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Mir ist es wichtig vielen Menschen von Asexualität zu erzählen und mögliche Vorurteile und Unklarheiten zu beseitigen.
Für Fragen und (konstruktive) Kritik bin ich jederzeit offen!
Danke fürs Lesen :)
Klara
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Samstag, 31. Oktober 2020

Symbole von Asexuellen Part 2: die Ace Pride Flag

Pride Flaggen - so gut wie jede sexuelle und romantische Orientierung hat ihre eigene.
Ich weiß von vielen Menschen, die von dieser Vielzahl an Flaggen überfordert und verwirrt sind und das alles übertrieben finden.
Ich persönlich finde die Vielfalt toll.

Natürlich gibt es zu viele Flaggen um sie alle zu kennen, aber es ist ja auch nicht der Sinn von Pride Flaggen, dass sie jede*r (er)kennt. Der Sinn von Pride Flaggen ist der selbe wie von anderen Symbolen: das Gefühl einer Community, einer Gemeinschaft zu haben und Stolz auszudrücken. -> deshalb auch PRIDE Flag ;)

Ich habe mich für diesen Blogeintrag genauer informiert, wie die Ace-Pride Flagge entstanden ist, wofür die vier Streifen stehen und auch was für Probleme es mit ihr gibt.

Unsere Pride Flagge gibt es erst seit 2010.
Genau wie beim Ace-Ring wurde in verschiedenen Internet-Foren überlegt, wie sie aussehen soll und anschließend wurde abgestimmt.
Der User "standup" im AVEN-Forum (das ist das größte und bekannteste Forum von Asexuellen) war der erste, der die Flagge gepostet hat, die wir heute verwenden: 
Der schwarze Streifen steht für Asexualität, also dafür keine sexuelle Anziehung zu empfinden.

Der graue Streifen steht für Demi-Sexualität und Grey-Sexualität (=grau-Sexualität), welche beide als Orientierungen zur "Übergruppe" Asexualität gehören, aber sich darin unterscheiden, dass diese Personen unter bestimmten Umständen (z.B. starke emotionale Bindung) manchmal oder selten sexuelle Anziehung empfinden.
Zu Demi-Sexualität habe ich vor einer Weile auch schon einen Eintrag geschrieben.

Der Violette Streifen steht für Community - die Gemeinschaft von uns allen. Diese ist vor allem bei uns Asexuellen so wichtig, weil diese Orientierung durch Internet-Foren bekannt wurde, auf dem sich Asexuelle bis heute unterstützen und über die Orientierung austauschen.

Bei diesen drei Streifen ist sich die ganze Community bisher einig.
Aber die Bedeutung des weißen Streifens hat sich verändert und ist auch immer noch nicht so 100% festgelegt.
Am Anfang stand das Weiß für allosexuelle(=nicht asexuelle) Allies - also Verbündete unserer Community, die aber nicht selber Teil davon sind. Für manche steht der weiße Streifen für allosexuelle Partner, die in Beziehungen mit Asexuellen sind.
Die aktuell gängigste Bedeutung des Streifens ist, dass er allgemein für Sexualität steht und dadurch beispielsweise für "Sex-positive" Asexuelle. Also die Asexuellen, die aus welchem Grund auch immer Sex haben.

Die Community in den Internet-Foren wollte vor 10 Jahren ein Symbol, das nicht so direkt mit den Foren, vor allem nicht mit AVEN zusammenhängt. Dies hat verschiedene Gründe, auf die ich nicht genauer eingehen werde, weil ich einfach zu wenig darüber weiß und die Quellen sich teilweise widersprechen.



Ich habe meine erste Pride-Flag vor 1,5 Jahren von einer sehr guten Freundin zum Geburtstag bekommen und sie wenige Wochen später stolz auf meiner ersten Pride (Christopher Street Day) als Umhang getragen. Das tolle daran war, dass mich andere Asexuelle dadurch gesehen und angesprochen haben. So ein Gefühl von Community hatte ich davor noch nie!
Und man braucht auch Allies (=Verbündete) in der restlichen LGBTQIA+ Community, damit sie einem helfen, den Pride-Umhang fliegen zu lassen ;)


Vor ein paar Wochen habe ich allerdings auf Youtube ein Video einer Asexuellen gesehen, in dem sie unter anderem darüber aufgeklärt hat, dass die meisten Pride Flaggen, die man kaufen kann, den falschen Farbton haben. Das liegt wahrscheinlich daran, dass diese Flaggen sehr billig produziert werden. Aber sie hat in dem Video ihre alte, "falsche" Flagge und ihre richtige nebeneinander gehalten und der Unterschied war gut sichtbar.

Das Hauptproblem ist dabei, dass der falsche Farbton relativ nah dran ist an der "Gynophilie" Pride Flagge:
Gynophilie bezeichnet die sexuelle/romantische Anziehung gegenüber Weiblichkeit/Frauen* - unabhängig von der eigenen Geschlechtsidentität.

Diese Ähnlichkeit nervt mich und viele andere Asexuelle, weil die Gynophilie Flagge später als unsere entworfen wurde und man dabei die Ähnlichkeit nicht berücksichtigt hat.
Ganz ehrlich - sogar die Swinger Community hat mehr Rücksicht genommen!

Vor allem nervt es mich, dass ich inzwischen drei Ace Pride Flaggen aus drei verschiedenen Internetshops besitze und alle den falschen Farbton haben.
Ich hoffe, dass ich bei Nummer vier mehr Glück haben werde und dann endlich die komplett richtige Flagge besitze.
Auch, wenn ich meine 1.Flagge immer noch sehr, sehr gerne habe und auch weiterhin stolz herzeigen werde.


Die Ace Awareness Week ist jetzt leider wieder vorbei. Aber ich hoffe, dass sowohl ihr als auch ich in relativ naher Zukunft wieder Lust auf mehr Blogeintrag haben.
Danke für eure Unterstützung und euer Interesse bisher!

Mittwoch, 28. Oktober 2020

Symbole von Asexuellen Part 1: der "Ace-Ring"

Einige sexuellen Orientierungen haben ihre Farben und Symbole.
Und meistens lernt man diese nur kennen, wenn man selber diese Orientierung hat.
Gut für euch, dass ihr mich habt ;-)

Heute stell ich euch mein neustes Symbol vor:
Den Ace-Ring.

"Ace" ist die Abkürzung von Asexuell. Und der Ace-Ring ist jeder beliebige schwarze Ring, den Asexuelle am rechten Mittelfinger tragen.

Das tolle an dem Ring als Identifikation ist, dass es ein ziemlich subtiles Zeichen ist. Man denkt sich nicht viel dabei, wenn man keine Ahnung hat. Aber wenn man als Asexuelle*r jemanden mit einem schwarzen Ring am rechten Mittelfinger sieht, dann stehen die Chancen nicht so schlecht, dass man jemanden mit der selben Orientierung vor sich hat.
Und das könnte für die Community einiges einfacher machen.

Meinen Ace-Ring habe ich vor wenigen Wochen auf Amazon bestellt, nachdem ich vergeblich in verschiedenen Geschäften nach simplen schwarzen Ringen gesucht habe.
Da ich noch nie Ringe getragen habe, hatte ich keine Ahnung, welche Ringgröße ich brauche. Mein erster bestellter Ring war zu klein. Hätte perfekt auf meinen Ringfinger gepasst, aber leider war das nicht mein Ziel.

Die zweite Bestellung hat aber perfekt gepasst. Und seither trage ich ihn fast täglich.

Aber da ich in meinem Freundeskreis mit meiner Asexualität eh schon die "seltsame" Ausnahme bin, habe ich den Ring nicht getragen, als ich letzte Woche Freunde getroffen habe.
Wieso genau kann ich nicht sagen. Aber wahrscheinlich war ich einfach nicht in der Stimmung ihn zu erklären, falls Fragen aufkommen.

Der Ace-Ring wurde 2005 in dem Hauptforum von uns Asexuellen - AVEN -  das erste mal zum Thema, als nach Ace-Symbolen gesucht wurde.

Die Teilnehmer an der Unterhaltung wurden sich relativ schnell einig, dass der schwarze Ring am rechten Mittelfinger das Symbol werden sollte.
Gründe für die Farbe schwarz waren die Einfachheit davon und dass es eine genderunspezifische Farbe ist.
Außerdem ist schwarz auch Teil der Asexuellen Pride Flag. Korrektur: die Pride-Flagge kam nach dem Ring. Die Farbe Schwarz war allerdings schon Teil des "AVEN-Dreiecks" - dem Symbol des Asexuellen-Forums. (Blogeintrag dazu kommt Ende der Woche!)

Das skurile an dem schwarzen Ring am rechten Mittelfinger als Symbol für Asexualität ist, dass unter Swingern das Tragen eines schwarzen Rings an der rechten Hand als Identifikation gilt.
Allerdings haben Personen aus der Swinger-Community dazu aufgefordert, aus Respekt vor Asexuellen den Ring nicht am Mittelfinger zu tragen.
Super lieb, wenn ihr mich fragt!
Quellen:


Abschließend zum Ace-Ring würde ich gerne erwähnen, dass nicht alle Asexuelle so überzeugt von diesem Symbol sind. Einige wissen auch noch nichts darüber.
Und natürlich kann es definitiv auch der Fall sein, dass eine Allosexuelle (= nicht asexuelle) Person einen schwarzen Ring am rechten Mittelfinger trägt.

Aber für mich persönlich ist es eine tägliche Erinnerung, dass ich mich selber in dieser Orientierung gefunden habe und ich mit meinen Gefühlen nicht alleine bin. 
Und wenn ich dann noch auf diese Art mehr Asexuelle kennenlernen könnte, fände ich's toll.


Frohe Bewusstseins-Woche der Asexualität euch!
#AceAwarenessWeek



Sonntag, 11. Oktober 2020

Outing in der Datingwelt

Heute ist internationaler Coming-out Tag.
Und das ist für mich die perfekte Gelegenheit, diesen Blogeintrag zu schreiben.

Nachdem meine Verwandten, Freund*innen und inzwischen auch Arbeitskolleg*innen alle von meiner Asexualität erfahren haben (oder zumindest mehr als genug Chancen gehabt hätten es herauszufinden) bliebt mir noch ein Lebensbereich, in dem ich mich outen muss/will:
Beim Daten.

Ich date unregelmäßig. Ich lerne mal wen kennen, dann klappt das meistens nicht auf Dauer, dann ist man eine Weile traurig und irgendwann, in einer nicht unbedingt nüchternen Nacht holt man sich dann doch wieder eine Dating-App.
(So lautet die unkomplizierte Kurzfassung - ich erspare euch die ganzen damit verbundenen Höhen und Tiefen)

Natürlich habe ich auch schon offline Menschen kennengelernt, die ich gedatet habe oder bei denen ich es in Betracht gezogen habe sie zu daten.

