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Klara
Freitag, 20. Januar 2017
Dates
- Ich nenne den Typen im Folgenden Alex, obwohl das nicht sein richtiger Name ist -
Alex war beim kennenlernen sehr sympathisch und ich habe mich sehr darauf gefreut mehr über ihn zu erfahren. Wir trafen und zum Frühstück und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Auch mit der körperlichen Nähe zu ihm hatte ich keine Probleme und fand sie sehr schön.
Nach einer Weile machte er aber ein paar Kommentare und Annäherungsversuche, die mir schnell zu viel wurden. Ich bin kurze Zeit später nach Hause gefahren.
Auf dem Heimweg hatte ich gemischte Gefühle. Ich fand Alex sehr sympathisch und interessant, aber war mir nach den Annäherungen nicht sicher was genau seine Absichten waren. Ich habe daraufhin beschlossen mich beim 2.Date zu outen, damit er sofort weiß womit er bei mir rechnen kann und was nicht möglich ist.
Aber so wie ich nunmal bin habe ich noch am selben Tag nach Geschichten anderer Asexueller gesucht, die sich in der selben Situation befanden um zu sehen ob das 2. Date nicht doch zu früh ist für ein Outing. Was ich fand waren vor allem Geschichten Sexueller, welche ihre Erfahrungen mit Asexuellen beschrieben haben. Daraus ging hervor, dass sich viele gewünscht hätten und auch in Zukunft wünschen würden so früh wie möglich die Wahrheit zu erfahren. Viele davon haben kurz darauf allerdings den Kontakt zu den asexuellen potentiellen Partnern abgebrochen, weil für sie ein Leben ohne (regelmäßigen) Sex nicht vorstellbar war.
Ich hatte nach dieser "Recherche" Angst Alex abzuschrecken und durch ein Outing zu verlieren, aber meine Abneigung gegen sexuelle Anspielungen war zu groß um länger zu warten.
Also habe ich nervös das nächste Treffen abgewartet. Jedoch kam sowieso alle nicht so wie ich es geplant hatte..
Alex arbeitet nämlich 5x die Woche Nachtschicht.. Tagsüber schläft er meistens und hat nicht besonders viel Zeit für... nennen wir es mal 'soziale Kontakte' ;)
Ich war offen dafür ihn auch nur für 1 Stunde oder so zu treffen, Hauptsache wir sehen uns und ich kann mit ihm über alles reden.
Mein Vorschlag für ein Treffen war "Kaffee trinken gehen". Seine Vorschläge gingen alle in Richtung "Ich komm nach meiner Schicht zu dir!" Da ich aber in einer 1-Zimmer Wohnung lebe bedeutet "bei mir" immer Bettnähe. Und das war mir dann doch zu riskant.
Ich habe also weiterhin versucht ihn auf "neutralem Boden" zu treffen. Plötzlich wollte er das Treffen absagen, weil ich mich nicht auf seine Vorschläge eingelassen habe. Um ihm zu erklären wieso ich mich nicht bei mir oder bei ihm treffen wollte, habe ich ihm gesagt, dass ich mir nicht mehr sicher bin was seine Absichten mir gegenüber sind und mich das nervös macht.
Seine folgende Reaktion hat mich sehr, sehr geschockt und abgeschreckt: Er nannte mich "voreingenommen" und meinte er hätte es nicht nötig mich unter Vorwand zu ihm zu locken um mich - wortwörtlich - "zu ficken".
Ja, genau.
So schnell kann man sich bei mir unbeliebt machen.
Für mich war damit eigentlich alles vorbei. Wer solche Wörter so einfach in den Mund nimmt und sie mir an den Kopf wirft ist sowieso kein Mensch mit dem ich mir eine Zukunft vorstellen kann.
Das ganze war dann 2 Tage später tatsächlich vorbei, da er mir auch keine Chance mehr gegeben hat meine Unsicherheit zu erklären und er durchgehend schlecht gelaunt war.
Keine Sorge, Menschen die jetzt vielleicht denken ich bin todtraurig, jemand wie Alex ist es eindeutig nicht wert mich als Menschen besser kennen lernen und ich bin froh dass ich eine meiner intimsten Eigenschaften nicht mit ihm geteilt habe.
Ich werde weiterhin suchen/warten bis ich jemanden vor mir habe, der mich und meine Persönlichkeit liebt und mit meiner sexuellen Orientierung klar kommt.
Und wann ich mich dann oute kommt auf den Moment an und wie ich die Person einschätze.
Ihr könnt euch jedenfalls sicher sein dass ich darüber schreiben werde, wenn ich mich einem Mann gegenüber oute ;)
Wenn ihr wollt würde ich mich über Kommentare freuen in denen ihr mir erzählt welchen Zeitpunkt ihr für ein solches Outing wählen würdet!
