freundin - als offene, stolze asexuelle Frau beim CSD in Nürnberg.
Und ich muss euch sagen...
Es war UNGLAUBLICH toll!
Ich hatte meine Pride-Flagge (die ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe) als Cape umgebunden, auf meiner Hand ein Herz mit meinen Pride-Farben gemalt und auf meinem Arm stand "QUEER".
Ich war einfach 100% ich selbst und das in der Öffentlichkeit!!
Die Parade hat mich sehr begeistert, weil ich noch nie so viele offen queere Menschen gesehen habe.
Lesben, Schwule, Bisexuelle, Pansexuelle, Nonbinaries, Trans*Menschen,......
Und JA! Auch andere Asexuelle waren dabei!!
Mich hat's total gefreut, dass mehrere Teilnehmer der Pride-Parade und auch Menschen auf dem Gelände, auf dem man sich anschließend aufgehalten hatte, mich nach der Bedeutung meiner Flagge gefragt haben. Wer nicht fragt lernt eben auch nicht dazu und es haben sich teilweise sogar Unterhaltungen daraus entwickelt, in der man sich über die Orientierung austauschen konnte.
Außerdem habe ich während der Parade zwei Mädels mit Ace-Pride-Flagge gesehen, die ich später auf dem Platz wiedergefunden habe. Die beiden waren auch so froh wie ich, andere Asexuelle zu sehen und wir haben über unsere Orientierung, die Reaktionen auf Outings und darüber geredet, wie toll es ist unsere "Queer-Pride" zu leben.
Wir haben für ihr geplantes Youtube-Video sogar noch nen kleinen Clip gedreht :)
Ich freu mich schon drauf den zu sehen!
Die beiden gehen noch in die Schule. Und ich freu mich sehr für sie, dass sie jetzt schon ihre sexuelle Orientierung und damit ihre Community gefunden haben!
Das Wochenende war sehr toll, beeindruckend und auch anstrengend.
Es war richtig schlimm nach der Parade und dem Feiern, wo man von unzähligen Regenbögen umgeben war, wieder in die normale, graue Welt einzutauchen. Ich würde lieber in einer Stadt leben, in der durchgehend alle so offen und gut drauf sind wie bei der Pride.
Ich freu mich schon auf nächstes Jahr :)





Sonntag, 17. Juni 2018

Mut, Hilfe & Dankbarkeit

Vor ziemlich genau 2 Jahren war ich Teil einen heftigen Diskussion über sexuelle Orientierungen mit Verwandten und Bekannten. Ich hatte das Gefühl, die einzige Beteiligte an dieser Diskussion zu sein, die offen war, was die Akzeptanz von all den (besprochenen) Orientierungen anging.
Einige waren "okay" mit Schwulen und Lesben, fanden aber alles was darüber hinaus ging (Bi/Pan/...) nicht glaubwürdig und "zu viel".

Ich bin am nächsten Tag mit dem Flixbus nach Hause gefahren und habe viel über diese Diskussion nachgedacht. Und auch darüber, dass ich mich nicht 100% mit all den Heterosexuellen um mich herum identifizieren kann. Mich plagte wieder einmal der Gedanke "irgendwas stimmt einfach nicht mit mir!"

Ich habe daraufhin all meinen Mut zusammengenommen und angefangen zu googeln. Zuerst auf Deutsch:
Die ersten 5 Beiträge, die auf meine Schlagworte zutrafen handelten alle von schwachem Sex-Drive und was man dagegen tun kann, psychischen Störungen, die zu "Lustlosigkeit im Bett" führen können und sowas wie "Mehr Frust als Lust?! Wie sie mit ihrem Partner wieder zurück zu einem gesunden Sex-Leben finden!"

Ich glaub ich muss euch nicht sagen, dass ich mich dadurch noch mehr kritisiert und unter Druck gefühlt habe.
Zum Glück hat mich mein Mut trotz der ersten Ergebnisse nicht verlassen und ich hab beschlossen, auf Englisch zu googeln.
Der erste Vorschlag, den ich fand war AVEN. Das "Asexual Visibility and Education Network". Das ist ein Netzwerk, das über Asexualität aufklären und darauf aufmerksam machen will. AVEN gibt's auch auf Deutsch, war aber offensichtlich nicht in meinen ersten paar Google-Ergebnissen dabei.
Ich sah das Wort "Asexual" und war sehr geschockt. 'Asexuell? Das kann ich doch nicht sein!' - damals war mein Wissen darüber sehr, sehr klein (und falsch!), denn in meinem Kopf war asexuell das selbe wie aromantisch - ich dachte, das wären Menschen, die keine romantische Beziehungen eingehen wollen. Und das klang so überhaupt nicht nach mir!!