Daten, sollte ich vielleicht noch definieren, ist für mich die Zeit zwischen dem ersten Kennenlernen und dem Zeitpunkt an dem man beschließt, in einer festen Beziehung zu sein oder eben dem Zeitpunkt, wenn mindestens eine der beiden Personen beschließt, den*die andere*n nicht mehr auf romantischer Ebene treffen zu wollen.

Vor wenigen Jahren noch fand ich es unvorstellbar, gleich am Anfang einem Mann von meiner Asexualität zu erzählen. Ich war mir immer unsicher, wann der richtige Zeitpunkt ist. Ich hatte lange diese Traumvorstellung von diesem perfekten Moment, in dem es mir einfach leicht fällt darüber zu reden und mein Gegenüber "bereit ist" davon zu hören.

Aber ich denke so einen perfekten Moment gibt's nicht.

Und weil ich manchmal das Gefühl hatte, dass ich viel zu lange mit dieser "Information" gewartet habe, wurde ich mit der Zeit mutiger.

Inzwischen habe ich Erfahrungen mit Outing in der Datingwelt gesammelt, von denen ich drei teilen möchte.

"Dude #1"
Dude #1 habe ich tatsächlich in der "echten Welt" kennengelernt. Damals, als die Clubs noch geöffnet waren - ach, die gute alte Zeit vor März 2020..
Wir haben uns gleich gut verstanden, den restlichen Abend im Club zusammen verbracht und am Ende Nummern ausgetauscht. 
Wir hatten danach ein sehr schönes erstes Date und uns auch beim zweiten Date gut unterhalten.
Deshalb dachte ich mir gegen Ende vom 2.Date, wieso nicht einfach mal sehen wie er reagiert?
Ich habe den Satz "Ich bin asexuell" gesagt und in seinem Gesicht nur Verwirrung und auch einen Hauch Enttäuschung gesehen. Das hat's schwer gemacht die Erklärung, was das für mich und "uns" bedeutet zu liefern, ohne sehr, sehr nervös und unsicher zu werden.
Und ab dem Zeitpunkt war er seltsam.
Er hatte kaum Fragen, wusste nicht genau was er tun soll. Die Unterhaltung, die ich mir gewünscht hätte, wie es ihm damit geht und ob er sich das so vorstellen könnte, gab es nie.
Es gab zwar noch weitere Treffen, aber ich hatte nie das Gefühl, dass er es "verkraftet" hat und irgendwie stand das durchgehend zwischen uns.

"Dude #2"
Als ich Dude #2 auf einer Dating-App kennengelernt habe fand ich ihn sofort sympathisch. Wir hatten beim Schreiben von Anfang an eine sehr gute Kommunikation und waren beide der Meinung, dass wir uns bald persönlich kennenlernen sollten. Aber er wollte mir davor noch etwas zu seiner Lebenssituation erzählen, die etwas kompliziert war. Genauere Infos zu Dude #2 teile ich hier nicht, weil sie für den Inhalt dieses Blogs nicht relevant sind.
Nachdem er so ehrlich und offen von sich erzählt hat, wollte ich nachziehen und hatte in dem Moment genug Mut, um es einfach zu schreiben.
Zu meinem Glück war er sehr interessiert und nicht abgeschreckt. Vielleicht denke ich das auch nur, weil ich seinen Gesichtsausdruck nicht gesehen habe.
Wir hatten dann in Textform schon eine sehr ausführliche Unterhaltung darüber, was das genau bedeutet und er hatte sehr viele Fragen. Wirklich SEHR VIELE!! Aber das war mir lieber, als die verschlossene Reaktion von Dude #1.
Wir haben uns kurz danach getroffen und auch persönlich viel darüber geredet.. es war eine wirklich schöne Erfahrung, mit einem potentiellen Partner so offene Gespräche über Asexualität zu haben.
Das Problem dabei war, dass er anscheinend nicht wusste was er "darf". Er hat nicht versucht mir körperlich (nicht sexuell, sondern generell Berührungen) näher zu kommen, obwohl die Anziehung dazu offensichtlich da war.
Und sobald mir das bewusst wurde, habe ich es angesprochen und gefragt, ob das mit meinem Outing zu tun hat.
Und daraus hat sich ein wirklich gutes Gespräch ergeben. Über Ängste, Kommunikation, Grenzen,...
Das ganze mit Dude #2 war eine wirklich positive Erfahrung, was Outing in der Datingwelt anging. Ich wünsche allen asexuellen Menschen, dass sie auf so gute Kommunikation und Offenheit stoßen wie ich sie mit Dude #2 erlebt habe.

"Dude #3"
Auch Dude #3 habe ich durch eine Dating-App kennengelernt. Dieses mal hatte ich allerdings beschlossen, von Anfang an offen zu sein. Einige Dating-Apps bieten inzwischen an, dass man seine sexuelle Orientierung und seine Geschlechtsidentität angeben kann. Deshalb habe ich einfach mal angegeben, dass ich asexuell bin.
Ich dachte mir: WIESO NICHT?
Entweder der Mann liest es und entscheidet dementsprechend ob er mich kennenlernen will oder er übersieht es und wir haben die Unterhaltung eben irgendwann.
Keiner meiner Matches hat mich darauf angesprochen. Kein einziger!
Und nachdem ich mit Dude #3 eine Zeit lang geschrieben hatte wollte er mich treffen. Aber ich wollte nach den Erfahrungen mit Dude #2 wieder von Anfang an und schon vor einem Treffen ehrlich und offen damit umgehen.
Seine Reaktion war sehr unspektakulär, vermutlich weil er mein Profil gelesen hatte. Er war sehr offen, weiter drüber zu reden und auch als wir uns persönlich getroffen haben, konnten wir gute Gespräche darüber führen.

---------------

Ich bin wirklich froh, dass ich inzwischen ruhiger und selbstbewusster bin, wenn es darum geht in der Datingwelt zu mir selbst zu stehen und offen zu kommunizieren.

Meistens habe ich das Gespräch damit begonnen, die verschiedenen Anziehungsarten zu erklären, über die ich schonmal in meinem Blog geschrieben habe. Das hat es meiner Meinung nach den Männern leichter gemacht, zu verstehen wovon ich spreche, wenn es um sexuelle Anziehung geht.

Mir selber geht es viel besser damit, seit ich mein Outing nicht mehr hinauszögere.
Und ich hoffe, dass sich auch andere Asexuelle trauen damit so offen umzugehen und wünsche ihnen auch so schöne und ehrliche Gespräche mit ihren (potentiellen) Partnern.


Mittwoch, 2. September 2020

Sexualisierter Humor

Verhalten von Menschen ist spannend. Vor allem finde ich es spannend zu überlegen, wieso sich ein Mensch so verhält wie er*sie es tut.

Oft überlege ich das bei mir selbst. Wieso sag ich die Dinge die ich sage, reagiere wie ich reagiere..?

Am seltsamsten finde ich da meinen Humor. Wieso finde ich eine Aussage witzig, eine andere abstoßend?
Und wieso mache ich, eine seit 4 Jahren geoutete Asexuelle, so viele sexuellen Witze und (sarkastische) sexuelle Anspielungen?
Mir ist das gar nicht selber ausgefallen. Eine gute Freundin hat mich darauf aufmerksam gemacht und seither ist es mir sehr bewusst und irgendwie auch unangenehm geworden.

Ich denke, die Gründe dafür sind naheliegend. Diese Gesellschaft ist sehr sexualisiert. In beinahe jeder Serie, jedem Film wird sexuelle Anziehung oder auch sexuelle Handlungen thematisiert, viele Lieder handeln davon, einige Werbungen basieren auf der Einstellung "Sex sells" und spätestens wenn man in einem Alter ist in dem romantische Beziehungen zum Thema werden ist man persönlich damit konfrontiert. "Hattet ihr schon Sex??" / "Mit wie vielen Menschen hast du schon geschlafen?" / ...

Als Person, die diese Gefühle nicht nachvollziehen kann war ich mit dieser ständigen Konfrontation überfordert. Alle um mich rum haben den Eindruck gemacht, das sei normal und dadurch gerechtfertigt. Nur ich. Ich fand das zu viel, ich fand einiges unnötig. Und die Gespräche über Sex und Anziehung haben mich unabsichtlich ausgeschlossen.

Und was macht man, wenn man durch ein Thema ausgeschlossen wird? da gibt's (mindestens) 3 Möglichkeiten:
1. Man findet sich damit ab und redet nicht mit
2. Man sammelt selber Informationen/Erfahrungen um beim nächsten Mal mitreden zu können
Oder
3. Man tut so als hätte man Ahnung und hofft, es merkt niemand.

Ich wollte nicht prüde wirken, nicht ausgeschlossen sein und auch nicht gezwungenermaßen Erfahrungen sammeln, deshalb habe ich mich für die 3.Möglichkeit entschieden und mitgeredet ohne wirklich Ahnung davon zu haben.
Eine Zeit lang, als Teenagerin habe ich sogar manchen Freundinnen erzählt, ich hätte mein erstes Mal schon hinter mir.
Nur um nicht als "die Unerfahrene" oder eben sogar als "die Prüde" zu gelten.

Heutzutage fällt es mir ein wenig leichter ehrlich zu sein, wenn es um sowas geht. Vor allem bei Freunden und Familie.
Allerdings bin ich immer noch unsicher. Als einzige geoutete Asexuelle in meinem sozialen Umfeld bin und bleibe ich "the odd one out" (D: die, die aus der Reihe fällt) weil ich nicht wissen kann wie es ist, sexuelle Anziehung zu empfinden.
Und da sich die Welt, wie vorhin beschrieben, oft um diese Anziehung dreht versuche ich mitzureden und vor allem Scherze darüber zu machen. Auch um das unangenehme Gefühl zu unterdrücken, die diese ständige Konfrontation mit diesem Thema in mir auslöst.

Denn solche Witze sind nicht "gelogen", solange ich sie sarkastisch genug sage. Solange ich nicht so tu als wäre das meine wirkliche Meinung.

Das Problem dabei, wenn man Witze über etwas macht von dem man nicht viel versteht ist, die Grenzen zu kennen.
Welche Anspielungen gehen zu weit? Worüber macht man besser keine Scherze?

Und außerdem definiert man sich ja auch über seinen Sinn für Humor. Was bedeutet, dass ich damit wieder Menschen anziehe, die von sich aus diesen Humor haben. Und dadurch kommt man nur eher schwer davon weg.
...

Obwohl ich sehr oft solche Witze mache und noch nicht so wirklich damit aufhören kann, finde ich sie nicht wirklich witzig.
Sie nerven mich. Aber anscheinend habe ich akzeptiert, dass sie in bestimmten Freundeskreisen dazu gehören. Und nach wie vor bin ich wohl lieber dabei ohne so zu fühlen, als ausgeschlossen zu sein.
Und wer weiß, was die nächsten Jahre kommt. Vielleicht komme ich komplett davon weg, vielleicht verliert diese Art von Humor auch in meinem Umfeld an Beliebtheit.
Ich hoffe es.

