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Mir ist es wichtig vielen Menschen von Asexualität zu erzählen und mögliche Vorurteile und Unklarheiten zu beseitigen.
Für Fragen und (konstruktive) Kritik bin ich jederzeit offen!
Danke fürs Lesen :)
Klara
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Samstag, 31. Oktober 2020

Symbole von Asexuellen Part 2: die Ace Pride Flag

Pride Flaggen - so gut wie jede sexuelle und romantische Orientierung hat ihre eigene.
Ich weiß von vielen Menschen, die von dieser Vielzahl an Flaggen überfordert und verwirrt sind und das alles übertrieben finden.
Ich persönlich finde die Vielfalt toll.

Natürlich gibt es zu viele Flaggen um sie alle zu kennen, aber es ist ja auch nicht der Sinn von Pride Flaggen, dass sie jede*r (er)kennt. Der Sinn von Pride Flaggen ist der selbe wie von anderen Symbolen: das Gefühl einer Community, einer Gemeinschaft zu haben und Stolz auszudrücken. -> deshalb auch PRIDE Flag ;)

Ich habe mich für diesen Blogeintrag genauer informiert, wie die Ace-Pride Flagge entstanden ist, wofür die vier Streifen stehen und auch was für Probleme es mit ihr gibt.

Unsere Pride Flagge gibt es erst seit 2010.
Genau wie beim Ace-Ring wurde in verschiedenen Internet-Foren überlegt, wie sie aussehen soll und anschließend wurde abgestimmt.
Der User "standup" im AVEN-Forum (das ist das größte und bekannteste Forum von Asexuellen) war der erste, der die Flagge gepostet hat, die wir heute verwenden: 
Der schwarze Streifen steht für Asexualität, also dafür keine sexuelle Anziehung zu empfinden.

Der graue Streifen steht für Demi-Sexualität und Grey-Sexualität (=grau-Sexualität), welche beide als Orientierungen zur "Übergruppe" Asexualität gehören, aber sich darin unterscheiden, dass diese Personen unter bestimmten Umständen (z.B. starke emotionale Bindung) manchmal oder selten sexuelle Anziehung empfinden.
Zu Demi-Sexualität habe ich vor einer Weile auch schon einen Eintrag geschrieben.

Der Violette Streifen steht für Community - die Gemeinschaft von uns allen. Diese ist vor allem bei uns Asexuellen so wichtig, weil diese Orientierung durch Internet-Foren bekannt wurde, auf dem sich Asexuelle bis heute unterstützen und über die Orientierung austauschen.

Bei diesen drei Streifen ist sich die ganze Community bisher einig.
Aber die Bedeutung des weißen Streifens hat sich verändert und ist auch immer noch nicht so 100% festgelegt.
Am Anfang stand das Weiß für allosexuelle(=nicht asexuelle) Allies - also Verbündete unserer Community, die aber nicht selber Teil davon sind. Für manche steht der weiße Streifen für allosexuelle Partner, die in Beziehungen mit Asexuellen sind.
Die aktuell gängigste Bedeutung des Streifens ist, dass er allgemein für Sexualität steht und dadurch beispielsweise für "Sex-positive" Asexuelle. Also die Asexuellen, die aus welchem Grund auch immer Sex haben.

Die Community in den Internet-Foren wollte vor 10 Jahren ein Symbol, das nicht so direkt mit den Foren, vor allem nicht mit AVEN zusammenhängt. Dies hat verschiedene Gründe, auf die ich nicht genauer eingehen werde, weil ich einfach zu wenig darüber weiß und die Quellen sich teilweise widersprechen.