Ich habe die restliche Busfahrt damit verbracht, AVEN zu durchforsten und mich auch durch andere Quellen über Asexualität zu informieren. Und je mehr ich zum Thema gelesen habe, desto klarer wurde:
Das bin ich!

Zwar wurden meine unglaubliche Erleichterung und Freude begleitet von der Angst, was es bedeuten kann "anders zu sein".
Aber vor allem war ich sehr erleichtert, endlich ein Wort für meine Empfindungen gefunden zu haben.

Nach meinem 1.Outing bei meiner besten Freundin, über das ich schon in früheren Blogeinträgen geschrieben hab fühlte sich alles sogar noch ein bisschen besser an. Denn sie wusste zu dem Zeitpunkt auch nichts von dieser Orientierung und war offen dafür, mehr zu erfahren.

Wie ebenfalls in früheren Einträgen berichtet, werden meine Outings zwangsläufig immer von einer (relativ) ausführlichen Erklärung meiner Orientierung begleitet. Ich kann aber niemandem vorwerfen, nicht von der Orientierung zu wissen - mir ging es vor 2 Jahren ja nicht anders!

Das alles war die Motivation, die zu diesem Blog geführt hat. Ich wollte eine weitere Quelle für deutschsprachige Asexuelle sein. Meiner Erfahrung nach sind persönliche Berichte einfacher zu "verdauen" als wissenschaftlich formulierte Erklärungen.

Und ihr glaubt nicht wie toll mein Feedback bisher war!
Ich habe immer wieder das Erlebnis, dass ich einen Satz sage wie "über das hab ich mal einen Blogeintrag geschrieben!" und positiv überrascht wurde, wenn mein Gesprächspartner mit "ja, stimmt. Den hab ich gelesen!" antwortet.
Mir ist wirklich micht bewusst, wie viele meiner Freunde (und hoffentlich auch Familienmitglieder) meinen Blog verfolgen! Und ich möchte euch aufrichtig für eure Unterstützung danken! :)
Das allerbeste an diesem Blog und meiner offenen Art was meine eigene sexuelle Orientierung betrifft, waren aber die Outings von Menschen in meinem unmittelbaren Umfeld, die sich ohne den Blog nie an mich gewandt hätten!

Ich habe erkannt, dass es in meinem Leben schon seit Jahren asexuelle Personen gab! Und jüngere "Queers" sind mit ihren Fragen zu mir gekommen und wollten von mir unter anderem Tipps zu Outings der Familie gegenüber hören.
Ich bin froh, dass ich gut genug Englisch verstanden habe, um damals diese Google Ergebnisse finden zu können. Aber, weil ich all den deutschsprachigen Aces helfen und die Suche erleichtern will, versuche ich so viele Ace-Themen wie möglich abzudecken und aufzuklären. (Nur momentan fehlt mir leider oft die Zeit..)


Happy Pride Month! :)

Montag, 26. Februar 2018

Empfinden und Handlung

Ab und zu, wenn ich mich bei Freunden oute, passiert es, dass ich folgende Aussage höre:
"Vielleicht bin ich das auch!"
Mit Begründungen wie beispielsweise:
"Ich brauch nicht unbedingt Sex"
Oder
"Ich bin ja auch so schüchtern und wählerisch bei der Männer-/Frauenwahl!"

Mit den Menschen rede ich dann meistens genauer darüber, ob das Asexualität sein könnte. Und dabei ist vor allem eines wichtig: was man fühlt und was man tut sind unterschiedliche Dinge.

Kurz: es gibt Sexuelle, die keinen Sex haben und es gibt Asexuelle, die Sex haben.

Asexuell zu sein bedeutet, keine sexuelle Anziehung zu spüren. Also, dass man keiner Person gegenüber das Verlangen nach sexueller Handlung hat. Oder (um auch die Grauzonen der Asexualität miteinzubeziehen) nur ganz selten oder unter besonderen Umständen.

Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass der so genannte "Sex Drive" (=Sexualtrieb/Geschlechtstrieb/Libido) im Grunde nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun hat. Der Sex Drive ist etwas, das mit dem eigenen Körper zu tun hat. Man spürt das Verlangen nach sexueller Handlung (wichtig: nicht unbedingt mit einer anderen Person!), Stimulation der Geniatalien etc.
Der Sex Drive ist wichtig für die Erhaltung der Menschheit - ohne ihn würden wir vermutlich aussterben.

Nun ist es eben so, dass es viele Menschen gibt, die eine sexuelle Orientierung UND einen "normalen" Sex Drive haben. Und dann gibt es:
- Sexuelle mit schwachem Sex Drive
- Asexuelle mit "normalem" Sex Drive
- Asexuelle mit schwachem Sex Drive

Sexuelle Menschen mit schwachem Sex Drive sind zum Beispiel Personen, die Sex nicht unbedingt vermissen, wenn sie eine Weile keinen haben. Und auch Leute, die eher faul sind was Sex angeht - sie müssen sich in einer Beziehung zum Beispiel eher dazu "aufraffen" Sex zu haben, finden ihren Partner (und andere) aber durchaus sexuell anziehend.

Bei Asexuellen ist es weniger ein "Problem", wenn sie einen schwachen Sex Drive haben. Sie empfinden dadurch einfach weder anderen gegenüber sexuelle Anziehung, noch das Bedürfnis nach sexueller Stimulation.
(Allerdings können auch diese Menschen Sex haben!)

Bei Asexuellen mit Sex Drive kann es manchmal zu Verwirrung kommen. Man will zwar, dass z.B. die Genitalien stimuliert werden, aber nicht wirklich von anderen Personen. Das sind dann z.B. die Asexuellen, die masturbieren.

Manche Asexuelle in Beziehungen mit sexuellen Personen nutzen ihren Sex Drive dazu, mit ihrem Partner Sex zu haben, weil sie trotz fehlender sexueller (!) Anziehung den Sex Drive als "Motivator" haben.

Ich als Asexuelle kann nur von außen darüber reden, wie sich sexuelle Anziehung wohl anfühlt. Ich habe schon Erzählungen/Erklärungen gehört und gelesen, aber ich kann mir echt nicht vorstellen wie es ist diese Art der Anziehung wirklich zu fühlen!

Viele Asexuelle - auch ich - wurde bei Outings gefragt, ob wir sicher sind, dass mit unseren Hormonen und Körpern alles in Ordnung ist; ob wir deswegen schonmal bei einem Arzt waren. Aber diese Leute verstehen meistens nicht, was sexuelle Anziehung ist.

Natürlich gibt es auch Menschen, die "nur" einen sehr schwachen, kaum vorhandenen Sex Drive haben und sich asexuell nennen, weil sie den Unterschied nicht kennen. Von mir aus kann sich jede/r als das bezeichnen was sie/er will. Dafür muss man keine Liste an Kriterien erfüllen.
Die Asexuellen-Community nimmt auch gerne die Menschen auf, die einen sehr niedrigen Sex Drive haben. Wir sind da nicht so ;-)

Disclaimer: dieser Blogeintrag basiert auf meiner Online-Recherche, meiner eigenen Erfahrung und der Erzählung anderer Asexueller - falls irgendwas davon falsch ist tut es mir leid und ich bin froh um jedes Input, von dem ich mehr lernen kann!

Samstag, 3. Februar 2018

Asexualität ist nicht leicht.

Mein heutiger Blogeintrag ist eine Übersetzung eines Tumblr-Beitrages, den ich mir immer und immer wieder durchlese. Der Text wurde nicht von mir verfasst, spiegelt aber meine eigenen Gedanken und Gefühle sehr gut wieder. Ich habe den Beitrag sinngemäß übersetzt. Dabei habe ich meine eigenen Worte verwendet und Aussagen minimal angepasst.



Asexualität ist nicht leicht.

Es ist nicht leicht, zu denken, dass etwas mit dir nicht stimmt,

nur, weil du das Wort noch nie gehört hast.

Es ist nicht leicht von etwas umgeben zu sein, an dem man nicht interessiert ist.

Es ist nicht leicht, zu akzeptieren, dass man nicht kaputt ist.

Asexualität ist nicht leicht.

Es bedeutet, keine Repräsentation zu haben.

Es bedeutet, sich erklären zu müssen, jedes mal wenn man sich outet,

nur, weil Menschen das Wort noch nie gehört haben.