Donnerstag, 8. August 2019

Pride 2019

Ich bin zurück!!
In den letzten Tagen/Wochen habe ich meinen Blog mit neuen Menschen geteilt und wieder gemerkt, wie groß das Interesse daran ist.
Das hat mich wieder motiviert weiterzumachen und ich nehme mir vor, mindestens 1x im Monat nen Post zu schreiben.
Und hiermit fang ich an:
PRIDE 2019
Ich war dieses Wochenende 3./4.August 2019 auf meinem ersten CSD (= Christopher Street Day) bzw. Meiner ersten "Pride".
Für alle, die mit den Begriffen überhaupt nichts anfangen können:
das sind Veranstaltungen, die weltweit stattfinden, auf denen die Vielfalt von sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten offen gefeiert wird. Also alle "nicht-heteros" und "nicht-cis**"-Menschen zeigen da mit Stolz (=Pride), dass sie eben so sind wie sie sind.
Oft gibt's eine Parade, in der auch mit Regenbogen geschmückte Wagen durch die Stadt fahren und anschließend eine große Party.
Den Ursprung des CSD würde ich gerne mal in einem separaten Blogeintrag behandeln.
[**cis-gendered = man fühlt sich als das Geschlecht, das dem biologischen Geschlecht entspricht, welches einem bei der Geburt zugewiesen wurde]
Angefangen hat der Plan zum CSD zu gehen mit Erzählungen einer Freundin, die letzten Sommer beim CSD in Nürnberg und in Manchester zwischen all den Regenbögen auch Asexuellen-Flagge gesehen hat. Bis dahin war ich irgendwie skeptisch, ob ich auf nen CSD gehen soll um meine sexuelle Orientierung zu (re-)präsentieren und auch zu feiern, dass ich bin wie ich bin.
Dieses Jahr, als ich die selbe Freundin Anfang Juni besucht habe, hatten wir sehr viele Gespräche über die LGBTQ+ (bzw. die LGBTQIA+) Community und, dass wir's doof finden, dass viele LGBTQ+ Menschen (heteroromantische) Asexuhelle ausschließen wollen, weil die keine Diskriminierung aufgrund ihrer Orientierung erfahren.
Aber das stimmt ja überhaupt nicht!
Es ist zwar wahr, dass viel mehr Hetze, Hass und Unverständnis in Richtung von Trans*menschen, Homo-/Bi- & Pansexuellen gerichtet wird. Aber Asexuelle werden z.B. von ihren Partnern vergewaltigt, weil diese sich persönlich von der fehlenden sexuellen Anziehung beleidigt fühlen. Und sie zwingen sich selber oft dazu Sex zu haben, in der Hoffnung, dass sie dann vielleicht auch endlich "normal" sind und Sex irgendwann wollen, so wie "alle anderen" in der Gesellschaft.
Die fehlende Repräsentation ist Schuld daran, dass viele mit sich selber unglücklich sind und sich als "kaputt" sehen.
Und weil mich diese fehlende Repräsentation in der Community so unfassbar aufregt und ich nicht will, dass so wenige Menschen von der Existenz von Asexuellen wissen, war ich dieses Jahr - auf Einladung eben dieser Freundin - als offene, stolze asexuelle Frau beim CSD in Nürnberg.
Und ich muss euch sagen...
Es war UNGLAUBLICH toll!
Ich hatte meine Pride-Flagge (die ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe) als Cape umgebunden, auf meiner Hand ein Herz mit meinen Pride-Farben gemalt und auf meinem Arm stand "QUEER".
Ich war einfach 100% ich selbst und das in der Öffentlichkeit!!
Die Parade hat mich sehr begeistert, weil ich noch nie so viele offen queere Menschen gesehen habe.
Lesben, Schwule, Bisexuelle, Pansexuelle, Nonbinaries, Trans*Menschen,......
Und JA! Auch andere Asexuelle waren dabei!!
Mich hat's total gefreut, dass mehrere Teilnehmer der Pride-Parade und auch Menschen auf dem Gelände, auf dem man sich anschließend aufgehalten hatte, mich nach der Bedeutung meiner Flagge gefragt haben. Wer nicht fragt lernt eben auch nicht dazu und es haben sich teilweise sogar Unterhaltungen daraus entwickelt, in der man sich über die Orientierung austauschen konnte.
Außerdem habe ich während der Parade zwei Mädels mit Ace-Pride-Flagge gesehen, die ich später auf dem Platz wiedergefunden habe. Die beiden waren auch so froh wie ich, andere Asexuelle zu sehen und wir haben über unsere Orientierung, die Reaktionen auf Outings und darüber geredet, wie toll es ist unsere "Queer-Pride" zu leben.
Wir haben für ihr geplantes Youtube-Video sogar noch nen kleinen Clip gedreht :)
Ich freu mich schon drauf den zu sehen!
Die beiden gehen noch in die Schule. Und ich freu mich sehr für sie, dass sie jetzt schon ihre sexuelle Orientierung und damit ihre Community gefunden haben!
Das Wochenende war sehr toll, beeindruckend und auch anstrengend.
Es war richtig schlimm nach der Parade und dem Feiern, wo man von unzähligen Regenbögen umgeben war, wieder in die normale, graue Welt einzutauchen. Ich würde lieber in einer Stadt leben, in der durchgehend alle so offen und gut drauf sind wie bei der Pride.
Ich freu mich schon auf nächstes Jahr :)





Sonntag, 17. Juni 2018

Mut, Hilfe & Dankbarkeit

Vor ziemlich genau 2 Jahren war ich Teil einen heftigen Diskussion über sexuelle Orientierungen mit Verwandten und Bekannten. Ich hatte das Gefühl, die einzige Beteiligte an dieser Diskussion zu sein, die offen war, was die Akzeptanz von all den (besprochenen) Orientierungen anging.
Einige waren "okay" mit Schwulen und Lesben, fanden aber alles was darüber hinaus ging (Bi/Pan/...) nicht glaubwürdig und "zu viel".

Ich bin am nächsten Tag mit dem Flixbus nach Hause gefahren und habe viel über diese Diskussion nachgedacht. Und auch darüber, dass ich mich nicht 100% mit all den Heterosexuellen um mich herum identifizieren kann. Mich plagte wieder einmal der Gedanke "irgendwas stimmt einfach nicht mit mir!"

Ich habe daraufhin all meinen Mut zusammengenommen und angefangen zu googeln. Zuerst auf Deutsch:
Die ersten 5 Beiträge, die auf meine Schlagworte zutrafen handelten alle von schwachem Sex-Drive und was man dagegen tun kann, psychischen Störungen, die zu "Lustlosigkeit im Bett" führen können und sowas wie "Mehr Frust als Lust?! Wie sie mit ihrem Partner wieder zurück zu einem gesunden Sex-Leben finden!"

Ich glaub ich muss euch nicht sagen, dass ich mich dadurch noch mehr kritisiert und unter Druck gefühlt habe.
Zum Glück hat mich mein Mut trotz der ersten Ergebnisse nicht verlassen und ich hab beschlossen, auf Englisch zu googeln.
Der erste Vorschlag, den ich fand war AVEN. Das "Asexual Visibility and Education Network". Das ist ein Netzwerk, das über Asexualität aufklären und darauf aufmerksam machen will. AVEN gibt's auch auf Deutsch, war aber offensichtlich nicht in meinen ersten paar Google-Ergebnissen dabei.
Ich sah das Wort "Asexual" und war sehr geschockt. 'Asexuell? Das kann ich doch nicht sein!' - damals war mein Wissen darüber sehr, sehr klein (und falsch!), denn in meinem Kopf war asexuell das selbe wie aromantisch - ich dachte, das wären Menschen, die keine romantische Beziehungen eingehen wollen. Und das klang so überhaupt nicht nach mir!!

Ich habe die restliche Busfahrt damit verbracht, AVEN zu durchforsten und mich auch durch andere Quellen über Asexualität zu informieren. Und je mehr ich zum Thema gelesen habe, desto klarer wurde:
Das bin ich!

Zwar wurden meine unglaubliche Erleichterung und Freude begleitet von der Angst, was es bedeuten kann "anders zu sein".
Aber vor allem war ich sehr erleichtert, endlich ein Wort für meine Empfindungen gefunden zu haben.

Nach meinem 1.Outing bei meiner besten Freundin, über das ich schon in früheren Blogeinträgen geschrieben hab fühlte sich alles sogar noch ein bisschen besser an. Denn sie wusste zu dem Zeitpunkt auch nichts von dieser Orientierung und war offen dafür, mehr zu erfahren.

Wie ebenfalls in früheren Einträgen berichtet, werden meine Outings zwangsläufig immer von einer (relativ) ausführlichen Erklärung meiner Orientierung begleitet. Ich kann aber niemandem vorwerfen, nicht von der Orientierung zu wissen - mir ging es vor 2 Jahren ja nicht anders!

Das alles war die Motivation, die zu diesem Blog geführt hat. Ich wollte eine weitere Quelle für deutschsprachige Asexuelle sein. Meiner Erfahrung nach sind persönliche Berichte einfacher zu "verdauen" als wissenschaftlich formulierte Erklärungen.

Und ihr glaubt nicht wie toll mein Feedback bisher war!
Ich habe immer wieder das Erlebnis, dass ich einen Satz sage wie "über das hab ich mal einen Blogeintrag geschrieben!" und positiv überrascht wurde, wenn mein Gesprächspartner mit "ja, stimmt. Den hab ich gelesen!" antwortet.
Mir ist wirklich micht bewusst, wie viele meiner Freunde (und hoffentlich auch Familienmitglieder) meinen Blog verfolgen! Und ich möchte euch aufrichtig für eure Unterstützung danken! :)
Das allerbeste an diesem Blog und meiner offenen Art was meine eigene sexuelle Orientierung betrifft, waren aber die Outings von Menschen in meinem unmittelbaren Umfeld, die sich ohne den Blog nie an mich gewandt hätten!

Ich habe erkannt, dass es in meinem Leben schon seit Jahren asexuelle Personen gab! Und jüngere "Queers" sind mit ihren Fragen zu mir gekommen und wollten von mir unter anderem Tipps zu Outings der Familie gegenüber hören.
Ich bin froh, dass ich gut genug Englisch verstanden habe, um damals diese Google Ergebnisse finden zu können. Aber, weil ich all den deutschsprachigen Aces helfen und die Suche erleichtern will, versuche ich so viele Ace-Themen wie möglich abzudecken und aufzuklären. (Nur momentan fehlt mir leider oft die Zeit..)