Ich habe meine erste Pride-Flag vor 1,5 Jahren von einer sehr guten Freundin zum Geburtstag bekommen und sie wenige Wochen später stolz auf meiner ersten Pride (Christopher Street Day) als Umhang getragen. Das tolle daran war, dass mich andere Asexuelle dadurch gesehen und angesprochen haben. So ein Gefühl von Community hatte ich davor noch nie!
Und man braucht auch Allies (=Verbündete) in der restlichen LGBTQIA+ Community, damit sie einem helfen, den Pride-Umhang fliegen zu lassen ;)


Vor ein paar Wochen habe ich allerdings auf Youtube ein Video einer Asexuellen gesehen, in dem sie unter anderem darüber aufgeklärt hat, dass die meisten Pride Flaggen, die man kaufen kann, den falschen Farbton haben. Das liegt wahrscheinlich daran, dass diese Flaggen sehr billig produziert werden. Aber sie hat in dem Video ihre alte, "falsche" Flagge und ihre richtige nebeneinander gehalten und der Unterschied war gut sichtbar.

Das Hauptproblem ist dabei, dass der falsche Farbton relativ nah dran ist an der "Gynophilie" Pride Flagge:
Gynophilie bezeichnet die sexuelle/romantische Anziehung gegenüber Weiblichkeit/Frauen* - unabhängig von der eigenen Geschlechtsidentität.

Diese Ähnlichkeit nervt mich und viele andere Asexuelle, weil die Gynophilie Flagge später als unsere entworfen wurde und man dabei die Ähnlichkeit nicht berücksichtigt hat.
Ganz ehrlich - sogar die Swinger Community hat mehr Rücksicht genommen!

Vor allem nervt es mich, dass ich inzwischen drei Ace Pride Flaggen aus drei verschiedenen Internetshops besitze und alle den falschen Farbton haben.
Ich hoffe, dass ich bei Nummer vier mehr Glück haben werde und dann endlich die komplett richtige Flagge besitze.
Auch, wenn ich meine 1.Flagge immer noch sehr, sehr gerne habe und auch weiterhin stolz herzeigen werde.


Die Ace Awareness Week ist jetzt leider wieder vorbei. Aber ich hoffe, dass sowohl ihr als auch ich in relativ naher Zukunft wieder Lust auf mehr Blogeintrag haben.
Danke für eure Unterstützung und euer Interesse bisher!

Sonntag, 17. Juni 2018

Mut, Hilfe & Dankbarkeit

Vor ziemlich genau 2 Jahren war ich Teil einen heftigen Diskussion über sexuelle Orientierungen mit Verwandten und Bekannten. Ich hatte das Gefühl, die einzige Beteiligte an dieser Diskussion zu sein, die offen war, was die Akzeptanz von all den (besprochenen) Orientierungen anging.
Einige waren "okay" mit Schwulen und Lesben, fanden aber alles was darüber hinaus ging (Bi/Pan/...) nicht glaubwürdig und "zu viel".

Ich bin am nächsten Tag mit dem Flixbus nach Hause gefahren und habe viel über diese Diskussion nachgedacht. Und auch darüber, dass ich mich nicht 100% mit all den Heterosexuellen um mich herum identifizieren kann. Mich plagte wieder einmal der Gedanke "irgendwas stimmt einfach nicht mit mir!"

Ich habe daraufhin all meinen Mut zusammengenommen und angefangen zu googeln. Zuerst auf Deutsch:
Die ersten 5 Beiträge, die auf meine Schlagworte zutrafen handelten alle von schwachem Sex-Drive und was man dagegen tun kann, psychischen Störungen, die zu "Lustlosigkeit im Bett" führen können und sowas wie "Mehr Frust als Lust?! Wie sie mit ihrem Partner wieder zurück zu einem gesunden Sex-Leben finden!"