Danke :)
Donnerstag, 12. Januar 2017
Selbstverständlich
Vor ein paar Tagen war ich bei Freunden eingeladen. Wir haben gegessen, getrunken, ein Spiel gespielt und geredet. Ein richtig gemütlicher Abend mit ein paar tollen Menschen.
Im Laufe des Abends habe ich mit einer Freundin aus dieser Gruppe über Facebook, Tumblr und meinen Blog geredet. Sie fand es gut dass ich einen Weg gefunden habe mich auszudrücken und war sehr verständnisvoll. Nicht viele heterosexuelle die ich kenne sind bereit (längere) Gespräche über andere Sexualitäten zu führen. Also habe ich angenommen das Thema würde sich bald ändern.
Allerdings haben sich dann die anderen beiden in der Runde in unser Gespräch eingeklinkt und es wurde noch viel detaillierter und persönlicher über sexuelle Orientierungen, die Sicht der Gesellschaft und von jedem Einzelnen aus der Runde geredet.
Es war als wäre dieses Thema eins wie jedes andere. Als würden wir z.B. über unsere Familien reden und wie viele Geschwister jeder von uns hat.
Irgendwann war natürlich auch dieses Gespräch vorbei, aber es dauerte ungewöhnlich lange.
Als ich auf dem Heimweg war, habe ich der Freundin mit der die Unterhaltung begonnen hatte eine Nachricht geschickt und mich dafür bedankt, dass wir so ein gutes Gespräch geführt haben.
In ihrer Antwort schrieb sie "Das ist doch selbstverständlich."
Aber nein, das ist es leider nicht. Für viele Menschen ist es nicht selbstverständlich über mehrere Minuten ein Gespräch über Asexualität zu führen. Sie finden es seltsam oder unangenehm. Manche verstehen überhaupt nicht wieso ich das Bedürfnis habe über meine Sexualität zu sprechen.
Aber genau so sollte es sein.
Wieso sollte ich nicht mit Freunden über so etwas persönliches reden können?
Es sollte selbstverständlich sein.
Sonntag, 11. Dezember 2016
Falsche Annahme: "Asexuelle haben keinen Sex"
Noch einmal zur Erinnerung: asexuell zu sein bedeutet, dass man keine sexuelle Anziehung empfindet, NICHT dass man keinen Sex hat.
Asexuelle haben trotzdem alle Körperteile und -funktionen die man für sexuelle Handlungen benötigt. Manche empfinden sogar ein gewisses Maß an Sexualtrieb, den sie auf verschiedene Weisen ausleben.
Die Frage, ob Asexuelle masturbieren wird mir und allen anderen Asexuellen sehr oft gestellt. (ja, wirklich!) Ich finde diese Frage ist echt unverschämt und denke, sie sollte nicht gestellt werden. Aber ich verstehe natürlich auch die Neugier der Menschen. Also beantworte ich diese Frage so allgemein und ehrlich wie möglich: Es kommt auf den Menschen an. Manche tun es, andere nicht.
Diejenigen die es tun haben unterschiedliche Beweggründe. Beispielsweise, weil sie einen Sexualtrieb haben, den aber durch ihre sexuelle Orientierung nicht mit anderen ausleben möchten. Andere tun es aus Neugier oder zur Entspannung.
Nun da wir das geklärt haben: zum eigentlichen Thema dieses Eintrags!
Die Annahme Asexuelle hätten keinen Sex ist falsch. Viele Asexuelle haben Sex!
Gründe dafür sind unter anderem:
- Unwissenheit: die Personen wissen nicht dass sie Asexuell sind und denken sie 'müssten' Sex haben weil das jeder andere auch tut
- Kinderwunsch: Viele Asexuelle die auf natürlichem Weg ein Kind bekommen möchten entscheiden sich dafür Sex zu haben
- Beziehungen: Manche Asexuelle in Beziehungen mit Sexuellen entscheiden sich dafür Sex zu haben. Viele davon begründen dies damit, dass sie sich ihrem Partner dadurch "noch näher" fühlen können
- Neugier: Manche Asexuelle haben beispielsweise Sex um herauszufinden, wovon ihre sexuellen Freunde/Bekannte/... sprechen
- Spaß: Es gibt Asexuelle die Spaß an Sex haben. Sexuelle Handlungen fühlen gut an und sie genießen es
Asexuelle die Sex haben sind trotzdem asexuell.
Und OB Asexuelle Sex haben oder nicht ist ganz und gar ihre Entscheidung und Privatsache.