Happy Pride Month! :)

Montag, 26. Februar 2018

Empfinden und Handlung

Ab und zu, wenn ich mich bei Freunden oute, passiert es, dass ich folgende Aussage höre:
"Vielleicht bin ich das auch!"
Mit Begründungen wie beispielsweise:
"Ich brauch nicht unbedingt Sex"
Oder
"Ich bin ja auch so schüchtern und wählerisch bei der Männer-/Frauenwahl!"

Mit den Menschen rede ich dann meistens genauer darüber, ob das Asexualität sein könnte. Und dabei ist vor allem eines wichtig: was man fühlt und was man tut sind unterschiedliche Dinge.

Kurz: es gibt Sexuelle, die keinen Sex haben und es gibt Asexuelle, die Sex haben.

Asexuell zu sein bedeutet, keine sexuelle Anziehung zu spüren. Also, dass man keiner Person gegenüber das Verlangen nach sexueller Handlung hat. Oder (um auch die Grauzonen der Asexualität miteinzubeziehen) nur ganz selten oder unter besonderen Umständen.

Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass der so genannte "Sex Drive" (=Sexualtrieb/Geschlechtstrieb/Libido) im Grunde nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun hat. Der Sex Drive ist etwas, das mit dem eigenen Körper zu tun hat. Man spürt das Verlangen nach sexueller Handlung (wichtig: nicht unbedingt mit einer anderen Person!), Stimulation der Geniatalien etc.
Der Sex Drive ist wichtig für die Erhaltung der Menschheit - ohne ihn würden wir vermutlich aussterben.

Nun ist es eben so, dass es viele Menschen gibt, die eine sexuelle Orientierung UND einen "normalen" Sex Drive haben. Und dann gibt es:
- Sexuelle mit schwachem Sex Drive
- Asexuelle mit "normalem" Sex Drive
- Asexuelle mit schwachem Sex Drive

Sexuelle Menschen mit schwachem Sex Drive sind zum Beispiel Personen, die Sex nicht unbedingt vermissen, wenn sie eine Weile keinen haben. Und auch Leute, die eher faul sind was Sex angeht - sie müssen sich in einer Beziehung zum Beispiel eher dazu "aufraffen" Sex zu haben, finden ihren Partner (und andere) aber durchaus sexuell anziehend.

Bei Asexuellen ist es weniger ein "Problem", wenn sie einen schwachen Sex Drive haben. Sie empfinden dadurch einfach weder anderen gegenüber sexuelle Anziehung, noch das Bedürfnis nach sexueller Stimulation.
(Allerdings können auch diese Menschen Sex haben!)

Bei Asexuellen mit Sex Drive kann es manchmal zu Verwirrung kommen. Man will zwar, dass z.B. die Genitalien stimuliert werden, aber nicht wirklich von anderen Personen. Das sind dann z.B. die Asexuellen, die masturbieren.

Manche Asexuelle in Beziehungen mit sexuellen Personen nutzen ihren Sex Drive dazu, mit ihrem Partner Sex zu haben, weil sie trotz fehlender sexueller (!) Anziehung den Sex Drive als "Motivator" haben.

Ich als Asexuelle kann nur von außen darüber reden, wie sich sexuelle Anziehung wohl anfühlt. Ich habe schon Erzählungen/Erklärungen gehört und gelesen, aber ich kann mir echt nicht vorstellen wie es ist diese Art der Anziehung wirklich zu fühlen!

Viele Asexuelle - auch ich - wurde bei Outings gefragt, ob wir sicher sind, dass mit unseren Hormonen und Körpern alles in Ordnung ist; ob wir deswegen schonmal bei einem Arzt waren. Aber diese Leute verstehen meistens nicht, was sexuelle Anziehung ist.

Natürlich gibt es auch Menschen, die "nur" einen sehr schwachen, kaum vorhandenen Sex Drive haben und sich asexuell nennen, weil sie den Unterschied nicht kennen. Von mir aus kann sich jede/r als das bezeichnen was sie/er will. Dafür muss man keine Liste an Kriterien erfüllen.
Die Asexuellen-Community nimmt auch gerne die Menschen auf, die einen sehr niedrigen Sex Drive haben. Wir sind da nicht so ;-)

Disclaimer: dieser Blogeintrag basiert auf meiner Online-Recherche, meiner eigenen Erfahrung und der Erzählung anderer Asexueller - falls irgendwas davon falsch ist tut es mir leid und ich bin froh um jedes Input, von dem ich mehr lernen kann!

Samstag, 3. Februar 2018

Asexualität ist nicht leicht.

Mein heutiger Blogeintrag ist eine Übersetzung eines Tumblr-Beitrages, den ich mir immer und immer wieder durchlese. Der Text wurde nicht von mir verfasst, spiegelt aber meine eigenen Gedanken und Gefühle sehr gut wieder. Ich habe den Beitrag sinngemäß übersetzt. Dabei habe ich meine eigenen Worte verwendet und Aussagen minimal angepasst.



Asexualität ist nicht leicht.

Es ist nicht leicht, zu denken, dass etwas mit dir nicht stimmt,

nur, weil du das Wort noch nie gehört hast.

Es ist nicht leicht von etwas umgeben zu sein, an dem man nicht interessiert ist.

Es ist nicht leicht, zu akzeptieren, dass man nicht kaputt ist.

Asexualität ist nicht leicht.

Es bedeutet, keine Repräsentation zu haben.

Es bedeutet, sich erklären zu müssen, jedes mal wenn man sich outet,

nur, weil Menschen das Wort noch nie gehört haben.

Es bedeutet, gefragt zu werden, wie man ohne Sex leben kann,

Es bedeutet, sehr persönliche Fragen gestellt zu bekommen,

aber sie trotzdem zu beantworten, weil Repräsentation wichtig ist.

Es bedeutet, gesagt zu bekommen, dass 1% keine bedeutende Zahl ist.

Es bedeutet, Menschen glauben dir nicht.

Asexualität ist nicht leicht.

Es ist nicht leicht, gesagt zu bekommen, dass man nicht lieben kann,

oder gesagt zu bekommen, dass das A (in LGBTQIA+) für "Ally" [=Verbündeter] steht.

Asexualität bedeutet, nicht vollkommen als "queer" anerkannt zu werden,

oder als "straight" [=hetero]

Es bedeutet, gesagt zu bekommen, dass man noch nicht die richtige Person gefunden hat,

und gefragt zu werden, wie man sich sicher sein kann, wenn man es nie probiert hat.

Es ist nicht leicht, von etwas umgeben zu sein, das einem unangenehm ist.

Es ist nicht leicht, sich schuldig zu fühlen, weil man sich nicht gleich am Anfang einer Beziehung geoutet hat.

Es bedeutet, nach Repräsentation zu fragen und alles über LGBT zu erfahren.

Asexualität ist nicht leicht.

Es bedeutet, Menschen verstehen dich nicht,

oder Menschen versuchen nicht einmal, dich zu verstehen.

Es bedeutet, Menschen dringen in deine Privatsphäre ein,

und missachten deine persönlichen Grenzen.

Es bedeutet, schmutzige Witze nicht zu verstehen,

und es bedeutet, peinlich berührt zu sein, wenn jemand dir einen Witz erklärt, den du verstanden hast,

oder jemand, der dir sagt, dass du es nicht verstehen kannst, weil du asexuell bist.

Asexualität ist nicht leicht.

Es bedeutet, sich schuldig zu fühlen, weil man ist, wie man ist,

und Angst zu haben, dass ein Outing Beziehungen zerstören wird.

Es bedeutet, anders behandelt zu werden, nachdem man sich geoutet hat,

weil du es bist.

Es bedeutet, Menschen erzählen es anderen, bei denen du dich nicht geoutet hast,

weil es keine große Sache ist.

Aber es ist eine große Sache für mich.

Asexualität bedeutet, das Wort zu finden,

es bedeutet, seine Identität zu finden und sich sofort kaputt zu fühlen.

Aber zu wissen, dass man damit klar kommen muss.

Es bedeutet, Freunde werden sich unwohl fühlen, weil du dich damit identifizierst.

Es bedeutet, gesagt zu bekommen, dass man sich selbst belügt.

Asexualität ist nicht leicht.

Aber das bin ich.

Ich bin es.

Und ich bin stolz darauf, asexuell zu sein.




Hier findet ihr den originalen Text:
http://thehumorousace.tumblr.com/post/167925580211/asexuality-is-not-easy

Dienstag, 23. Januar 2018

Outing-Blockade

Wenn men bedenkt, dass ich erst seit knapp 2 Jahren selber Bescheid weiß, habe ich mich schon richtig oft geoutet.
Treibende Motivationen dahinter waren, dass ich gerne ich selbst bin und mich nicht verstecken will und, dass ich meinen Freunden und Familienmitgliedern gegenüber fast nichts verheimlichen kann.

Ich persönlich finde, Asexualität ist genau so "viel wert" wie jede andere sexuelle Orientierung und jedes Outing kann seine Probleme mit sich bringen. Zum Beispiel:

- wenn eine lesbische Frau sich bei ihren Freundinnen outet, gibt es Reaktionen wie "aber nicht, dass du dich jetzt zu mir hingezogen fühlst.."
(Das ist eine völlig unnötige Angst, weil man nicht automatisch allen Menschen des "passendes Geschlechts" gegenüber Anziehung empfindet.)

- Pansexuelle (=sexuelle Anziehung basiert nicht auf der Geschlechtsidentität ihres Gegenübers) werden manchmal gefragt, wo ihre Anziehung denn endet - ob sie auch Tiere anziehend finden.
(Das ist natürlich eine richtig, richtig verletzende und dumme Aussage)

In den letzten Jahren sind die Menschen in unserer "westlichen Welt" zum Glück immer offener geworden, was sexuelle Orientierungen betrifft. Homosexualität wir meistens akzeptiert oder zumindest toleriert. An der Akzeptanz von Bi- und Pansexualität und auch verschiedenen Genderidentitäten wird noch gearbeitet, aber ich denke wir sind auf einem guten Weg.

Aber mir ist in meinem eigenen Leben und beim Lesen vieler Blogeinträge und Artikel über Asexualität wieder einmal aufgefallen, dass asexuelle (und aromantische) Menschen bei ihrem Outing eine zusätzliche Schwierigkeit haben:
Wir müssen erklären was das bedeutet.

Wenn jemand sagt er sei schwul, weiß jeder, er findet Männer anziehend.
Wenn jemand sagt er sei bisexuell, verwirrt das zwar immer noch einige homo-, hetero- und asexuelle, aber im Grunde verstehen alle, dass diese Person sowohl Männer als auch Frauen anziehend findet.

Aber "ASEXUELL" haben die meisten noch nicht einmal gehört! (mit Außnahme von der asexuellen/ungeschlechtlichen Fortpflanzung mancher Lebewesen, die man im Biologieunterricht gelernt hat, aber das ist was anderes..)

Sogar bei den LGBT-offensten Menschen musste ich noch genauer erklären, was "Asexualität" überhaupt ist.