Ich glaub ich muss euch nicht sagen, dass ich mich dadurch noch mehr kritisiert und unter Druck gefühlt habe.
Zum Glück hat mich mein Mut trotz der ersten Ergebnisse nicht verlassen und ich hab beschlossen, auf Englisch zu googeln.
Der erste Vorschlag, den ich fand war AVEN. Das "Asexual Visibility and Education Network". Das ist ein Netzwerk, das über Asexualität aufklären und darauf aufmerksam machen will. AVEN gibt's auch auf Deutsch, war aber offensichtlich nicht in meinen ersten paar Google-Ergebnissen dabei.
Ich sah das Wort "Asexual" und war sehr geschockt. 'Asexuell? Das kann ich doch nicht sein!' - damals war mein Wissen darüber sehr, sehr klein (und falsch!), denn in meinem Kopf war asexuell das selbe wie aromantisch - ich dachte, das wären Menschen, die keine romantische Beziehungen eingehen wollen. Und das klang so überhaupt nicht nach mir!!

Ich habe die restliche Busfahrt damit verbracht, AVEN zu durchforsten und mich auch durch andere Quellen über Asexualität zu informieren. Und je mehr ich zum Thema gelesen habe, desto klarer wurde:
Das bin ich!

Zwar wurden meine unglaubliche Erleichterung und Freude begleitet von der Angst, was es bedeuten kann "anders zu sein".
Aber vor allem war ich sehr erleichtert, endlich ein Wort für meine Empfindungen gefunden zu haben.

Nach meinem 1.Outing bei meiner besten Freundin, über das ich schon in früheren Blogeinträgen geschrieben hab fühlte sich alles sogar noch ein bisschen besser an. Denn sie wusste zu dem Zeitpunkt auch nichts von dieser Orientierung und war offen dafür, mehr zu erfahren.

Wie ebenfalls in früheren Einträgen berichtet, werden meine Outings zwangsläufig immer von einer (relativ) ausführlichen Erklärung meiner Orientierung begleitet. Ich kann aber niemandem vorwerfen, nicht von der Orientierung zu wissen - mir ging es vor 2 Jahren ja nicht anders!

Das alles war die Motivation, die zu diesem Blog geführt hat. Ich wollte eine weitere Quelle für deutschsprachige Asexuelle sein. Meiner Erfahrung nach sind persönliche Berichte einfacher zu "verdauen" als wissenschaftlich formulierte Erklärungen.

Und ihr glaubt nicht wie toll mein Feedback bisher war!
Ich habe immer wieder das Erlebnis, dass ich einen Satz sage wie "über das hab ich mal einen Blogeintrag geschrieben!" und positiv überrascht wurde, wenn mein Gesprächspartner mit "ja, stimmt. Den hab ich gelesen!" antwortet.
Mir ist wirklich micht bewusst, wie viele meiner Freunde (und hoffentlich auch Familienmitglieder) meinen Blog verfolgen! Und ich möchte euch aufrichtig für eure Unterstützung danken! :)
Das allerbeste an diesem Blog und meiner offenen Art was meine eigene sexuelle Orientierung betrifft, waren aber die Outings von Menschen in meinem unmittelbaren Umfeld, die sich ohne den Blog nie an mich gewandt hätten!

Ich habe erkannt, dass es in meinem Leben schon seit Jahren asexuelle Personen gab! Und jüngere "Queers" sind mit ihren Fragen zu mir gekommen und wollten von mir unter anderem Tipps zu Outings der Familie gegenüber hören.
Ich bin froh, dass ich gut genug Englisch verstanden habe, um damals diese Google Ergebnisse finden zu können. Aber, weil ich all den deutschsprachigen Aces helfen und die Suche erleichtern will, versuche ich so viele Ace-Themen wie möglich abzudecken und aufzuklären. (Nur momentan fehlt mir leider oft die Zeit..)


Happy Pride Month! :)

Dienstag, 23. Januar 2018

Outing-Blockade

Wenn men bedenkt, dass ich erst seit knapp 2 Jahren selber Bescheid weiß, habe ich mich schon richtig oft geoutet.
Treibende Motivationen dahinter waren, dass ich gerne ich selbst bin und mich nicht verstecken will und, dass ich meinen Freunden und Familienmitgliedern gegenüber fast nichts verheimlichen kann.