Interessant zu wissen ist auch, dass es Asexuelle gibt welche von Sex "angewidert" sind und andere, die offen sind für Gespräche über Sex oder sogar dafür selber Sex zu haben.
Und egal welche Art von asexuell jemand ist: alles ist okay!
Sonntag, 4. Dezember 2016
Asexuelle und ihr Humor
In den letzten 6 Monaten habe ich viele Posts gefunden, auf die ich innerlich mit "JA! Genau so geht's mir auch!!" reagiert habe. Manche davon sind witzig, andere einfach nur sehr passend.
In diesem Blogeintrag teile ich ein paar dieser Beiträge mit euch :)
Dienstag, 22. November 2016
Die Augenbrauen
- frei nacherzählt von http://www.aven-info.de/asexualitaet/asex16.html -
Stellt dir vor, du lebst in einer Welt in der sich so gut wie alles um Augenbrauen dreht:
Wer präsentiert seine Augenbrauen wie? Welches Produkt macht die Augenbrauen am attraktivsten?
Augenbrauen überall.
Das tollste was man angeblich mit seinem Partner oder jemandem mit schönen Augenbrauen machen kann ist diese Augenbrauen anzufassen oder sogar abzulecken. (Ja, du hast richtig gelesen, bitte lies weiter!)
Wenn du jetzt fragst "was soll diese seltsame Geschichte, Klara?!"
Dann frag ich dich:
Du weißt, dass Augenbrauen existieren, oder?
Du kannst schöne Augenbrauen erkennen und sie an Personen attraktiv finden, richtig? Und trotzdem hast du nicht wirklich das (dringende) Bedürfnis sie anzufassen oder sogar abzulecken..
Du möchtest nicht, dass jede Unterhaltung auf irgendeine Art von Augenbrauen handelt, oder jeder Mensch, der dich in einer Bar anredet nur an deine Augenbrauen will. Du hast doch viel mehr zu bieten als nur Augenbrauen!
Tja. So ungefähr fühlt man sich als Asexueller in dieser sexuellen Welt.
Wir können nicht nachvollziehen wieso sich alles um Sex drehen muss.
Ich fühle mich in dieser Welt so, wie du dich in der Welt der Augenbrauen fühlen würdest.
Ich hoffe dieses Beispiel hilft denjenigen von euch, die Schwierigkeiten haben meine Sicht (und die von anderen asexuellen Menschen) auf diese Welt zu verstehen.
Samstag, 12. November 2016
Schlechte Tage
Allerdings habe ich vor kurzem einen Beitrag eines asexuellen Studenten aus England gelesen, der mir aus der Seele gesprochen hat. Ich habe ihn gefunden, als ich im Mai auf Youtube nach asexuellen Vloggern gesucht habe, um mich mehr zu informieren. Er spricht sehr gut und offen über seine Gefühle und verschiedene Situationen des Alltags als Asexueller.
Diese Gefühle kenne ich nur zu gut. Ich weiß, dass ich auf meine Art normal und richtig bin. Aber das Leben ist nicht leicht, wenn man nicht dem „Standard“ dieser Gesellschaft entspricht. Ich bin froh, dass Homosexuelle inzwischen immer mehr Akzeptanz finden, allerdings kann man bei ihnen immer noch mit „Liebe ist Liebe“ argumentieren. Aber Liebe ohne sexuelle Anziehung ist für viele Menschen nicht nachvollziehbar. Wir Asexuelle gelten als seltsam, krank oder gestört und viele Menschen können sich weder eine Beziehung, geschweige denn ein ganzes Leben ohne Sex vorstellen.
Ein Facebookbeitrag über eine Beziehung eines Sexuellen mit einer Asexuellen, den ich vor kurzem gesehen habe, hatte viele sehr verurteilende Kommentare.
Darin haben Menschen geschrieben, dass es dem Mann gegenüber nicht fair ist, dass die Frau es ihm nicht gönnt seine sexuellen Triebe auszuleben, dass er etwas „Besseres“ verdient hat als das.
Samstag, 5. November 2016
Vermutungen
Zum Beispiel habe ich es bei Outings ein paar mal erlebt, dass jemand nach meiner Erklärung gemeint hat "Oh, Person XY wirkt auch so als wäre sie asexuell. Das muss es wohl sein."
Und das finde ich einfach nicht fair.
Aber das hängt vermutlich damit zusammen, dass in unserer Gesellschaft jeder als heterosexuell gilt, bis etwas anderes "bewiesen" wird. Und wenn eine Person jemanden vom selben Geschlecht küsst, ist diese sofort homosexuell.
Dieses schwarz/weiß Denken ist sehr veraltet und sollte bitte ganz schnell abgeschafft werden.