Meistens ist das zwar etwas nervig, aber alles nicht wirklich ein Problem. Die Leute bei denen ich mich bisher persönlich geoutet habe, waren alles Freunde und Familienmitglieder. Die haben geduldig zugehört und versucht meine Erklärung zu verstehen und nachgefragt, wenn etwas unklar war. Manche Fragen kommen erst nach einiger Zeit - dafür habe ich natürlich auch Verständnis und bin immer bereit Dinge zu erklären.

ABER schwierig wird das ganze, wenn ich bei jemandem geoutet werde/bin, der nicht versteht, was das alles bedeutet, mir keine Chance gibt es zu erklären und womöglich falsche Annahmen verbreitet.

Genau das ist beispielsweise der Hauptgrund dafür, dass ich in der neuen Firma bis auf weiteres ungeoutet bleiben will. Wenn es ein paar Menschen erfahren, spricht es sich bestimmt rumm und ich habe keine Möglichkeit alle Kollegen hinzusetzen und ihnen meine Orientierung zu erklären. Und ich bezweifle, dass sich mehr als 3-4 Personen die Mühe machen meinen Blog zu lesen.

Vielleicht trau ich meinen Kollegen zu wenig zu, aber ich bin da lieber etwas vorsichtig, bevor sich seltsame, unwahre Gerüchte verbreiten. Und vor allem will ich nicht, dass Menschen von der Existenz von Asexualität wissen, aber etwas falsches darunter verstehen.

Um nochmal kurz zum Hauptthema zurückzukommen:
Asexuelle haben es relativ schwer wenn sie sich outen. Um das zu ändern müssen wir alle gemeinsam "anpacken" und für mehr Aufmerksamkeit sorgen.

Also bitte redet darüber (wenn es ins Gespräch passt) & teilt den Blog! :)

Freitag, 22. Dezember 2017

Un-geoutet - alles nochmal von vorne.

Ich habe vor ein paar Monaten mit einem neuen Job angefangen. Da hab ich viel zu tun und ich komm deshalb wirklich kaum dazu, neue Blogeinträge zu schreiben.
Ich entschuldige mich also hiermit für meine lange Abwesenheit!

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Ich bin eigentlich überall geoutet:
In der Familie, in den verschiedenen Freundeskreisen,.... Dank diesem Blog und meiner guten Beziehung zu ihnen sogar bei meinen ehemaligen Arbeitskollegen!

Aber vor 3 Monaten habe ich bei einer neuen Firma angefangen und habe beschlossen, mich zwar nicht als Sexuelle auszugeben, aber mich auch nicht gleich zu outen.

Ich wollte nicht, dass ich als "die Prüde" oder so etwas gelte, nur weil sich manche Arbeitskollegen nicht die Mühe geben es zu verstehen.

Und wie eigentlich immer, wenn man ungeoutet ist, gehen die Mitmenschen davon aus, dass man heterosexuell ist.
Mich als hetero zu sehen ist nicht schlimm. Es ist ja auch sehr nah an der Wahrheit dran! Und meistens bespricht man (zum Glück) sowieso nicht sein Sexleben mit (neuen) Arbeitskollegen.

Allerdings sind bestimmte Gespräche schon vorgekommen und die haben dazu gesorgt, dass ich mich nicht ganz wohl gefühlt habe in meiner Haut.

Zum Beispiel hat eine Arbeitskollegin zu mir und einer weiteren Kollegin gesagt "...naja, nach ein paar Jahren Beziehung wird der Sex meistens langweilig. Da muss man schauen, wie man sonst mit dem Partner klar kommt!"
Und da bin ich nur kommentarlos daneben gesessen und wusste nicht wirklich, was ich denken oder sagen soll.

Ein anderes Mal wurde die Tinder-Aktivität eines Kollegen relativ ausführlich besprochen. Das wurde mir auch irgendwann unangenehm, weil er Sex wie eine Art "Sportart für jeden" behandelt hat. Und für mich ist das eben ziemlich unvorstellbar.

Der neue Job ist toll und meine Arbeitskollegen sehr lieb. Also wäre die Grundlage für ein Outing schon vorhanden. Aber ich habe eben noch Angst davor, dass es einige nicht verstehen könnten und ich dann mit anderen Augen gesehen werde.
Und das kann man als "die Neue" nicht unbedingt brauchen.

Deshalb verstecke ich momentan noch einen Teil meiner Persönlichkeit. Aber ich hasse das immer wieder! Ich bin einfach gerne 100% ich selbst. Und ungeoutet bin ich das einfach nicht.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es ungeouteten Menschen geht, die in einer Beziehung mit einem gleichgeschlechtlichen Partner sind und nicht offen über ihre Beziehung reden können. Das muss noch einige Stufen schlimmer sein.

Noch ein Grund mehr also, für mehr Aufmerksamkeit zu sorgen, damit meine queeren Mitmenschen in Zukunft noch offener sie selbst sein können - in allen Lebenslagen!

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Wann?

Nachdem ich vor kurzem einen Artikel darüber gelesen habe, dass wir (dringend) bessere asexuelle Charaktere in Serien und Filmen brauchen (Artikel-Link). Habe ich die darin empfohlene Serie Riverdale angefangen.
Laut dem Artikel gibt es in der Comic-Vorlage zur Serie einen offen asexuellen und a- bzw. Demiromantischen Charakter.

Zu Beginn der Serie wirkt der Charakter auch sehr aroace (=Kurzform von aromantisch + asexuell), doch leider  ändert sich das gegen Ende der 1.Staffel.
Dass er demiromantisch (und auch demisexuell) ist, kann man zwar noch nicht ausschließen - zum Glück!! - aber asexuell ist für mich leider keine Möglichkeit mehr.

Ich habe daraufhin einer Freundin geschrieben, die auch Riverdale schaut und ihr meine Enttäuschung geschildert. Außerdem wurde dieses Thema auch gestern auf einer aroace-Facebookseite diskutiert.. Sowohl meine Freundin, als auch Leute auf der Facebookseite haben versucht mich mit dem Argument "Demisexuell ist noch nicht ausgeschlossen" aufzuheitern, aber leider hilft mir das nur wenig.
Nach einem Alien, einem Vampir, zwei Soziopathen und einem Zeichentrickcharakter (Doctor Who, Shadowhunters, Sherlock & Big Bang Theory, Bojack Horseman) wäre Jughead aus "Riverdale" die erste Chance gewesen, einen menschlichen (zwar auch psychisch nicht komplett gesunden, aber nah genug dran) offen asexuellen & aromantischen Charakter zu haben mit dem ich mich (zumindest was den sexuellen Teil angeht) identifizieren kann.
Cole Sprouse, der Jughead in der Serie verkörpert, war von Anfang an dafür, den Charakter so wie in den Comics darzustellen. Anscheinend hatte er deswegen sogar Gespräche mit den Produzenten. Aber leider hat man nicht auf ihn gehört. Bisher - wie er sagt - aber später ist es für mich nur noch eine Art Schadensbegrenzung.

Diese Woche ist "Asexual Awareness Week" - also eine Woche die dazu da ist, mehr Aufmerksamkeit für meine sexuelle Orientierung zu schaffen.
Und ich fand das ist genau der richtige Zeitpunkt für diesen Eintrag.

Als jemand, der in der Medienbranche arbeitet, bin ich ziemlich enttäuscht davon, wie meine Sexualität einfach  übersehen oder ignoriert wird. Im besten Fall werden wir von "Freaks" repräsentiert, unsere Sexualität ist Folge einer Krankheit und kann ZUM GLÜCK geheilt werden (danke, Dr. House) oder enden als dummer Witz einer Comedyserie.
Ich freue mich wirklich auf den Tag, an dem ein menschlicher Charakter, der Freunde und sein Leben mehr oder weniger im Griff hat, das Wort "asexuell" verwendet, um sich bei jemandem zu outen. Damit das passiert müssen wir allerdings noch viel mehr Aufmerksamkeit bekommen!

Aber ich bin hoffnungsvoll dass wir das schaffen!
...nur wann?

Edit: nachdem ich heut noch mehr darüber nachgedacht habe und auf Charaktere hingewiesen wurde, die als asexuell gesehen werden können, möchte ich folgendes noch hinzufügen:
Ich denke, es gibt bereits (menschliche) asexuelle Charaktere in Filmen und Serien. Nur, solange die Menschen nicht offen darüber reden, dass sie keine sexuelle Anziehung spüren, kann man sich dessen nicht sicher sein.
Und am allerbesten wäre es natürlich, wenn endlich mal Charaktere damit anfangen würden das Wort "ASEXUELL" zu verwenden. Ansonsten können sie nämlich immer noch missverstanden werden.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Coming Out Tipps