Es bedeutet, gefragt zu werden, wie man ohne Sex leben kann,

Es bedeutet, sehr persönliche Fragen gestellt zu bekommen,

aber sie trotzdem zu beantworten, weil Repräsentation wichtig ist.

Es bedeutet, gesagt zu bekommen, dass 1% keine bedeutende Zahl ist.

Es bedeutet, Menschen glauben dir nicht.

Asexualität ist nicht leicht.

Es ist nicht leicht, gesagt zu bekommen, dass man nicht lieben kann,

oder gesagt zu bekommen, dass das A (in LGBTQIA+) für "Ally" [=Verbündeter] steht.

Asexualität bedeutet, nicht vollkommen als "queer" anerkannt zu werden,

oder als "straight" [=hetero]

Es bedeutet, gesagt zu bekommen, dass man noch nicht die richtige Person gefunden hat,

und gefragt zu werden, wie man sich sicher sein kann, wenn man es nie probiert hat.

Es ist nicht leicht, von etwas umgeben zu sein, das einem unangenehm ist.

Es ist nicht leicht, sich schuldig zu fühlen, weil man sich nicht gleich am Anfang einer Beziehung geoutet hat.

Es bedeutet, nach Repräsentation zu fragen und alles über LGBT zu erfahren.

Asexualität ist nicht leicht.

Es bedeutet, Menschen verstehen dich nicht,

oder Menschen versuchen nicht einmal, dich zu verstehen.

Es bedeutet, Menschen dringen in deine Privatsphäre ein,

und missachten deine persönlichen Grenzen.

Es bedeutet, schmutzige Witze nicht zu verstehen,

und es bedeutet, peinlich berührt zu sein, wenn jemand dir einen Witz erklärt, den du verstanden hast,

oder jemand, der dir sagt, dass du es nicht verstehen kannst, weil du asexuell bist.

Asexualität ist nicht leicht.

Es bedeutet, sich schuldig zu fühlen, weil man ist, wie man ist,

und Angst zu haben, dass ein Outing Beziehungen zerstören wird.

Es bedeutet, anders behandelt zu werden, nachdem man sich geoutet hat,

weil du es bist.

Es bedeutet, Menschen erzählen es anderen, bei denen du dich nicht geoutet hast,

weil es keine große Sache ist.

Aber es ist eine große Sache für mich.

Asexualität bedeutet, das Wort zu finden,

es bedeutet, seine Identität zu finden und sich sofort kaputt zu fühlen.

Aber zu wissen, dass man damit klar kommen muss.

Es bedeutet, Freunde werden sich unwohl fühlen, weil du dich damit identifizierst.

Es bedeutet, gesagt zu bekommen, dass man sich selbst belügt.

Asexualität ist nicht leicht.

Aber das bin ich.

Ich bin es.

Und ich bin stolz darauf, asexuell zu sein.




Hier findet ihr den originalen Text:
http://thehumorousace.tumblr.com/post/167925580211/asexuality-is-not-easy

Dienstag, 23. Januar 2018

Outing-Blockade

Wenn men bedenkt, dass ich erst seit knapp 2 Jahren selber Bescheid weiß, habe ich mich schon richtig oft geoutet.
Treibende Motivationen dahinter waren, dass ich gerne ich selbst bin und mich nicht verstecken will und, dass ich meinen Freunden und Familienmitgliedern gegenüber fast nichts verheimlichen kann.

Ich persönlich finde, Asexualität ist genau so "viel wert" wie jede andere sexuelle Orientierung und jedes Outing kann seine Probleme mit sich bringen. Zum Beispiel:

- wenn eine lesbische Frau sich bei ihren Freundinnen outet, gibt es Reaktionen wie "aber nicht, dass du dich jetzt zu mir hingezogen fühlst.."
(Das ist eine völlig unnötige Angst, weil man nicht automatisch allen Menschen des "passendes Geschlechts" gegenüber Anziehung empfindet.)

- Pansexuelle (=sexuelle Anziehung basiert nicht auf der Geschlechtsidentität ihres Gegenübers) werden manchmal gefragt, wo ihre Anziehung denn endet - ob sie auch Tiere anziehend finden.
(Das ist natürlich eine richtig, richtig verletzende und dumme Aussage)

In den letzten Jahren sind die Menschen in unserer "westlichen Welt" zum Glück immer offener geworden, was sexuelle Orientierungen betrifft. Homosexualität wir meistens akzeptiert oder zumindest toleriert. An der Akzeptanz von Bi- und Pansexualität und auch verschiedenen Genderidentitäten wird noch gearbeitet, aber ich denke wir sind auf einem guten Weg.