Ich persönlich finde, Asexualität ist genau so "viel wert" wie jede andere sexuelle Orientierung und jedes Outing kann seine Probleme mit sich bringen. Zum Beispiel:

- wenn eine lesbische Frau sich bei ihren Freundinnen outet, gibt es Reaktionen wie "aber nicht, dass du dich jetzt zu mir hingezogen fühlst.."
(Das ist eine völlig unnötige Angst, weil man nicht automatisch allen Menschen des "passendes Geschlechts" gegenüber Anziehung empfindet.)

- Pansexuelle (=sexuelle Anziehung basiert nicht auf der Geschlechtsidentität ihres Gegenübers) werden manchmal gefragt, wo ihre Anziehung denn endet - ob sie auch Tiere anziehend finden.
(Das ist natürlich eine richtig, richtig verletzende und dumme Aussage)

In den letzten Jahren sind die Menschen in unserer "westlichen Welt" zum Glück immer offener geworden, was sexuelle Orientierungen betrifft. Homosexualität wir meistens akzeptiert oder zumindest toleriert. An der Akzeptanz von Bi- und Pansexualität und auch verschiedenen Genderidentitäten wird noch gearbeitet, aber ich denke wir sind auf einem guten Weg.

Aber mir ist in meinem eigenen Leben und beim Lesen vieler Blogeinträge und Artikel über Asexualität wieder einmal aufgefallen, dass asexuelle (und aromantische) Menschen bei ihrem Outing eine zusätzliche Schwierigkeit haben:
Wir müssen erklären was das bedeutet.

Wenn jemand sagt er sei schwul, weiß jeder, er findet Männer anziehend.
Wenn jemand sagt er sei bisexuell, verwirrt das zwar immer noch einige homo-, hetero- und asexuelle, aber im Grunde verstehen alle, dass diese Person sowohl Männer als auch Frauen anziehend findet.

Aber "ASEXUELL" haben die meisten noch nicht einmal gehört! (mit Außnahme von der asexuellen/ungeschlechtlichen Fortpflanzung mancher Lebewesen, die man im Biologieunterricht gelernt hat, aber das ist was anderes..)

Sogar bei den LGBT-offensten Menschen musste ich noch genauer erklären, was "Asexualität" überhaupt ist.

Meistens ist das zwar etwas nervig, aber alles nicht wirklich ein Problem. Die Leute bei denen ich mich bisher persönlich geoutet habe, waren alles Freunde und Familienmitglieder. Die haben geduldig zugehört und versucht meine Erklärung zu verstehen und nachgefragt, wenn etwas unklar war. Manche Fragen kommen erst nach einiger Zeit - dafür habe ich natürlich auch Verständnis und bin immer bereit Dinge zu erklären.

ABER schwierig wird das ganze, wenn ich bei jemandem geoutet werde/bin, der nicht versteht, was das alles bedeutet, mir keine Chance gibt es zu erklären und womöglich falsche Annahmen verbreitet.

Genau das ist beispielsweise der Hauptgrund dafür, dass ich in der neuen Firma bis auf weiteres ungeoutet bleiben will. Wenn es ein paar Menschen erfahren, spricht es sich bestimmt rumm und ich habe keine Möglichkeit alle Kollegen hinzusetzen und ihnen meine Orientierung zu erklären. Und ich bezweifle, dass sich mehr als 3-4 Personen die Mühe machen meinen Blog zu lesen.

Vielleicht trau ich meinen Kollegen zu wenig zu, aber ich bin da lieber etwas vorsichtig, bevor sich seltsame, unwahre Gerüchte verbreiten. Und vor allem will ich nicht, dass Menschen von der Existenz von Asexualität wissen, aber etwas falsches darunter verstehen.

Um nochmal kurz zum Hauptthema zurückzukommen:
Asexuelle haben es relativ schwer wenn sie sich outen. Um das zu ändern müssen wir alle gemeinsam "anpacken" und für mehr Aufmerksamkeit sorgen.

Also bitte redet darüber (wenn es ins Gespräch passt) & teilt den Blog! :)