Morgen ist der Internationale Coming Out Tag :) 
Das heißt es jährt sich zum ersten mal mein öffentliches Coming Out auf Facebook und der Beginn dieses Blogs.
Ich dachte mir zur Feier dieses tollen Tages könnte ich Coming Out Tipps geben. Für ein Outing gibt es leider keine klaren Richtlinien, an die man sich halten kann, und die einem versprechen, dass alles gut wird. Aber ich habe jetzt fast 1,5 Jahre Outing-Erfahrung und habe dadurch gelernt, was dabei helfen kann und worauf man vorbereitet sein sollte.
1.) Sei dir bewusst, als was du dich selbst siehst bzw. Wie du von anderen bezeichnet/gesehen werden möchtest. Also, bei mir wäre das "asexuell, also spüre ich keine sexuelle Anziehung; heteroromantisch, also fühle ich mich (manchen) Männern gegenüber trotzdem romantisch angezogen"
Wenn du noch nicht genau weißt welches "Label" zutrifft, (ob du beispielsweise demi- oder auch asexuell.. Vielleicht auch "nur" schüchterne/r Homosexuelle/r oder irgendwas anderes sein willst) oder du von den ganzen Orientierungen die es mitlerweile gibt  überfordert und verwirrt bist, dann kannst du dich natürlich auch schon outen. Nur stelle ich es mir dann etwas schwieriger vor und ich rate dir, dann nicht bei den konservativen Großeltern, sondern eher bei einem guten Freund anzufangen.
2.) Überlege dir (besonders für das erste Outing), was du sagen möchtest und am besten auch wie.
Du musst kein "Drehbuch" im Kopf haben an das du dich hälst, aber ich fand es hilfreich - vor allem beim Outing meiner Familie gegenüber - eine Checkliste im Kopf zu haben, die ich durchgegangen bin.
3.) Sei vorbereitet auf viele (unangenehme) Fragen.. Ich wurde zum Beispiel mehr als einmal gefragt, ob das jetzt bedeutet dass ich Jungfrau bin. :S und auch wie genau ich dann eigentlich meine zukünftigen Kinder bekomme, von denen ich öfter mal rede...
Viele Fragen waren auch einfach wichtig, damit mein Gegenüber das alles verstanden hat, aber nicht alle waren leicht zu beantworten! Sei also vorbereitet auf alles, aber antworte nur darauf wenn es dir nicht zu unangenehm ist! Keiner hat das "Recht" alles zu wissen, nur weil du deine romantische/sexuelle Orientierung geteilt hast.
4.) Sei vorbereitet darauf, dass dein Gegenüber deine Orientierung nicht nachvollziehen/verstehen kann. Ich hatte Menschen, die mir nahe stehen, die eine Weile gebraucht haben um zu akzeptieren, dass ich asexuell bin. Auch welche, die ihre Zweifel daran hatten, dass es sowas gibt.
5.) dies gilt besonders für Asexuelle, aber kommt sicher auch bei anderen Orientierungen vor: sei bereit für dumme "beim richtigen Mann/bei der richtigen Frau wirst du dann sicher anders denken!"-Kommentare.
Egal ob du 12 bist, 25 oder 60 - wenn du findest, eine Orientierung beschreibt dich, dann nimm sie an! Und wenn dann doch einmal eine Person kommt, für die du plötzlich Dinge empfindest, die du nicht für möglich gefunden hast, dann ist das eben so! Aber dann heißt das nicht, dass deine Orientierung (bis zu dem Zeitpunkt) nicht trotzdem wichtig und wahr war!
6.) Pass auf dich auf! Sei beispielsweise vorsichtig, falls dein Gegenüber homophob oder ähnliches ist.
Es gibt leider viel zu viele Geschichten von Asexuellen, die nach ihrem Outing in einer Beziehung von einem Partner zu Sex gezwungen wurden - nach dem Motto "was sagst du da - du findest mich sexuell nicht anziehend?!"
Und eben wenn man sich bei extrem homophoben Eltern als homo-irgendwas outet, kann das auch sehr böse enden.
Also wenn du begründete Ängste hast, dass dein Outing zu psychischer oder physischer Gewalt führen könnte, pass lieber auf dich auf!
Und noch ein Bonus-Tipp für Asexuelle: auf der AVEN-Seite gibt's tolle Beiträge, die beim Outing helfen. Ich habe damals meiner Familie folgende Seiten ausgedruckt, damit sie sich nach meinem Outing genauer informieren können und ich fand das sehr hilfreich:
Ich wünsche euch einen wunderschönen Internationalen Coming Out Tag!! :)
Und ganz viel Liebe und Verständnis von euren Mitmenschen für all eure Outings! 

Montag, 18. September 2017

DEMI-sexuell/-romantisch/...

Heute gibt's wieder mal einen (hoffentlich) sehr informativen Blogeintrag von mir :)

Ich denke in letzter Zeit viel über Demisexualität nach und bevor ich diese Orientierung in meinem Blog anspreche, ohne euch zuerst eine gute Erklärung dazu zu liefern, mach ich das lieber jetzt ausführlich.
Vorschlag für eine Pride-Flagge für Demisexuelle
Die Flagge der Demisexuellen - sie enthält die selben Farben wie die Asexuellenflagge, die Farben sind allerdings hier anders angeordnet

Zuerst muss ich euch allerdings mitteilen, dass ich keine eigene Erfahrung mit Demisexualität habe (ich sehe mich selbst weiterhin als durch und durch asexuell) und ich deshalb nur weitergeben kann, was ich gelesen oder auf YouTube gesehen habe.

Asexualität ist wie gesagt ein Spektrum und Demisexualität ist ein Teil davon. Manche Demisexuelle nennen sich manchmal auch "Grey-Ace" (=Grau/Grauzonen-asexuell), das heißt allerdings nicht, dass alle Grey-Aces demisexuell sind. Das ganze ist wirklich schwierig zu verstehen und noch schwieriger zu erklären.
Das Wort "Demi" kann man aus dem Lateinischen ableiten, oder auch aus dem alten Französisch oder Englisch - es wird entweder als "halbiert" oder "halb" übersetzt, in manchen Quellen auch als "mittig".

Als Demisexuell bezeichnen sich Menschen, die erst sexuelle Anziehung spüren, wenn sie eine starke emotionale Bindung zu einer Person haben. Dies kann eine romantische Bindung/Beziehung, aber auch eine Freundschaft sein.
Ich habe schon von Demisexuellen gelesen, die zwar in manchen romantischen Beziehungen plötzlich sexuelle Anziehung gespürt haben, in anderen aber wieder nicht. Also sollte man als Sexueller in einer Beziehung mit einer demisexuellen Person nicht unbedingt darauf hoffen, dass sein Partner noch "sexuell wird". Denn dies ist nicht immer der Fall und Demisexuelle haben es nicht in der Hand, ob sie ihrem Partner gegenüber sexuelle Anziehung empfinden oder nicht.

Ich selbst habe über Demisexualität schon einige Jahre früher Artikel gelesen als über Asexualität und habe eine Zeit lang auch gedacht, ich könnte diese Orientierung als meine eigene sehen. Nur war ich dann wieder unsicher, als ich mich Männern emotional sehr nahe gefühlt habe und trotzdem keine sexuelle Anziehung gespürt habe. Deshalb habe ich beschlossen mich nicht als demi- und stattdessen als asexuell zu sehen. Falls ich doch einmal eine emotionale Bindung mit jemandem habe und daraus sexuelle Anziehung entsteht, kann ich mein "Label" ja immer noch ändern.

Viele Sexuelle sagen, wenn man mit ihnen über Demisexualität redet, Dinge wie:
"Ist nicht fast Jeder (bzw. jede Frau) demisexuell?" (bzw. "Ist das nicht die Norm?")
oder
"Ich schlafe ja auch nicht mit jeder Person, die mir gefällt, vielleicht bin ich dann auch demisexuell."

Diese Personen haben meiner Meinung nach nicht verstanden, was sexuelle Anziehung ist. Mir und auch den meisten Leuten auf dem Asexuellenspektrum ist sehr wohl bewusst, dass sexuelle Menschen nicht mit jeder Person schlafen die ihnen gefällt. Aber der Unterschied zwischen "euch" und "uns" ist, dass wir nie eine X-beliebige Person anschauen können und das Bedürfnis empfinden mit dieser Person Sex zu haben.

Wie ihr dem Titel dieses Beitrags entnehmen könnt, gibt es auch die Orientierung "Demiromantisch". Hier gilt das selbe, allerdings mit Liebe statt Sex - Demiromantische Menschen entwickeln erst romantische Gefühle einer Person gegenüber, wenn sie eine starke emotionale Bindung geformt haben. Einfach erklärt bedeutet das, dass sie nur eine Beziehung mit jemandem eingehen werden, wenn diese Person davor schon in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielt - beispielsweise ein guter Freund/eine gute Freundin.

Auch hier gilt: demiromantische Menschen gehören zum Spektrum der Aromantik.

Ich hoffe meine Erklärungen und Beispiele helfen euch, diese Orientierungen zu verstehen. Sollten noch offene Fragen existieren, bitte ich euch wie immer mich zu kontaktieren! :) Ich würde sehr gerne dabei helfen, mehr Verständnis für diese Orientierungen zu schaffen.

Für alle, die mehr wissen wollen und Englisch verstehen, habe ich hier noch einen Link zu einem sehr informativen Video:
Demisexuality 101


Und jetzt macht euch bitte bereit für eine Theorie, die ich vor kurzem aufgestellt habe:

In der Serie Orphan Black gibt es Charaktere mit verschiedenen sexuellen Orientierungen. Das wird zwar thematisiert, aber zum Glück nicht zu sehr in den Mittelpunkt gerückt.

Achtung:
Ich werde im folgenden Absatz leichte Spoiler verraten, aber ich finde, dass sie nicht zu schlimm sind und die Serie auch mit den Spoilern spannend bleibt. Falls du allerdings total dagegen bist, irgendwas zu wissen bevor du die Serie siehst, empfehle ich dir die 1.Staffel zu sehen und dann kannst du beruhigt wieder zu diesem Blogeintrag zurückkommen :)


Ein Hauptcharakter der Serie ist Cosima, eine homosexuelle Frau. Sie verliebt sich in der 1.Staffel in eine Frau namens Delphine. Cosima küsst Delphine, weil sie deren Verhalten als flirten interpretiert hat. Jedoch hat sich Delphine bis dahin als Heterosexuell gesehen und war auf den Kuss nicht vorbereitet. Aus verschiedenen Gründen kommt sie jedoch nach dem Kuss wieder zu Cosima und es entsteht ein Gespräch in dem Delphine folgendes sagt:
"Bisexualität war nie ein Thema. Ich meine, was mich angeht. Mir als Wissenschaftlerin ist klar, dass Sexualität ein Spektrum ist. Aber Vorbehalte der Gesellschaft, die prägen eine Ausrichtung. Ganz unabhängig von biologischen Fakten."
Anschließen haben die beiden Sex und starten eine romantische Beziehung.

Als ich die ersten beiden Staffeln zuerst gesehen habe, wusste ich noch nicht viel von den verschiedenen sexuellen (und romantischen) Orientierungen. Deshalb habe ich über Delphines "Wandel" nicht besonders viel nachgedacht. Ich habe vor kurzem die Serie noch einmal von vorne gesehen und jetzt - nach allem was ich in den letzten 1,5 Jahren gelernt habe - gibt es für mich 2 mögliche Erklärungen, wieso diese Beziehung entstanden ist:
1. Sexualität ist fließend & wandelbar. Menschen können ihre sexuelle Orientierung zwar nicht selber beeinflussen oder ändern, aber manchmal passiert es einfach. Vielleicht war Delphine ihre ganze Jugend heterosexuell und plötzlich (ungefähr in der Zeit als sie Cosima kennengelernt hat) war sie dann doch eher bisexuell.
oder
2. (meine Theorie) es gibt auch noch "Demi-Stufen" von anderen Orientierungen.
ALSO wenn jemand z.B. sein ganzes Leben heteroromantische und -sexuelle Gefühle hatte und dann (wie bei Delphine) eine starke emotionale Bindung mit einer Person des gleichen Geschlechts empfindet, aus der plötzlich sexuelle und romantische Anziehung entsteht.
Wie genial wäre es, wenn wir wirklich auch noch Demi-irgendwas ZUSÄTZLICH zu unseren anderen Orientierungen sein könnten???
Also, wenn ich asexuell, heteroromantisch UND "demi-bi-romantisch" sein könnte!
Ich finde diese Theorie jedenfalls ziemlich spannend!

Ich hoffe das macht alles irgendwie Sinn und ich habe euch nicht komplett überfordert.