Aber mir ist in meinem eigenen Leben und beim Lesen vieler Blogeinträge und Artikel über Asexualität wieder einmal aufgefallen, dass asexuelle (und aromantische) Menschen bei ihrem Outing eine zusätzliche Schwierigkeit haben:
Wir müssen erklären was das bedeutet.

Wenn jemand sagt er sei schwul, weiß jeder, er findet Männer anziehend.
Wenn jemand sagt er sei bisexuell, verwirrt das zwar immer noch einige homo-, hetero- und asexuelle, aber im Grunde verstehen alle, dass diese Person sowohl Männer als auch Frauen anziehend findet.

Aber "ASEXUELL" haben die meisten noch nicht einmal gehört! (mit Außnahme von der asexuellen/ungeschlechtlichen Fortpflanzung mancher Lebewesen, die man im Biologieunterricht gelernt hat, aber das ist was anderes..)

Sogar bei den LGBT-offensten Menschen musste ich noch genauer erklären, was "Asexualität" überhaupt ist.

Meistens ist das zwar etwas nervig, aber alles nicht wirklich ein Problem. Die Leute bei denen ich mich bisher persönlich geoutet habe, waren alles Freunde und Familienmitglieder. Die haben geduldig zugehört und versucht meine Erklärung zu verstehen und nachgefragt, wenn etwas unklar war. Manche Fragen kommen erst nach einiger Zeit - dafür habe ich natürlich auch Verständnis und bin immer bereit Dinge zu erklären.

ABER schwierig wird das ganze, wenn ich bei jemandem geoutet werde/bin, der nicht versteht, was das alles bedeutet, mir keine Chance gibt es zu erklären und womöglich falsche Annahmen verbreitet.

Genau das ist beispielsweise der Hauptgrund dafür, dass ich in der neuen Firma bis auf weiteres ungeoutet bleiben will. Wenn es ein paar Menschen erfahren, spricht es sich bestimmt rumm und ich habe keine Möglichkeit alle Kollegen hinzusetzen und ihnen meine Orientierung zu erklären. Und ich bezweifle, dass sich mehr als 3-4 Personen die Mühe machen meinen Blog zu lesen.

Vielleicht trau ich meinen Kollegen zu wenig zu, aber ich bin da lieber etwas vorsichtig, bevor sich seltsame, unwahre Gerüchte verbreiten. Und vor allem will ich nicht, dass Menschen von der Existenz von Asexualität wissen, aber etwas falsches darunter verstehen.

Um nochmal kurz zum Hauptthema zurückzukommen:
Asexuelle haben es relativ schwer wenn sie sich outen. Um das zu ändern müssen wir alle gemeinsam "anpacken" und für mehr Aufmerksamkeit sorgen.

Also bitte redet darüber (wenn es ins Gespräch passt) & teilt den Blog! :)

Donnerstag, 11. Januar 2018

Akzeptanz

Wer mich kennt weiß, dass man mich ca. 1x die Woche im Kino findet.
Diese und letzte Woche war ich sogar je 2x. Der Grund dafür: der geniale Film namens "The Greatest Showman".
Ich habe ihn letzten Sonntag und letzten Dienstag gesehen und werde ihn morgen (Sonntag) noch einmal sehen. Wieso ich den Film (der übrigens ein Musical ist) so oft in kurzer Zeit sehe, will ich euch hier erklären:

Der Film handelt von P.T. Barnum, dem Erfinder des Zirkus und erfolgreichen Showman. Sein Zirkus beginnt als Wachsfiguren-Kabinett und führt ihn dann zu außergewöhnlichen Menschen, mit denen er Shows aufführt.