Achja: und wer jetzt mit Argumenten kommen will, dass die Liebe zwischen den Charakteren nicht echt bzw. realistisch war, dem lege ich es nahe eine liebe Freundin von mir zu kontaktieren, die sich in ihrer Bachelorarbeit sehr intensiv damit befasst hat. Sie oder ihre Arbeit sind sehr überzeugend! :)

Und ja, uns ist bewusst, dass es sich um fiktionale Charaktere handelt! Aber die sexuellen Orientierungen in der Serie sind sehr wohl auch in der realen Welt vorhanden.

Dienstag, 27. Juni 2017

Sexuelle Orientierung ≠ romantische Orientierung

Juni ist Pride Monat, also der Monat in dem viele LGBTQ+ Veranstaltungen stattfinden, z.B. Paraden, und allgemein wird die Individualität und der Stolz auf alle sexuellen, romantischen und Gender-Orientierungen (die von der "Norm" abweichen) jeder Person in diesem Monat mehr gefeiert als sonst.
Ich habe mir für diesen Monat viele Blogeinträge vorgenommen, aber dann kam irgendwie das Leben dazwischen.
Den wichtigsten und für mich einfachsten meiner geplanten Einträge muss ich jetzt aber loswerden bevor der Juli anfängt.
Ich möchte nämlich noch einmal betonen, dass die sexuelle und romantische Orientierung jeder Person nicht zwingend zusammenhängen!
Mir ist bewusst, dass ich das bereits in einem meiner ersten Blogeinträge klargestellt habe, aber mir ist es wichtig das nochmal genauer aufzugreifen, denn:
Vor ein paar Wochen hat sich jemand bei mir geoutet. Diese Person hatte leichte Schwierigkeiten ihre Orientierung in Worte zu fassen, weil sie irgendwie "Bi" ist und irgendwie auch nicht.
Dann habe ich erklärt, dass - im Gegensatz zum Glauben vieler - sexuelle & romantische Orientierung nicht zusammenhängen. Natürlich denkt man darüber nicht viel nach wenn man beispielsweise homosexuell und homoromantisch ist, aber für alle bei denen diese beiden Arten der Anziehung sich auf unterschiedliche Geschlechter beziehen ist das ganze anfangs oft verwirrend.
Ich dachte zuerst auch, dass ich nicht asexuell sein kann, denn immerhin bin ich in der Lage mich in Männer zu verlieben!
Ich war sehr froh als ich Blogeinträge, Artikel und Youtubevideos gefunden habe, die mir das alles erklärt haben.
Im Falle der Person mir der ich zuletzt darüber geredet habe, war es der Fall dass sie sich sowohl in Männer als auch in Frauen verlieben kann, aber nur bei einem Geschlecht sexuelle Anziehung spürt.
Was das andere Geschlecht angeht ist diese Person - einfach ausgedrückt - asexuell.
Aber zu sagen "ich bin biromantisch, homo-/heterosexuell und asexuell wenns um [Geschlecht] geht" ist eben kompliziert und bringt vermutlich sehr viel Erklärungsbedarf mit sich.
Ich wünsche mir für alle, deren romantische und sexuelle Orientierung nicht übereinstimmen, dass die Gesellschaft offener wird, was das Verständnis für solche Dinge angeht.
Für alle von euch, deren Orientierungen sich nicht von einander unterschieden, habe ich ein Beispiel wie ihr euch das vorstellen könnt:
(Wie gut das Beispiel ist kann ich nichr beurteilen, ich finde es macht Sinn :P)
Wenn du z.B. eine Mann bist und schwul, dann gibt es vielleicht trotzdem Frauen, die du attraktiv findest. Du willst mit diesen Frauen weder eine romantische Beziehung, noch Sex, aber du kannst sie anschauen und sagen "Ja, die sieht gut aus."
Du findest sie ästhetisch anziehend/attraktiv, aber nicht romantisch oder sexuell.
Dein Empfinden welche/s Geschlecht/er du gutaussehend finden kannst unterscheidet sich also von deiner sexuellen Orientierung.
Ich persönlich denke, dass viel mehr Menschen unterschiedliche Orientierungen haben würden, wenn sie wüssten dass das möglich ist. Also hoffentlich wird die Welt immer offener dafür!
Und jetzt wünsch ich allen 'Queers' noch einen schönen restlichen Pride Monat! <3

Donnerstag, 25. Mai 2017

Ein Aufruf

Heute vor genau einem Jahr habe ich mich das erste Mal mit Asexualität auseinandergesetzt. Ich hab mich 'damals' gefühlt wie neu geboren!
Morgen jährt sich dann mein 1.Outing und ich möchte an dieser Stelle meiner besten Freundin dafür danken dass sie diesen Meilenstein so unfassbar leicht gemacht hat. <3

Ich habe in diesem Jahr einige Gespräche über meine sexuelle Orientierung geführt und zahlreiche Fragen beantwortet.. Aber trotzdem merke ich, dass viele immer noch nicht ganz verstehen was das alles bedeutet und wie man damit umgehen soll.
Deshalb, mein Aufruf an alle von euch denen ich wichtig bin:
REDET MIT MIR!! Stellt Fragen, setzt euch mit mir auseinander und hört auf voreilige Schlüsse zu ziehen.

Ich bin froh wenn ich offen reden darf und finds toll wenn ich meinen Mitmenschen das ganze näher bringen kann..
Und wenn es wirklich stimmt dass 1% der Weltbevölkerung sich mit einer der Orientierungen des Asexuellenspektrums identifizieren kann, dann ist es sehr wahrscheinlich dass ihr noch öfter aus "Menschen wie mich" stoßen werdet!

Also informiert euch bei mir um es dem nächsten Asexuellen in eurem Leben leichter zu machen!

Freitag, 14. April 2017

(online) dating

Im Gegensatz zu vielen meiner Mitmenschen war ich weder jemals in einer jahrelangen Beziehung noch hatte ich zahlreiche kurze Beziehungen.. Ich schieb's meistens darauf, dass ich ziemlich genau weiß, was ich will und mich nur ungern mit weniger zufrieden gebe. Ich bin wenn's um Beziehungen geht ziemlich wählerisch und bin nicht ungern Single - der Freiheit wegen.

Doch ich bin nun mal eine romantische Asexuelle und hätte gerne einen Freund.

Aber ich finde es ziemlich schwierig jemanden kennenzulernen. Da arrangierte Ehen in der westlichen Welt ein Ding der Vergangenheit sind (sorry, Mama), meine Freunde es noch nicht geschafft haben mir jemanden vorzustellen der mir gefallen hat (tzz..) und ich beim Judo alle männlichen Mitsportler mit denen ich mich bisher unterhalten habe als platonische Freunde sehe (sie mich übrigens auch!) sind meine Optionen wohl "beim Ausgehen jemanden kennenlernen" oder ONLINE DATING.

Wie's beim Ausgehen bei mir so läuft könnt ihr gerne nochmal im Blogeintrag "Dates" nachlesen... Bis auf diesen Abend habe ich nämlich schon lange keinen "potentiellen Freund" mehr beim Ausgehen getroffen.

Also: online dating.

Das klingt leichter bzw. unkomplizierter als es ist. Denn die gewöhnlichen Onlineplattformen auf denen meine Freunde sich bewegen *hust* Tinder *hust-hust* oder die Seiten die im Fernsehen beworben werden (Parship, Elitepartner,...) sind eher für die sexuelle Bevölkerung gedacht.
Ich habe mir zwar überlegt, ob ich mich bei einer davon anmelden und mich "einfach" in der Personenbeschreibung outen soll, aber ich habe dann doch zu viel Angst davor zu viele negative Reaktionen zu bekommen.
Tja. Nachdem ich das alles also abgeschrieben hatte habe ich mich auf die Suche nach solchen Plattformen für Asexuelle gemacht. Und siehe da! Es gibt ZWEI!

Eine davon stammt vom AVEN-Forum (Forum zu Asexualität).
Auf dieser habe ich mich angemeldet, die wichtigsten Dinge ausgefüllt - und weil ich gerne zu viel von mir erzähle habe ich auch noch einige ergänzende Fragen beantwortet - und dann habe ich auf "Suchen" geklickt. Die Seite sucht dann mithilfe meiner bevorzugten Eigenschaften (Nichtraucher, Körperkontakt erwünscht, gewünschte Altersspanne,...) nach einem geeigneten Partner.
Und dann?
Im Umkreis von 50km (!) gabs EIN aktives Mitglied, das meinen gesuchten Angaben entsprach.
Nachdem ich die Einstellungen zu "auch nicht perfekte Treffer anzeigen" geändert habe, waren 5 Männer innerhalb eines 60km (!) Radius gefunden. Allerdings waren 3 davon aus verschiedenen Gründen (zu alt, inaktiv,...) ZU unpassend. Unter den verbleibenden 2 ist natürlich wieder das selbe Mitglied wie bei der ersten Suche.
Na toll. Also ist meine Auswahl bei dieser Seite - wenn ich keine Fernbeziehung starten will - ziiiiemlich begrenzt.

Dann habe ich eine andere, internationale Datingseite für Asexuelle gefunden: Asexualitic
Diese Plattform finde ich optisch und praktisch sehr toll. Man kann sein eigenes Profil anlegen, sich selbst beschreiben, erklären wonach man sucht, Gruppen beitreten und Freundschaftsanfragen verschicken. Nur leider benötigt man für eine volle Mitgliedschaft ein Pay Pal Konto und meins funktioniert blöderweise nicht mehr.
Tja.
Mit der begrenzten Mitgliedschaft kann ich leider keine Mitglieder direkt anschreiben und auch keinen Gruppen beitreten.

Aber ich habe einen Weg gefunden trotzdem Menschen mit dieser Plattform kennenzulernen. Ich habe auf meinem Profil ein paar Wege aufgelistet wie man mich kontaktieren kann und bin in der Lage Freundschaftsanfragen zu verschicken. Manche Männer haben ebenfalls Konktaktmöglichkeiten aufgelistet.

Das klingt soweit alles nicht schlecht. Nur leider ist diese Plattform wie gesagt international. Und 99,5% der Männer darauf wohnen nicht in Deutschland. Und die wenigen Deutschen die diese Seite nutzen leben hunderte Kilometer entfernt oder haben so gut wie keine Gemeinsamkeiten mit mir. :(
Also auch echt uncool.

Naja. Ich habe trotzdem mit 5 Männern Kontakt aufgebaut und versucht sie besser kennenzulernen. Aber wie es scheint bin ich nicht die einzige, die keine Lust darauf hat eine Fernbeziehung aufzubauen.

Mir bleibt also momentan zu hoffen, dass ich doch noch Glück habe und jemanden online kennenlerne, der nicht zu weit weg wohnt und außerdem noch Interessen mit mir teilt oder ich ziehe nach Großbritannien oder Irland - da gibts nämlich richtig attraktive Asexuelle ;-)

Es bleibt natürlich immer noch die Möglichkeit, dass mir mein nächster Freund im echten Leben begegnet. Aber leider hat mich meine Asexualität sehr schüchtern gemacht seit ich bewusst von ihr weiß.

Fakt ist wenn sich auf dem Gebiet was entwickelt werdet ihr es hier sehr wahrscheinlich erfahren!

Mittwoch, 22. Februar 2017

Negativität, Hass, Ignoranz,... Wie wär's mit Offenheit?

Ich kann euch gar nicht sagen wie oft (!) Menschen schon gedacht haben, ich wäre lesbisch.
 
Viele sprechen solche Vermutungen nicht aus. Aber ich weiß, dass mehrere Leute schon sowas gedacht haben. Teilweise wegen meinen kurzen Haaren (ja, manche Menschen sind wirklich so voreingenommen!) und teilweise, weil ich mich schon länger für die Rechte der LGBTQ+ Community einsetze und öfter über solche Themen spreche als viele anscheinend von Heteros erwarten.
 
Versteht mich nicht falsch! Es gibt schlimmere Dinge als für homosexuell gehalten zu werden. Aber das ist nicht der Punkt, auf den ich hinaus will. Sondern:
Man muss nicht schwul, lesbisch, bisexuell, transsexuell oder sonst irgendwie 'queer' sein, um für die Rechte und Anerkennung/Akzeptanz dieser Menschen zu kämpfen.
 
Offenheit.
Das ist alles was man braucht um ohne Sexismus, Homophobie und Rassismus durch die Welt zu gehen. Wenn jeder einzelne Mensch offen wäre für die Vielfalt die unsere Welt zu bieten hat wäre das Leben von allen viel schöner.
 
Wir Asexuellen bekommen nicht so viel Hass ab, wie homosexuelle und transsexuelle Menschen. Aber wie beispielsweise Bisexualität wird unsere Orientierung von vielen noch nicht wirklich als solche anerkannt. Einige denken, dass Menschen die keine sexuelle Anziehung spüren krank oder unreif sind; dass irgendwelche traumatischen Erlebnisse schuld dafür sind oder das alles "nur eine Phase" ist. Aber wie ich schon von Anfang an in diesem Blog deutlich gemacht habe bin ich gesund und trauma-frei.
 
Ich kann die Gedanken von sexuellen Menschen irgendwie nachvollziehen... Für sie ist meine Erklärung 'ich verspüre kein Bedürfnis nach Sex' vermutlich so wie wenn mir (einem totalen Batman-Fan) jemand erklärt er/sie mag Batman überhaupt nicht.
Aber auch wenn ich nicht verstehe wie man meinen Lieblingshelden nicht mögen kann, akzeptiere ich die Gefühle und Meinungen dieser Personen.
 
Wieso kann sich nicht jeder so verhalten? Solange jemand mit seinen Eigenschaften/Verhalten (seien es Vorlieben, sexuelle Orientierungen oder sonst etwas) keinem anderen Menschen schadet, kann man dieser Person doch einfach ihr Leben lassen. Oder??
 
Offenheit.
Dieses Wort verfolgt mich nun schon seit Wochen... Und weil es mich nicht loslässt werde ich es verbreiten und versuchen, es in die Köpfe vieler meiner Mitmenschen zu pflanzen.
Vielleicht schaffe ich es ja damit zumindest ein paar wenigen die Augen zu öffnen. :)
 

Bildquelle:
http://www.ncourtenaychurchofchrist.com/wp-content/uploads/2015/01/open-minded-2.jpg

Freitag, 20. Januar 2017

Dates

Vor ein paar Tagen hatte ich mein erstes 1.Date seit ich weiß dass ich asexuell bin.

- Ich nenne den Typen im Folgenden Alex, obwohl das nicht sein richtiger Name ist -

Alex war beim kennenlernen sehr sympathisch und ich habe mich sehr darauf gefreut mehr über ihn zu erfahren. Wir trafen und zum Frühstück und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Auch mit der körperlichen Nähe zu ihm hatte ich keine Probleme und fand sie sehr schön.
Nach einer Weile machte er aber ein paar Kommentare und Annäherungsversuche, die mir schnell zu viel wurden. Ich bin kurze Zeit später nach Hause gefahren.

Auf dem Heimweg hatte ich gemischte Gefühle. Ich fand Alex sehr sympathisch und interessant, aber war mir nach den Annäherungen nicht sicher was genau seine Absichten waren. Ich habe daraufhin beschlossen mich beim 2.Date zu outen, damit er sofort weiß womit er bei mir rechnen kann und was nicht möglich ist.

Aber so wie ich nunmal bin habe ich noch am selben Tag nach Geschichten anderer Asexueller gesucht, die sich in der selben Situation befanden um zu sehen ob das 2. Date nicht doch zu früh ist für ein Outing. Was ich fand waren vor allem Geschichten Sexueller, welche ihre Erfahrungen mit Asexuellen beschrieben haben. Daraus ging hervor, dass sich viele gewünscht hätten und auch in Zukunft wünschen würden so früh wie möglich die Wahrheit zu erfahren. Viele davon haben kurz darauf allerdings den Kontakt zu den asexuellen potentiellen Partnern abgebrochen, weil für sie ein Leben ohne (regelmäßigen) Sex nicht vorstellbar war.

Ich hatte nach dieser "Recherche" Angst Alex abzuschrecken und durch ein Outing zu verlieren, aber meine Abneigung gegen sexuelle Anspielungen war zu groß um länger zu warten.
Also habe ich nervös das nächste Treffen abgewartet. Jedoch kam sowieso alle nicht so wie ich es geplant hatte..

Alex arbeitet nämlich 5x die Woche Nachtschicht.. Tagsüber schläft er meistens und hat nicht besonders viel Zeit für... nennen wir es mal 'soziale Kontakte' ;)
Ich war offen dafür ihn auch nur für 1 Stunde oder so zu treffen, Hauptsache wir sehen uns und ich kann mit ihm über alles reden.
Mein Vorschlag für ein Treffen war "Kaffee trinken gehen". Seine Vorschläge gingen alle in Richtung "Ich komm nach meiner Schicht zu dir!" Da ich aber in einer 1-Zimmer Wohnung lebe bedeutet "bei mir" immer Bettnähe. Und das war mir dann doch zu riskant.

Ich habe also weiterhin versucht ihn auf "neutralem Boden" zu treffen. Plötzlich wollte er das Treffen absagen, weil ich mich nicht auf seine Vorschläge eingelassen habe. Um ihm zu erklären wieso ich mich nicht bei mir oder bei ihm treffen wollte, habe ich ihm gesagt, dass ich mir nicht mehr sicher bin was seine Absichten mir gegenüber sind und mich das nervös macht.
Seine folgende Reaktion hat mich sehr, sehr geschockt und abgeschreckt: Er nannte mich "voreingenommen" und meinte er hätte es nicht nötig mich unter Vorwand zu ihm zu locken um mich - wortwörtlich - "zu ficken".

Ja, genau.
So schnell kann man sich bei mir unbeliebt machen.

Für mich war damit eigentlich alles vorbei. Wer solche Wörter so einfach in den Mund nimmt und sie mir an den Kopf wirft ist sowieso kein Mensch mit dem ich mir eine Zukunft vorstellen kann.

Das ganze war dann 2 Tage später tatsächlich vorbei, da er mir auch keine Chance mehr gegeben hat meine Unsicherheit zu erklären und er durchgehend schlecht gelaunt war.

Keine Sorge, Menschen die jetzt vielleicht denken ich bin todtraurig, jemand wie Alex ist es eindeutig nicht wert mich als Menschen besser kennen lernen und ich bin froh dass ich eine meiner intimsten Eigenschaften nicht mit ihm geteilt habe.

Ich werde weiterhin suchen/warten bis ich jemanden vor mir habe, der mich und meine Persönlichkeit liebt und mit meiner sexuellen Orientierung klar kommt.

Und wann ich mich dann oute kommt auf den Moment an und wie ich die Person einschätze.
Ihr könnt euch jedenfalls sicher sein dass ich darüber schreiben werde, wenn ich mich einem Mann gegenüber oute ;)

Wenn ihr wollt würde ich mich über Kommentare freuen in denen ihr mir erzählt welchen Zeitpunkt ihr für ein solches Outing wählen würdet!
Danke :)

Sonntag, 11. Dezember 2016

Falsche Annahme: "Asexuelle haben keinen Sex"

Viele Menschen denken, dass Asexuelle keinen Sex haben. Aber das stimmt nicht.

Noch einmal zur Erinnerung: asexuell zu sein bedeutet, dass man keine sexuelle Anziehung empfindet, NICHT dass man keinen Sex hat.
Asexuelle haben trotzdem alle Körperteile und -funktionen die man für sexuelle Handlungen benötigt. Manche empfinden sogar ein gewisses Maß an Sexualtrieb, den sie auf verschiedene Weisen ausleben.

Die Frage, ob Asexuelle masturbieren wird mir und allen anderen Asexuellen sehr oft gestellt. (ja, wirklich!) Ich finde diese Frage ist echt unverschämt und denke, sie sollte nicht gestellt werden. Aber ich verstehe natürlich auch die Neugier der Menschen. Also beantworte ich diese Frage so allgemein und ehrlich wie möglich: Es kommt auf den Menschen an. Manche tun es, andere nicht.

Diejenigen die es tun haben unterschiedliche Beweggründe. Beispielsweise, weil sie einen Sexualtrieb haben, den aber durch ihre sexuelle Orientierung nicht mit anderen ausleben möchten. Andere tun es aus Neugier oder zur Entspannung.


Nun da wir das geklärt haben: zum eigentlichen Thema dieses Eintrags!

Die Annahme Asexuelle hätten keinen Sex ist falsch. Viele Asexuelle haben Sex!
Gründe dafür sind unter anderem:

- Unwissenheit: die Personen wissen nicht dass sie Asexuell sind und denken sie 'müssten' Sex haben weil das jeder andere auch tut

- Kinderwunsch: Viele Asexuelle die auf natürlichem Weg ein Kind bekommen möchten entscheiden sich dafür Sex zu haben

- Beziehungen: Manche Asexuelle in Beziehungen mit Sexuellen entscheiden sich dafür Sex zu haben. Viele davon begründen dies damit, dass sie sich ihrem Partner dadurch "noch näher" fühlen können

- Neugier: Manche Asexuelle haben beispielsweise Sex um herauszufinden, wovon ihre sexuellen Freunde/Bekannte/... sprechen

- Spaß: Es gibt Asexuelle die Spaß an Sex haben. Sexuelle Handlungen fühlen gut an und sie genießen es


Asexuelle die Sex haben sind trotzdem asexuell.
Und OB Asexuelle Sex haben oder nicht ist ganz und gar ihre Entscheidung und Privatsache.


Interessant zu wissen ist auch, dass es Asexuelle gibt welche von Sex "angewidert" sind und andere, die offen sind für Gespräche über Sex oder sogar dafür selber Sex zu haben.
Und egal welche Art von asexuell jemand ist: alles ist okay!