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Die Story des Films basiert nur ein wenig auf den wahren Begebenheiten, deshalb lassen wir Gedanken daran jetzt einmal weg.
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Die "außergewöhnlichen Menschen" im Film sind tolle, liebe Menschen, die einfach nur aus der Norm ausbrechen, was ihr  Äußeres betrifft. Darunter befinden sich u.a. stark behaarte Menschen, ein Kleinwüchsiger, ein besonders großer Mann, jemand mit Albinismus und auch zwei schwarze Turner. (Der Film spielt im 19.Jahrhundert, deshalb hat die Hautfarbe eines Menschen in dem Film noch eine größere Bedeutung als heute)

Hugh Jackman, der P.T. Barnum im Film verkörpert, beantwortet die Frage, worum es im Film geht, unter anderem mit "Toleranz" und "Inklusion".
Für mich geht es vor allem um Akzeptanz.
Und genau das ist auch was mich an dem Film so packt. Natürlich, die genialen Lieder und atemberaubenden Performances sind toll und beeindruckend. Aber der Grund für meine Gänsehaut während dem Film war vor allem der Zusammenhalt und der Stolz der außergewöhnlichen Menschen im Zirkus.

Besonders emotional ist für mich "This is Me" - DAS Lied der bärtigen Dame (Lettie).
In dem Lied geht es um die Schwierigkeiten von Personen, die aus der Norm ausbrechen. Es ist der Moment in dem diese Frau endgültig beschließt sich nicht mehr fertig machen zu lassen, sondern zu ihr selbst zu stehen. Und sie versucht den anderen Zirkus-Leuten Mut zu machen, damit auch sie so denken.

Ich finde, man kann diese ganzen Emotionen, Ängste, Gedanken,... sehr gut auf Menschen mit unterschiedlichen sexuellen/romantischen Orientierungen und auch gender-Identitäten anwenden.
Deshalb spreche ich meinen Freunden gegenüber bei dem Lied immer von einer Queer-Hymne.
Ich habe verschiedene LGBTQ-Freunde (da gibt es genderqueers, homo-, bi-, a- und pansexuelle) und ich höre oft, wie schwierig es ist, anderen Menschen gegenüber und in der "Öffentlichkeit" zum eigenen "anders-sein" zu stehen. Ich weiß das ja auch selbst (siehe: meinen letzten Blogeintrag zum un-geoutet sein).

"This is Me" kann uns alle lehren, stolz auf unsere Identitäten und Orientierungen zu sein, weil diese einfach zu uns gehören. Denn: "I know that there's a place for us, for we are glorious!" (DE: Ich weiß, dass es Platz für uns gibt, weil wir glorreich/herrlich sind!)

Früher oder später müssen die cisgender, heterosexuellen Menschen uns diesen Platz einräumen! Und wenn man sich umschaut und offen ist, findet sicher JEDER einen queeren Menschen in seiner direkten Umgebung! Ich zum Beispiel habe jeweils mindestens eine/n in jedem meiner Freundeskreise.

Deshalb, mein Aufruf an alle asexuellen, bisexuellen, homosexuellen, pansexuellen, gender-nonbinary, transsexuellen und aromatischen Menschen da draußen (und alle Orientierungen und Identitäten, die ich gerade ausgelassen habe):
Steht zu euch! Niemand hat das Recht euch das zu verbieten und wenn jemand versucht euch deswegen fertig zu machen, sollte euch diese Person nicht wichtiger sein als euer Stolz. Außerdem habt ihr eine tolle, starke Community, die hinter euch steht!

Und zur Community intern: alle LGBTQ+ Leute müssen dringend aufhören, einander auszuschließen. Wenn wir einander keine Akzeptanz zeigen, wie sollen es dann die unerfahrenen cisgendered Heterosexuellen lernen?

Nicht-asexuelle denken jetzt vielleicht ich mach mich zu wichtig und  übertreibe, weil ich ja eigentlich auch ein cisgendered Hetero bin, der 'nur' keine sexuelle Anziehung spürt. Aber ihr wisst nicht, wie die Blicke sich anfühlen. Die Blicke von Menschen, die Bescheid wissen und einfach nicht fassen können, dass jemand KEINEN Sex haben will. Diese Blicke sind verletzend.
Bestimmte Fragen, die ich bekomme, sind verletzend.
Menschen, die denken es stimmt was nicht mit mir, sind verletzend.
Und all diese verletzenden Dinge machen es mir schwer, zu mir selbst zu stehen.

Aber, wie die bärtige Dame in ihrem Lied singt:
"I am brave, I am bruised, I am who I'm meant to be. This is me!"

(DE: ich bin mutig, ich bin verletzt, ich bin wer ich sein sollte. Das bin ich!)

Link zum Song: This is Me